25.08.2019 - 16:17 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Fast wie in Kanada

Der See glitzert in der Morgensonne, keine Autobahn stört die Idylle. Die Premium-Lage fürs Ferienhaus ist schon weg. Doch Seeblick haben im "Fischerdorf Trausnitz" mit seinen bislang vier Holzhäusern auch noch die freien Baugrundstücke.

von Monika Bugl Kontakt Profil

"Dort unten ist man doch ein wenig auf dem Präsentierteller", sagt Bernd Neumann und deutete auf die 200 Quadratmeter großen Grundstücke in der ersten Reihe des Baugebiets am Stausee von Trausnitz. Noch zu haben: ein Platz für ein kleines Ferienhaus aus Holz in zweiter, dritter oder vierter Reihe.

Der 51-Jährige, ein gebürtiger Schönseer, hat einen Traum zu verkaufen, den Traum vom Haus am See - zumindest als Ferien-Domizil. "Die Grundstücke gehen weg wie die warmen Semmeln", freut sich der Unternehmer, der vor ein paar Jahren für 700 000 Euro das komplette Campingplatz-Areal von Trausnitz gekauft hat, inklusive der Gaststätte "Seeterrasse". Da lagen auch schon die 15 Jahre alten Pläne für eine Ferienhaussiedlung in der Schublade.

"Für mich war das wie ein Sechser im Lotto", schildert Neumann, der diese Investition über ein Darlehen vom Vorbesitzer, der Firma Tausendpfund, finanzieren konnte. Nie hätte er mit den Einnahmen vom Campingplatz die Rückzahlung stemmen können, das wurde ihm ganz schnell klar. Aber mit der Vermarktung der Grundstücke für die Ferienhäuser sah das schon ganz anders aus. Nachdem der Gemeinderat grünes Licht für den Bebauungsplan "Fischerdorf Trausnitz" gegeben hatte, ging 2016 der erste Verkauf über die Bühne. Drei Jahre später sind 23 Grundstücke verkauft, 18 noch übrig. Und Bernhard Neumann hat seine Investition "zurückfinanziert", seine Schulden beim Vorbesitzer bezahlt.

Skepsis verfliegt

"Hinter mir liegen aber auch fünf anstrengende Jahre", räumt der erfolgreiche Geschäftsmann ein und erzählt von seinen drei Gesellenbriefen: Er hat als Metzger gearbeitet, als Koch und viele Jahre auf dem Bau. Dann hieß es "Rente mit 38", als er 2006 einen Unfall mit schweren Kopfverletzungen erlitt. Neumann gab nicht auf, schrieb für Magazine und Verlage übers Angeln und nahm dafür seine Heimat, die Oberpfalz, unter die Lupe. Dabei entdeckte er den Stausee mit der seit Jahren nicht mehr verpachteten Gaststätte. Hier wollte er "Nägel mit Köpfen machen". Mit den ersten Häusern im "Baugebiet" ist laut Neumann inzwischen die Skepsis gegenüber dem Projekt gewichen. "Die Leute, die hier ihr Haus aufstellen, suchen die Ruhe, und die Gegend ist touristisch nicht überlaufen", erklärt der 51-Jährige, der die frisch gebackenen Hausbesitzer westlich der zentralen Gaststätte genauso gut kennt wie die 40 Dauercamper im östlichen Teil. Ein Arzt, ein Ingenieur, ein Gastronom, ganz normale Leute aus Nürnberg, Amberg, Luhe oder Neunburg hätten hier investiert.

Einen Bauzwang gibt es nicht. Vermietung ist ebenso möglich wie eine reine Wertanlage. Der Preis für so ein 200-Quadratmeter-Grundstück liegt bei 53 500 Euro, erklärt der Eigentümer, der hier mit Lebensgefährtin Susanne und Tochter Marie heimisch geworden ist. Jetzt kann er seine Erfahrung auf dem Bau einbringen, seinem Hobby als Jäger frönen und abends die Camper bekochen. Die schwärmen von seinem Rehbraten, von der Gastfreundlichkeit und der Ruhe auf dem Platz.

Lieber geheim bleiben

"Hier im Pfreimdtal ist es ein bisschen wie in Kanada", meint Manuela Becker aus Kelheim, die fünf bis sechs Mal im Jahr mit ihrem Lebensgefährten hierher kommt und das am liebsten gar nicht laut sagen will, damit die Gegend ein Geheimtipp bleibt.

Für das von vielen Gästen geschätzte Angeln, Wandern oder Radfahren hatte Neumann bislang wenig Zeit. "In den letzten fünf Jahren bin ich um 20 Jahre gescheiter geworden", seufzt der 51-Jährige, der als Makler, Gastronom und beim Ausbau der Infrastruktur aktiv ist. "Ich hab' da enorm viel Energie reingesteckt", ist ihm klar. Irgendwann, wenn die Zeiten ruhiger sind, will auch der Chef auf dem Campingplatz seine Träume vom Haus am See realisieren: Nicht weit von der Gaststätte hat er sich zwei Bauplätze reserviert: einen für ein Pächterhaus, den anderen für ein Ferienhaus.

Haus oder Zelt:

Haus oder Zelt

Der Bebauungsplan für das "Fischerdorf Trausnitz" im westlichen Areal des Campingplatzes sieht zwei Typen von Holzhäusern vor: Typ A hat eine Grundfläche von 9,25 mal 4,85 Meter, Typ B ist 7,95 mal 5,45 Meter breit. Bei den Kosten für die Holzhäuser gibt es nach Erfahrungen von Bernhard Neumann je nach Anbieter enorme Preisunterschiede. Der Campingplatz im östlichen Teil bietet Flächen für Dauercamper, 25 Plätze sind für "Durchgangscamper" reserviert. Direkt am See gibt es auch noch ein Areal für Zelte. "Wer hier Saufgelage veranstalten will, ist aber an der falschen Adresse", so der Betreiber Bernd Neumann, der aus schlechten Erfahrungen mit diversen Gruppen gelernt hat und auf Einhaltung der Nachtruhe ab 22 Uhr pocht. Noch nicht in trockenen Tüchern sind eine große Terrasse, Sauna und zwei Pools, die den Campingplatz zusätzlich aufwerten sollen. "Momentan fehlen aber vor allem Saisonkräfte, beispielsweise in der Küche und beim Bedienen", berichtet Neumann.

Die Leute, die hier ihr Haus aufstellen, suchen die Ruhe.

Bernhard Neumann

Bernhard Neumann

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