11.08.2020 - 14:36 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Gleiritsch Paradebeispiel für einen Dorfladen

Wer weiter denkt, kauft näher ein, denn durch die Dorfläden ist der Weg zur Nahversorgung wieder kürzer geworden. Besucher aus dem Chamer Raum haben sich Anregungen in Trausnitz und Gleiritsch geholt. Sie sind beeindruckt.

Marianne Schieder (MdB) begrüßte die Besucher aus den Gemeinden Gleißenberg und Rimbach auf ihrer Dorfladeninfotour in Trausnitz und in Gleiritsch (im Bild).
von Alois KöpplProfil

Auf Initiative von Marianne Schieder (MdB), die bei ihren Besuchen bei kommunalen Mandatsträgern immer wieder auf die Nahversorgung der Bürger und die Möglichkeit der Errichtung eines Dorfladens angesprochen wurde, besuchte eine Delegation aus dem Landkreis Cham die Dorfläden Trausnitz und Gleiritsch. Schieder begrüßte die Bürgermeister Wolfgang Daschner aus Gleißenberg und Heinz Niedermayer aus Rimbach mit ihren Begleitern. Dabei wies sie auf die große Bedeutung der Dorfläden hin, die gerade nach dem Verschwinden der „Tante Emma-Läden aus der Fläche, von eminenter Wichtigkeit für die Nahversorgung sind.“

Überalterung, wenig Nachfrage

Geschäftsführer Anton Brand erläuterte den Gästen die Entwicklungsgeschichte des Gleiritscher Dorfladens. In der Kommune waren in früheren Jahren ein Bäcker, ein Metzger und bis zu vier Lebensmittelhändler (Gleiritsch 2 und Lampenricht 2) beheimatet. Nach und nach haben diese Läden mangels Überalterung oder aufgrund fehlender Nachfrage geschlossen. Einkaufen war nur noch außerhalb der Gemeinde Gleiritsch oder zu bestimmten Zeiten bei mobilen Händlern möglich. Im Rahmen der "Einfachen Dorferneuerung" haben die Gemeinde und die Bürger von Gleiritsch und Umgebung die Chance genutzt und die Einrichtung eines Dorfladens in der Ortsmitte von Gleiritsch in Angriff genommen.

Ein eigens gegründeter Arbeitskreis brachte die Einrichtung auf den Weg. Hierzu erhielt die Gemeinde Fördergelder im Rahmen der "Einfachen Dorferneuerung". Zuständige Behörde für die Förderung war das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. „Im Wege von stillen Gesellschaftsanteilen haben sich die Gemeindebürger finanziell eingebracht, so dass die Ladenausstattung und die Erstbestückung mit Waren finanziert werden konnte“, so Brand.

Die Chance für den Dorfladen

Altendorf

2012 konnte der Dorfladen in Gleiritsch eröffnet werden. Die Dorfladen Gleiritsch UG (haftungsbeschränkt) stellt nunmehr die Nahversorgung der Gemeindebewohner der Gemeinde Gleiritsch und Umgebung mit rund 1400 Produkten des täglichen Bedarfes, darunter viele regionale Angebote, insbesondere mit Lebensmitteln und Haushaltwaren, sicher. „Sie will dadurch das Gemeinwohl in der Gemeinde Gleiritsch wirksam fördern. Die Gründung der UG erfolgte aus rein ideellen und keinen eigenen wirtschaftlichen Interessen“, so der Geschäftsführer. Mittlerweile ist der Dorfladen ein Arbeitgeber mit acht Teilzeitkräften.

Auch viel Ehrenamt

Sachkundig beantwortete Brand die Fragen der sichtlich beeindruckten Besucher, die einen Einblick in die Finanzierung der Erstausstattung, Bezahlung gelieferter Ware, Personalkosten, Rechtsform, Öffnungszeiten, Umsatz und Fixkosten wie Miete, Stromkosten oder Heizung, Kundenfrequenz und ehrenamtliche Arbeit, die beim Betrieb nicht unwesentlich ist, erhalten wollten.

Hintergrund:

Serviceangebote

Geschäftsführer Anton Brand, selbst einem „Kramerladen“ entstammend und damit mit dem „Dorfladen-Gen“ aufgewachsen, listete eine Vielzahl von Vorteilen für die Kunden auf. „Kundenkarte, WhatsApp-Bestellungen, Corona-Lieferservice, Dorfbackofen-Aktionen, ‚Der Brillenmann‘, ein mobiler Optiker, Hilfe bei Feiern und Geschenken, Tortenwelt, Coffee-to-go, PaketShop und E-Bike-Ladestation vor der Haustür gehören zum Service, wie die Möglichkeit Bargeld bis zu 200 Euro bei einem Einkaufswert von zehn Euro abzuheben. Nachdem eine ortsansässige Bank vor Jahren geschlossen hatte, laufen so pro Jahr kostenlos über 60.000 Euro an Auszahlungen über den Gleiritscher Dorfladentresen.

Auch der soziale Aspekt spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ältere Mitbürger, Verwitwete oder Alleinstehende, die oft wenig Kontakt und auswärtige Einkaufsmöglichkeiten haben, können miteinander in Kontakt treten und so an Lebensqualität gewinnen.

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