27.07.2020 - 17:16 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Kraftwerk Tanzmühle: Sanierung in Millionenhöhe

Das Kraftwerk Tanzmühle bei Trausnitz ist seit über 65 Jahren in Betrieb. Damit das Werk auch in Zukunft reibungslos läuft, stehen gerade Sanierungsarbeiten in der Höhe von zehn Millionen Euro an. Zwei Experten erklären, was dort passiert.

Revisionsprojektleiter Cornel Ensslin (links) und Jasmin Rainer, Leiterin Kraftwerksgruppe Pfreimd (Mitte) stehen vor einem der vier neuen Maschinentransformatoren für das Wasserkraftwerk.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Das Wasserkraftwerk Tanzmühle existiert seit den 50er Jahren. Damit es weiter seinen Zweck erfüllen kann, hat sich in diesem Jahr bereits einiges getan, vieles wird gerade von Grund auf erneuert. Beim Besuch von Oberpfalz-Medien im Kraftwerk stellte Revisionsprojektleiter Cornel Ensslin zusammen mit Jasmin Rainer, Leiterin Kraftwerksgruppe Pfreimd, vor, welche Umbrüche gerade im Gang sind.

Ensslin spricht von einer "gelungenen Verbindung von Ökologie und Ökonomie", während er vor einem großen blauen Rohr an der Außenseite des Werks steht, das Wasser in die Pfreimd pumpt. "Hier wird eine zusätzliche Wassermenge für die Gewässerökologie eingeführt. Gleichzeitig wird damit im Kraftwerk in einer Laufwasserturbine Strom erzeugt", sagt er. Das Wasser soll dabei helfen, die Fließgeschwindigkeit in der Pfreimd zu erhöhen und die Wasserzirkulation zu verbessern. Das umzusetzen war Ensslin zufolgen nicht gerade einfach. "Wir mussten in das Bestandsgebäude noch eine Turbine einbauen. Da gab es einige technische Herausforderungen." Denn ursprünglich sei in dem Gebäude gar kein Platz für eine solche gewesen. Nach einer längeren Vorbereitungs- und Umbaupahse sei es im Februar möglich geworden, die Turbine in Betrieb zu nehmen.

Firmen aus der Region an Bord

Derzeit ist der Kraftwerkbetreiber mit einer großen Sanierung beschäftigt. Die Maßnahme kostet rund zehn Millionen Euro. Das Kraftwerk Tanzmühle braucht für seinen Pumpspeichersatz einen riesigen Maschinentransformator. Der alte wurde zum ersten Mal 1957 in Betrieb genommen. Nun hat er ausgedient und wurde von Arbeitern aus der Region durch einen neuen ersetzt. Dieser ist noch nicht angeschlossen. Drei weitere stehen im Werk in Reisach. Ensslin: "Was ich bemerkenswert finde, ist, dass die Firma SGB in Regensburg den Transformator gefertigt hat." Insgesamt habe sich eine Vielzahl regionaler Unternehmen an den Umbaumaßnahmen beteiligt. "Das geht von den Montagefirmen bis hin zu den Klempnern", sagt der Projektleiter. Ziel sei es, die lokale Wirtschaft einzubinden. Daneben hat der Betreiber auch die Auflageflächen sowie die Trennwände zwischen den Transformatoren sanieren lassen.

Lesen Sie hier: Schon vergangenes Jahr war die Sanierung Thema bei Besichtigungen

Trausnitz

Wasserschloss wird erneuert

Besonders bekannt dürfte dem ein oder anderen der große Turm zwischen Tanzmühle und Weinrieth bei Tännesberg sein. Er ist derzeit komplett eingerüstet. Der Turm ist eigentlich ein sogenanntes Wasserschloss, erklärt die Kraftwerksleiterin Jasmin Rainer. "Es sorgt für einen hydraulischen Ausgleich im Stollen", so Rainer. Denn was man von außen nicht sehen kann, ist, dass zwei Drittel des Baumwerks unter der Erde sind und die Konstruktion auf einem drei Kilometer langen unterirdischen Stollen aufgesetzt ist. Auch der Turm ist seit 65 Jahren in Betrieb. Der Zahn der Zeit hat an ihm genagt. An manchen stellen sieht man das in den Beton eingelassene Stahlgitter hervorblitzen.

Warum das Bauwerk so wichtig ist, wird deutlicher, wenn Rainer erläutert, wozu es dient. " Wenn man eine Maschine anfährt, dann gibt es Wasserspiegelschwankungen im Stollen", sagt sie. Der Turm ist sozusagen das Ausgleichventil, damit der Stollen unter der 40 000 Tonnen-Last der Wassermengen nicht einstürzt. Ensslin: "Ohne ein solches Bauwerk, das nach oben hin offen ist, würde das die Anlage schlicht nicht überleben." Ein solches Bauwerk dürfte in der Oberpfalz einzigartig sein.

Wenn sich die Wassermengen im Stollen in Bewegung setzen, dann steigt der Pegel im Wasserschloss fast bis zu dessen Kante.

Wegen Corona verschoben

Ensslin zufolge umfasst die Revision insbesondere sicherheitstechnische Aspekte. Dementsprechend wird derzeit die Steuerungstechnik des Werks erneuert. Auch die sogenannten Kugelschieber im Kraftwerk Reisach werden getauscht. "Ich sage es mal so, das sind große Wasserhähne, aber so groß, dass man auch drin herum laufen kann." Durch sie können pro Sekunde bis zu 25 000 Liter Wasser fließen. Die Schieber müssen allerdings innerhalb von nur 20 Sekunden schließen können.

Auch eine Tauchergruppe war im Einsatz, die an den Kraftwerkspumpen und Turbineneinläufen neuen Rostschutz angebracht hat. Auf der Baustelle hat sich ebenfalls das Coronavirus bemerkbar gemacht. Für einen Teil der Sanierung hätte der Betreiber Teile aus der Schweiz und aus Italien benötigt. "Die konnten wir aber coronabedingt heuer nicht mehr abnehmen", sagt Ensslin. Daher wird es im kommenden Jahr noch einmal weitere Umbaumaßnahmen geben müssen.

Gesundheit geht vor

Auch ansonsten musste der Betreiber den neuen Hygienestandards auf der Baustelle gerecht werden. Überall stehen zusätzliche Container für die Arbeiter sowie Desinfektionsmittelspender. "Jede Arbeitsgruppe ist strikt von der anderen getrennt", sagt Ensslin. Das sei mit einem deutlich erhöhten Aufwand verbunden. "Das ist aber notwendig und wird deshalb selbstverständlich von uns getragen, um schlicht die Gesundheit von allen, die hier beschäftigt sind, zu schützen ", sagt der Projektleiter.

Ensslin und Rainer gehen davon aus, dass die Maßnahmen, die heuer im Mai begonnen haben, voraussichtlich im September abgeschlossen sein werden.

Info:

Hintergrund

Das Kraftwerk Tanzmühle gehört zur Kraftwerksgruppe Pfreimd zu der auch die Kraftwerke Reisach und Trausnitz gehören. 1954 begann die Energieversorgung Ostbayern AG ( OBAG) mit dem Bau des Werks. Es wurde in zwei Abschnitten 1955 im Bereich Laufwasser und 1959 im Bereich Pumpspeicher in Betrieb genommen. Seit 2009 ist das Unternehmen Engie der Betreiber des Werks.

Im Kraftwerk Tanzmühle wird das Wasser der Pfreimd genutzt. Dabei ist das Gefälle zwischen dem Hochspeicher Rabenleite, dem Kainzmühlspeicher und dem Trausnitzspeicher essenziell für die Funktion des Werks. Ein unterirdisches Netz aus drei Druckstollen verbindet den Hochspeicher mit den Kraftwerken. Dabei handelt es sich um den 1315 Meter langen Reisachstollen, den Eulengrundstollen und den Weinbergstollen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.