03.06.2020 - 09:45 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Sturm auf Jugendherberge Burg Trausnitz dringend erwünscht

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Burg Trausnitz hofft auf Eroberer. Als Jugendherberge hat sie in den vergangenen Wochen nur Absagen kassiert. Ab 1. Juli allerdings öffnen sich die Burgtore. Eine "Erstürmung" der Burg ist erwünscht.

Ab 1. Juli öffnet die Jugendherberge Burg Trausnitz nach der durch das Coronavirus erzwungenen Pause. Schulklassen fallen als Gäste zunächst zwar aus, dafür setzt man jetzt auf Familien, die hier gerade wegen der geltenden Beschränkungen besonders viel Platz haben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Insgesamt 30 von 58 bayerischen Jugendherbergen haben bereits zu Beginn der Pfingstferien geöffnet, in einer zweiten Stufe folgen weitere Einrichtungen, unter ihnen auch Trausnitz. Die letzten Häuser sollen am 1. August wieder aufmachen. "Das hat damit zu tun, dass manche Häuser für die Vorbereitungen etwas länger brauchen", erklärt Marko Junghänel von der Pressestelle der Bayerischen Jugendherbergen und verweist auf das umfassende Sicherheits- und Hygienekonzept, das nun aufgrund der Corona-Pandemie Voraussetzung für die Öffnung ist.

Alle Häuser müssen dafür sorgen, dass der Mindestabstand zwischen Personen in öffentlich zugänglichen Bereichen der Jugendherbergen eingehalten werden kann. Da gilt es dann beispielsweise, Essenszeiten zu staffeln. Mehrbett-Zimmer dürfen nur mit Personen aus zwei Haushalten belegt werden, sanitäre Anlagen können nicht von verschiedenen Parteien genutzt werden. Auch Mund-Nase-Schutz und Desinfektionsmittel werden verstärkt Einzug halten. Trotz dieser Vorkehrung wird in Trausnitz die Hauptzielgruppe vorerst ausbleiben. "Normalerweise kommen hier viele Schulklassen unter, aber Klassenfahrten sind bis zu den Sommerferien nicht erlaubt", informierte Christian Soldo, Regio-Manager für die Jugendherbergen in Franken und in der Oberpfalz. Weil sich Jugendherbergen in ihrer Zimmer-Struktur und aufgrund der sanitären Einrichtung grundsätzlich von Hotels unterscheiden, werde die Öffnung "durchaus eine Herausforderung".

Nur noch 60 Betten

So können Zimmer mit bis zu zwölf Betten eben nur mit wenigen Personen belegt werden, weil maximal zwei haushalte dort untergebracht werden können. "Das macht es schwierig", räumt der Regio-Manager ein. Er geht davon aus, dass maximal 60 der vorhandenen 141 Betten tatsächlich genutzt werden können. "Wenn drei Radfahrer hier ankommen, dann kann es sein, dass die auch zwei Zimmer brauchen.".

Weil Schüler und Gruppen wegfallen, baut man nun ganz stark auf Inlandstourismus. "Der Familien-Anteil bei unseren Gästen wächst" ist sich Soldo sicher. "Die Jugendherberge ist viel günstiger als ein Hotel, und Familien werden ohnehin separat untergebracht", wirbt er um neues Klientel, das heuer durch die Corona-Auflagen durchaus ein wenig mehr Luxus haben dürfte. Aufgrund der Hygiene-Vorschriften kriegen nämlich auch Zimmer ohne Nasszelle oder Dusche jeweils eigene sanitäre Anlagen zugewiesen. "Bei den Buchungen sind die Gäste momentan noch sehr vorsichtig", räumt der Regio-Manager ein, der sich nach der angeordneten Schließung der Einrichtungen infolge der Corona-Pandemie sehr besorgt über die finanzielle Lage der Jugendherbergen gezeigt hatte. Inzwischen wurde die prekäre Lage der Häuser erkannt und Abhilfe in Aussicht gestellt.

Aus Stärke wird Schwäche

"Wir sind für alles dankbar, was uns über dieses Jahr bringt, Hauptsache es reicht zum Überleben", sagt Regio-Manager Soldo. Rein wirtschaftlich gesehen entpuppt sich nun nämlich alles, was bisher Flair und Stärke in Häusern wie Trausnitz ausmachte, als Schwäche: die großen Mehrbettzimmer. Grund genug, noch einmal auf einen "Reset" im Herbst mit Schulklassen zu schielen. Bis dahin haben Individual-Touristen die historischen Mauern in Trausnitz ganz für sich. Dort kostet beispielsweise im Juli ein Quartier für eine vierköpfige Familie inklusive Frühstück knapp 100 Euro pro Nacht. Voraussetzung ist allerdings eine Mitgliedschaft zum Jahresbeitrag von 22,50 Euro für Familien.

Region-Manager Soldo freut sich jetzt schon auf die ersten "Ritter", die im Juli die Burg erobern. "Unsere Türen sind geöffnet. Ich hoffe, dass sie uns eingerannt werden", stellt er klar und fügt hinzu: "Die Burg muss gestürmt werden."

Bericht zur Vorgeschichte:

Trausnitz

Unsere Türen sind geöffnet. Ich hoffe, dass sie uns eingerannt werden. Die Burg muss gestürmt werden.

Regio-Manager Christian Soldo

Regio-Manager Christian Soldo

Hintergrund:

Finanzspritze aus Sonderprogramm

Der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk hatte sich Ende März in einem Brandbrief an die Politik gewandt. Ohne Unterstützung durch Bund und Land sei der Landesverband zur dauerhaften Aufgabe der Standorte gezwungen, warnten die Verantwortlichen. Inzwischen hat das "Sonderprogramm Soziales" den Jugendherbergen die nötige Liquidität verschafft, um den Betrieb teilweise wieder aufnehmen zu können. Das Bayerische Kabinett hatte Mitte April zunächst einen Rettungsschirm für gemeinnützige Wirtschaftsbetriebe erarbeitet, unter dem auch der Landesverband Bayern des Jugendherbergswerks Platz gefunden hatte. Die staatlichen Hilfen waren dringend benötigt worden, weil der Verband aufgrund seines Status keine eigenen finanziellen Rücklagen bilden darf. Gemeinnützige Unternehmen sind angehalten, Erlöse unmittelbar wieder in den laufenden Betrieb zu investieren.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.