17.04.2020 - 10:50 Uhr
Triebendorf bei WiesauOberpfalz

Rollender Tante-Emma-Laden bringt's

Der mobile Dorfladen, als Pilotprojekt vom Zweckverband Steinwald-Allianz im August 2018 eingeführt, boomt wie noch nie. Immer mehr Dorfbewohner sind dankbar dafür, auch wegen der Ausgangsbeschränkungen direkt am Ort einkaufen zu können.

von Ulla Britta BaumerProfil

Dorfbewohner warten gegen Mittag auf den mobilen Dorfladen, der wie gewohnt gleich einrollen wird. Was auffällt, ist der große Kreis, den die Kunden heute beim "Dorfratsch" bilden. Jeder ist bemüht, den erforderlichen Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Und auch im mobilen Dorfladen wurden Sicherheitsvorschriften neu definiert. Der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz, Martin Schmid, hat sich zum Schutz von Kunden und Verkäuferinnen eine Strategie überlegt, die für alle Beteiligten erfüllt werden kann. So kann der mobile Laden weiter unterwegs sein. Die Zulieferung von Lebensmitteln gerade auf den Dörfern ohne Laden ist wichtiger denn je geworden. Handschuhe und Mundschutz für die Verkäuferinnen verstehen sich von selbst. "Und es darf jeweils nur noch ein einzelner Kunde den Laden betreten", erklärt Schmid. Das sei notwendig, wenn auch mit längeren Aufenthaltszeiten pro Haltestelle verbunden. Dafür bittet der Geschäftsführer um Verständnis.

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Pünktlich um 11.10 Uhr parkt Fahrer Bernhard Schraml den mobilen Dorfladen vor dem Schulbushäuschen mitten im Dorf. Die Stimmung unter den Kunden ist gut an diesem sonnigen Frühlingstag. Die Dorfbewohner nutzen die Wartezeit, um neue Nachrichten über die Coronakrise und im Dorf auszutauschen, denn der Gesprächsbedarf ist groß in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen. Jutta Dötterl aus Pullenreuth und Olga Lamm aus Erbendorf sind die Verkäuferinnen im mobilen Laden. Auch sie werden gefragt, wie es ihnen geht und wie die Stimmung im westlichen Landkreis sei, wo sie ebenfalls unterwegs sind.

Auch in Coronakrise komplettes Sortiment an Bord

Erbendorf

"Keiner hamstert"

Die Leute in Triebendorf kaufen wie immer für ihren normalen Bedarf ein. "Keiner hamstert oder fragt nach ungewöhnlichen Mengen", so Schmid. Am Einkaufsverhalten habe sich nichts geändert, freut er sich über die Disziplin der Kunden. Er habe lediglich eine gestiegene Nachfrage nach Kartoffeln beobachtet. "Nicht am Klopapier", fügt Schmid lachend an und sagt, dass der mobile Dorfladen auch hier gut bestückt sei. Schmids Lachen wirkt ansteckend, weil zufällig gerade ein Dorfbewohner im mittleren Alter den mobilen Dorfladen mit einer Packung Klopapier unterm Arm verlässt. Er hat für ein Seniorenehepaar eingekauft. Ältere Dorfbewohner, die sonst die Haltetage des mobilen Ladens in Triebendorf gern auch als Treffpunkt unter Nachbarn nutzen, kommen heute nicht.

Christine Englmann und Luisa Mayer erzählen, dass sie heute nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen hier stehen. Sie seien Stammkunden seit der Einführung des mobilen Ladens. "Ich kaufe auch für meine Mama und meine Oma ein", sagt Luisa Mayer. Die 28-Jährige hilft ihren älteren Verwandten gern, damit diese daheim bleiben können. Eine Frau bestellt fürs nächste Mal Eier. "Sie können gern auch anrufen, wenn sie mehr brauchen", ruft ihr die Verkäuferin nach. Endlich sind Max und seine kleine Schwester Nathalie an der Reihe. Die Kinder sind begeistert, dass sie ganz allein in diesem wunderbaren, fahrbaren Laden sich selbst Süßigkeiten kaufen dürfen. Der junge Vater der beiden Kinder steht draußen am Gartenzaun und lässt seine Sprösslinge nicht aus den Augen. Auch er genießt die wegen der Ausgangsbeschränkung kurzzeitig mögliche Unterhaltung mit seinen Nachbarn. "Uns geht es gut. Wir können raus an die frische Luft", sagt der Familienvater auf die Frage, wie er und seine Familie die Krise meistern. "Auf dem Dorf ist's leichter, wir haben unsere Gärten."

Wachsender Kundenstamm

Der zusätzliche "Luxus" einer eigenen Einkaufsmöglichkeit per mobilem Dorfladen hat sich in Corona-Zeiten rasch in der Steinwaldregion herumgesprochen. Martin Schmid erzählt von einem wachsenden Kundenstamm und immer mehr Online-Bestellungen. Letzteres kann er nur begrüßen, um die Kundenkontakte so gering wie möglich zu halten. "Wenn wir die Einkäufe vorher zusammenstellen, geht der Verkauf schneller über die Bühne." Schmid ermuntert deshalb alle, den Bestellservice per E-Mail oder Internet häufiger in Anspruch zu nehmen. Und er bittet um Verständnis, sollte der mobile Dorfladen nicht mehr ganz pünktlich sein können "Wegen der Ein-Mann-Regelung dauern die Einkäufe länger."

"Wir liefern Bestellungen auch gern bis vor die Haustür", bietet Schmid den Senioren, die jetzt nicht zur Haltestelle kommen können oder wollen, einen erweiterten Service an in diesen Krisenzeiten. Der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz betont, er sei sehr stolz auf sein Team, das die verschärften Arbeitsbedingungen bestens meistere. "Jeder schaut auf den anderen. Wir halten zusammen, damit wir unsere Arbeit weiter gut machen können." Martin Schmid: "Solange wir alle gesund bleiben, machen wir weiter."

Hintergrund:

Wer den mobilen Dorfladen nutzen will, kann sich im Internet unter der Adresse www.steinwald-dorfladen.de über die Haltestellen sowie über Uhrzeiten und Anfahrtage im jeweiligen Dorf informieren. Auf der Homepage ist ein Katalog über die verfügbaren Produkte zu finden. Vorbestellungen sind bis zum Vortag möglich. Aktuell ist eine rasche Abwicklung des Einkaufs per Vorbestellung per Internet oder Telefon erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich. Weitere Infos zum mobilen Dorfladen gibt es per E-Mail (info[at]steinwald-dorfladen[dot]de) oder per Telefon (0 96 82 / 18 22 19 25 oder 0173/5 77 93 30).

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