Brauereibesitzer Filip Miller folgte gerne der Einladung des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB), beim Stammtisch über seine Bierphilosophie zu reden und zu erzählen, wie er als Australier in Pilsen gelandet ist. Er hatte sechs aktuelle Biere zum Probieren mitgebracht. Gespannt schauten die Gäste beim 106. Deutsch-Tschechischen Stammtisch im Restaurant in Rybník (Waier) auf die Flaschen mit den modern gestalteten Etiketten "Sydney APA", "White IPA", "Gunslinger IPA", "Illegal IPA", "Orange IPA" und "Double Black Cream IPA". Filip hat seine Brauerei "Englisch Raven" (Rabe) genannt, mit 20 000 Hektoliter Ausstoß im Jahr. Diese liegt nur einen Kilometer Luftlinie von der mächtigen Pilsner Urquell entfernt.
Beeren im Sudkessel
Filip Miller und sein Team sind experimentierfreudig und lassen sich beim Brauen von neuen Craft-Bieren viel einfallen. Hopfensorten aus aller Welt werden verarbeitet, sogar Beeren, geriebene Orangenschalen oder Scotch Whisky wandern in den Sud. Kreative Braumeister aus anderen Ländern folgen seinen Einladungen, ein paar Tage als Gastbrauer mitzumachen. So hat sich Raven in nur drei Jahren einen exzellenten Namen auf dem schwierigen Pilsner Terrain aufgebaut. Aktuell hat die Craft-Biermanufaktur 25 Sorten im Angebot. Gemäß dem Motto, dass Bier nicht nur hell oder dunkel sein muss, gleicht Raven eher einer Bierküche, bei der man untergärige Biere (fast) vergeblich sucht. Kein Wunder, denn ein Pils in Pilsen zu brauen wäre ob des übermächtigen Pilsner Urquell ein nicht zu gewinnender Kampf zwischen David gegen Goliath.
Filip Millers Biere sind obergärige, deutlich amerikanisch inspirierte Craft-Biere. Die Hopfen kommen aus den USA, Australien, Japan, aber auch aus Deutschland. Neben dem Vertrieb geht viel in der eigenen Bierstube bei der Brauerei über den Tisch. Sein Team versteht sich als Brauercrew, zusammengesetzt aus Autodidakten mit nicht zu bremsender Bierleidenschaft. Jahreshöhepunkt ist das Raven Bierfest im Sommer.
Traum verwirklicht
Mutter Miller emigrierte aus Pilsen nach Australien, Sohn Filip wuchs in Sydney auf. In den 90er kehrte die Mutter nach Tschechien zurück. Das Studium der Germanistik machte er in Australien noch fertig, dann folgte er 2002. Zuerst verdiente er sich in Pilsen sein Geld als Englischlehrer, verlor aber seine Leidenschaft zum Bierbrauen nicht aus den Augen. Seinen großen Traum von einer eigenen Brauerei verwirklichte Filip Miller 2015 zusammen mit Ladislav Vrtis in der Mozartová Straße etwas nördlich vom Stadtzentrum. Beim Stammtisch assistierte CeBB-Praktikantin Silvie Buresová dem Braumeister gekonnt beim Einschenken in die Probiergläser und Europäische Freiwillige Marie Eliásová sorgte für die Übersetzung. Kommentare wie "interessant, bitter, schmeckt hervorragend, gewöhnungsbedürftig, erst beim zweiten Schluck gut", machten die Runde. Als alle sechs Probierflaschen leer waren, musste dann doch wieder Pilsner Urquell aus dem Wirtshauszapfhahn herhalten. Sebastian Lesnak und Tereza Pechová dankten am Schluss Bürgermeister Miroslav Kadlec für die Bewirtung mit Grillwürsten und Apfelstrudel und der Runde fürs Kommen, zu der sogar Gäste bis aus Lam anreisten.
Der nächste Stammtisch ist am 7. November in Schönsee in der Pizzeria La Strada (Thema: Polizei).













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