01.03.2020 - 16:30 Uhr
Oberpfalz

Ungeheuer Steuer – Tipps für die erste Steuererklärung

Die erste große Hürde ist geschafft: Du hast die Zusage für deinen ersten Job. In Zukunft erhältst du monatlich dein Gehalt aufs Konto. Spätestens im Juli erwartet dich die nächste Herausforderung: deine erste Steuererklärung.

Mit einer Steuererklärung lässt sich durchaus bares Geld sparen.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Doch keine Angst. So kompliziert, wie sie vielen Steuerneulingen erscheint, ist sie nicht. Und wer sie rechtzeitig abgibt, spart bares Geld. Aber klären wir zunächst einmal ein paar grundsätzliche Fragen. Zum Beispiel: Muss ich überhaupt Steuern zahlen? Prinzipiell lautet die Antwort erst einmal: ja. Das deutsche Einkommensteuergesetz definiert die Steuerpflicht folgendermaßen: „Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.“ Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass du auch eine Steuererklärung abgeben musst. Eine Steuererklärung ist nur dann sinnvoll, wenn auch Steuern gezahlt wurden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die Einkommensteuer – von Arbeitgebern Lohnsteuer genannt.

Steuererklärung: ja oder nein

Und ab wann ist eine Steuererklärung dann Pflicht? Dazu gibt es verschiedene Kriterien. Unter anderem bist du verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen, wenn du zwei Jobs gleichzeitig ausübst und es sich dabei nicht um einen Minijob handelt. Du hast Kapitalerträge zum Beispiel aus Zinsen oder andere Nebeneinkünfte, etwa Mietzahlungen, erhalten? Auch dann musst du eine Steuererklärung abgeben. Eine Abgabepflicht besteht außerdem, wenn du schon verheiratet bist und einer von euch beiden nach Steuerklasse fünf oder sechs besteuert wird oder das sogenannte Faktorverfahren greift. Außerdem kann dich das Finanzamt auch dazu auffordern, eine Steuererklärung abzugeben. Es ist aber auch eine freiwillige Steuererklärung möglich.

Fristen beachten

In jedem Fall solltest du die vorgeschriebenen Fristen einhalten. Machst du deine Steuererklärung freiwillig, hast du vier Jahre Zeit – für das Steuerjahr 2019 wäre folglich der 31. Dezember 2023 der Stichtag. Alle, die verpflichtet sind, eine Steuererklärung einzureichen, müssen dies bis zum 31. Juli des Folgejahres tun. Wer einen Steuerberater engagiert, hat sieben Monate länger Zeit. Fällt der Abgabetermin auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich die Frist auf den folgenden Werktag.

Die notwendigen Steuerformulare erhältst du entweder als Vordrucke bei deinem zuständigen Finanzamt oder auf deren Website. Eine gute Alternative zu der handschriftlichen Steuererklärung ist eine Steuersoftware. Das Finanzamt stellt kostenlos die Funktion ELSTER (ELektronische STeuerERklärung) zur Verfügung. Kostenpflichtige Steuer-Softwares bieten – im Gegensatz zu ELSTER – aber oft noch Steuertipps oder Ausfüllhilfen an.

Bares Geld sparen

Sicher fragst du dich jetzt: Wie kann ich mit der Steuer konkret Geld sparen? Ganz einfach: indem du deine Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen bei der Steuer mit angibst. Das lohnt sich vor allem für Auszubildende oder Studenten. Wenn die Ausgaben besonders hoch sind, stellt das Finanzamt einen Verlust fest, der sich auch Jahre später, wenn du eben ein richtiges Gehalt bekommst, steuermindernd auswirkt. Für alle Arbeitnehmer berechnet der Fiskus pauschal einen Werbungskostenbetrag von 1000 Euro. Liegen deine Aufwendungen darüber, solltest du unbedingt alle Posten einzeln bei der Steuererklärung angeben. Unter den Werbungskosten sind alle Kosten zu verstehen, die mit dem Beruf oder der Ausbildung zusammenhängen. Dazu zählen unter anderem:

  • Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Büromaterial oder Berufsbekleidung. Letztere wird allerdings nur angerechnet, wenn sie nicht auch privat getragen werden kann. Selbst Anschaffungskosten für Handy und Computer können angerechnet werden, sofern die Datenträger ausschließlich für die Arbeit verwendet und nicht vom Arbeitgeber gestellt werden.
  • Bewerbungskosten wie Fahrten, Übernachtungen oder Kosten für das Bewerbungsfoto. Zudem werden pauschal 8,50 Euro pro Bewerbungsmappe und 2,50 Euro pro Online-Bewerbung angerechnet.
  • Einfache Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte oder zur Berufsschule werden mit 30 Cent pro Kilometer angerechnet. Dabei zählt für das Finanzamt die kürzeste Straßenverbindung.
  • Fortbildungskosten wie Kursgebühren oder Fahrtkosten, wenn diese nicht der Arbeitgeber begleicht.
  • Kosten für ein Zweitstudium wie Studiengebühren, Anschaffung von Fachliteratur oder Auslandssemester. Als Zweitstudium gilt bereits das Masterstudium oder ein Studiengang, der nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung begonnen wird.
  • Umzugskosten, wenn diese durch den Beruf oder die Ausbildung notwendig sind. Dazu zählen unter anderem Umzugswagen, Makler oder die doppelt gezahlte Miete.

Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen verschaffen ebenfalls einen finanziellen Steuervorteil. Vorsorgekosten wie Kranken-, Pflege-, Unfall-, Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen fallen genauso unter die Sonderausgaben wie die Kosten für ein Erststudium. Kosten für Ärzte, Medikamente, Zahnersatz, Prothesen, Unterhalt oder Katastrophenschäden können als außergewöhnliche Belastung angerechnet werden, wenn sie die sogenannte „zumutbare Eigenbelastung“ überschreiten. Abhängig von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder wird diese Eigenbelastung individuell berechnet. Zu guter Letzt kannst du haushaltsnahe Dienstleistungen, wie Putzhilfen oder Gartenpflegearbeiten, Haushaltshilfen auf Minijobbasis und Handwerkerleistungen bei der Steuererklärung angeben.

Wenn du deine Steuererklärung ans Finanzamt geschickt hast, heißt es erst einmal warten. Bis der Steuerbescheid ins Haus flattert, kann einige Zeit vergehen – durchschnittlich dauert es etwa drei bis acht Wochen. Wenn du nach drei Monaten noch keinen Steuerbescheid bekommen hast, kannst du mal vorsichtig beim Finanzamt nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Wenn alle deine Angaben akzeptiert wurden und du deinen Steuerbescheid erhalten hast, folgt der Geldsegen innerhalb kurzer Zeit auf dein Konto.

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