03.12.2019 - 20:01 Uhr
Unterwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Großfeuer in Unterwildenau: „Materialschlacht“ für 300 Helfer

Über 18 Stunden dauert der Einsatz wegen des Großfeuers in Unterwildenau am Montag. Rund 300 Einsatzkräfte geben alles, um den Schaden an Menschen, Tieren und Gebäuden so gering zu halten wie möglich.

Rechts am Bildrand unterhalb der abgebrannten Scheune ist das zerstörte Dach eines anderen Bauernhofes zu sehen. Dort hatten Brandstifter Ende Oktober Feuer gelegt. Die Ursache des Brandes am frühen Montagmorgen ist dagegen noch unklar.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

An einen so langanhaltenden Einsatz wie diesen kann sich Andreas Duschner, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW), nicht erinnern. Er spricht von einem „besonderen Einsatz mit verheerendem Ausmaß“ und einer „Materialschlacht“ bezogen auf den Kräfte- und Technikbedarf. Das THW sei auch bei der Brandserie rund um Luhe-Wildenau und Rothenstadt im Einsatz gewesen, doch vom Ausmaß her sei das jüngste Feuer am schlimmsten. Es brach in einem Kuhstall neben einem Wohnhaus aus und griff auf eine Scheune über. Die Polizei schätzt den Schaden auf 250.000 Euro. Beide Gebäude befinden sich direkt neben dem Anwesen, auf dem es Anfang Oktober gebrannt hatte.

Unterwildenau/Luhe-Wildenau
Unterwildenau/Luhe-Wildenau

Das Polizeipräsidium Regensburg kann Brandstiftung oder eine andere Ursache für das Feuer am Montag weder ausschließen, noch bestätigen. Die Brandermittler haben ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen, erklärt Polizeisprecherin Franziska Meinl. Deshalb sei bislang kein Gutachter des Landeskriminalamts eingeschaltet worden.

„Logistische Herausforderung“

„Einsätze in dieser Dimension sind logistische Herausforderungen“, sagt Kreisbrandrat Marco Saller. „Es müssen Reservepools, Bereitschaften und gegebenenfalls Gebietsabsicherungen für andere Einsätze geplant werden.“ 230 Feuerwehrleute waren vor Ort (siehe Kasten), von 4.30 bis 23 Uhr. Drei von ihnen wurden verletzt. Sie befinden sich laut Saller nicht in Krankenhäusern.

Aufgrund der Einsatzdauer mussten Mannschaften ausgetauscht werden. „Wenn Mannschaften aufgebraucht sind, muss nachalarmiert werden“, erklärt der Kreisbrandrat. Auch das THW musste Personal austauschen. 20 Kollegen waren nach Angabe des Ortsbeauftragten vor Ort.

Die Feuerwehr versuchte, durch den Aufbau von Widerstandslinien die Ausbreitung des Feuers zu verhindern und Schaden abzuwenden, erklärt der Kreisbrandrat. „Das verlangt in der Anfangsphase viel ab. Man braucht hier jede Hand.“ Er schätzt, dass 3000 Meter B-Leitungen verlegt wurden, sieben davon lieferten das Löschwasser direkt aus der Naab. Eine Herausforderung seien auch die Einrichtung von Versorgungspunkten für Betriebs- und Kraftstoffe sowie das Bereitstellen der vielen Atemschutzgeräte gewesen. Der Landkreis folge einem Konzept, das sich schon bei den jüngsten Großbränden bewährt habe: Es werde ein Gerätewagen der Feuerwehr Altenstadt/WN mit alarmiert, der mit 24 Atemschutzgeräten des Landkreises ausgestattet ist. „So wird Materialdruck von den Feuerwehren genommen.“

Vor der Schlosskapelle hatten die Einsatzkräfte Station bezogen. Am Tag darauf sind Transporter und Zelte wieder verschwunden.

Brückensperrung für Bagger

Für die Räumung der Brandstelle von Brandschutt sowie den Notabriss eines einsturzgefährdeten Gebäudes war das THW zuständig. Die Fahrer der Baumaschinen standen vor der Herausforderung zu erkennen, „wo an den Gebäuden sie ansetzen können, ohne dass mehr einstürzt als erforderlich“, so Duschner. Hier sei trotz der großen Maschinen Sensibilität gefordert. Andere Kollegen kämpften mit der Einrichtung des Pendelverkehrs der Fahrzeuge, dem Verlegen der Schläuche trotz Lkw-Verkehr, dem sehr begrenzten Platz. Das THW brachte auch Stroh auf eine benachbarte Wiese. „Die vielen kleinen Glutnester mussten immer wieder abgelöscht, aufgeladen und am Brandgutplatz erneut abgelöscht werden“, erläutert Kreisbrandrat Saller.

Das THW hatte zudem einen logistischen Sonderauftrag zu meistern: Aus Weiherhammer forderten die Helfer einen Langarm-Bagger an. Für dessen Transport zum Brandort musste die Bahnunterführung in Oberwildenau gesperrt werden. „Ohne dieses Spezialgerät hätten wir noch wesentlich länger gebraucht“, schätzt Duschner, dessen THW-Kollegen mit acht Fahrzeugen (zwei davon wurden vom Ortsverband Schwandorf gestellt) bis Mitternacht im Einsatz waren.

Saller betont, die 18 beteiligten Feuerwehren aus den Landkreisen Neustadt/WN, Schwandorf, Amberg-Sulzbach und der Stadt Weiden hätten gut zusammengearbeitet. „Leider hatten wir in diesem Jahr eine Vielzahl solcher Szenarien, die eine übergreifende Zusammenarbeit erforderten. Dies hat hervorragend geklappt. Man kennt sich und kann gemeinsam eine Strategie zum Einsatzerfolg entwickeln“. Auch die Versorgung der Helfer durch das Rote Kreuz habe funktioniert. Voll des Lobes ist ebenfalls Andreas Duschner. Trotz des „sehr komplizierten Ausmaßes“ habe die Kooperation über die verschiedenen Organisationen hinweg auf Augenhöhe stattgefunden.

Info:

300 Einsatzkräfte aus Weiden und drei Landkreisen

Rund 300 Kräfte waren beim Großbrand im Einsatz, davon 230 Feuerwehrleute und 70 Menschen vom Technischen Hilfswerk, Roten Kreuz und der Polizei. Für die Koordination eines solchen Großeinsatzes ist federführend die Feuerwehr, konkret der Kommandant der örtlichen Feuerwehr, zuständig.

Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Landkreises Neustadt/WN baut die Führungsstelle auf und sorgt unter anderem für eine Lagekarte und Funkverbindung. Der Einsatzleiter Rettungsdienst ist für den Rettungs- und Sanitätsdienst zuständig, außerdem gibt es einen Fachberater des THW. Sie stehen dem Kommandanten beratend zur Seite. Sogenannte Abschnittsleiter sind verantwortlich für Bereiche wie Atemschutz, Brandbekämpfung und Wasserversorgung. Sie melden eventuelle Bedarfe an den Kommandanten.

Folgende Feuerwehren waren am Montag im Einsatz:

  • Führungskräfte der Kreisbrandinspektion des Landkreises Neustadt/WN: Kreisbrandrat Marco Saller, Kreisbrandinspektor Martin List, Kreisbrandmeister Sebastian Hartl, Thomas Weidner und Alfons Huber
  • Feuerwehren Landkreis Neustadt/WN: Oberwildenau, Luhe, Neudorf bei Luhe, Pirk, Engleshof, Michldorf, Altenstadt/WN, Neustadt/WN, Störnstein, Schirmitz, Etzenricht
  • Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Landkreises Neustadt/WN für die Führungsunterstützung des Einsatzleiters
  • Feuerwehren Stadt Weiden: Weiden, Rothenstadt, Mallersricht
  • Feuerwehren Landkreis Schwandorf: Oberköblitz, Glaubendorf, Woppenhof
  • Landkreis Amberg-Sulzbach: Feuerwehr Neuersdorf

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