21.03.2019 - 14:31 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Erinnerung an ein seltenes Totenbrauchtum

Am "Saßlhof-Marterl" stoppt noch bis in die 1960-er Jahre der Totenwagen auf dem Weg zum Friedhof. Der Trauerzug hält zum Gebet an, denn der Tote "sieht" zum letzten Mal auf seine Heimat zurück.

Die letzte Renovierung des „Saßlhof-Marterls“ fand im September 1991 durch den Schreiner Herbert Ströhl aus Ödgötzendorf statt. Die Tafel mit der Arme-Seelen-Darstellung bemalte der ehemalige Kunsterzieher Herbert Warzecha aus Sulzbach-Rosenberg.

(schß) Seit vielen Jahrzehnten steht auf der rechten Seite am Weg von Erlheim nach Garsdorf (Gemeinde Ursensollen, Landkreis Amberg-Sulzbach), am sogenannten "Marteracker", dort wo ein Feldweg nach Bittenbrunn abzweigt, ein Bildstock. Es ist ein von einem Zimmermann zugehauener Stamm von 1,55 Meter Höhe, 22 Zentimeter Breite und 17 Zentimeter Stärke.

Arme Seelen

Auf der Vorderseite ist das Stammholz durch zwei Einkerbungslinien nach Zimmermanns Art schön gegliedert. Im Kopfstück ist auf einer Blechtafel (32 Zentimeter hoch und 22 Zentimeter breit) eine eindringliche Arme-Seelen-Darstellung angebracht. In einem Rundbogen mit Blech schließt das Kopfstück ab.

Das "Arme Seelen im Fegefeuer"-Bild mahnt die Vorübergehenden mit dem Spruch "Bittet für uns" zu einem kurzen Innehalten für den unvorbereitet - das heißt ohne Empfang der Sterbesakramente - Verstorbenen und forderte zu einem Gebet auf.

Durch die Fürsprache der Betenden soll die Wartezeit der Verunglückten im Fegefeuer verkürzt werden, damit sie früher in die Seligkeit eintreten können.

Der Überlieferung nach wurde das Marterl aus Anlass eines Unglücksfalles errichtet. Um 1700 soll an dieser Stelle ein aus Saßlhof (um 1800 abgegangener Hof südöstlich von Erlheim) stammender Bauer von scheuenden Ochsen, die er am Lenkstrick führte, zu Tode geschleift worden. Diese Überlieferung wird durch die Art des Flurmals bestätigt.

Zur Ruhestätte

Ein sehr seltenes Totenbrauchtum wurde bis in die 1960-er Jahre beim "Saßlhof-Marterl" gepflegt. Früher stoppte an dieser Stelle der Totenwagen, wenn ein Verstorbener von Garsdorf nach dem Friedhof von Erlheim überführt wurde. Der Trauerzug hielt zum Gebet an, denn der Tote "sah" zum letzten Mal auf seine Heimat zurück. Zugleich blickte man bereits auf seine künftige Ruhestätte, Erlheim mit Kirche und Friedhof. Auf der Rückfahrt von der Beerdigung wurden bis ungefähr 1970 am Marterl die Strohwischerl, auf denen der Sarg gestanden hatte, abgeworfen und verbrannt. Den gleichen Brauch kannte man auch vom "Stoakreuz" bei Oberhof (ebenfalls Gemeinde Ursensollen).

Die letzte Renovierung des "Saßlhof-Marterls" fand im September 1991 durch den Schreiner Herbert Ströhl aus Ödgötzendorf statt. Die Tafel mit der Arme-Seelen-Darstellung bemalte der ehemalige Kunsterzieher Herbert Warzecha aus Sulzbach-Rosenberg.

Seit vielen Jahrzehnten steht auf der rechten Seite am Weg von Erlheim nach Garsdorf (Gemeinde Ursensollen, Landkreis Amberg-Sulzbach), am sogenannten „Marteracker“, dort wo ein Feldweg nach Bittenbrunn abzweigt, ein Bildstock.
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