17.03.2019 - 14:52 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Phantom trifft Sissi in Ursensollen

Wo kann man die Kaiserin Sissi, ein depressives Phantom der Oper und einen durchgedrehten Elvis an einem Ort antreffen? Das geht (fast) nur bei der Musical - und Operettengala mit Armin Stöckl und seinem Ensemble.

von Kathrin Moch Kontakt Profil

Wer glaubt, eine Musical - und Operettengala ist nur etwas für Menschen jenseits des Rentenalters, der liegt bei Armin Stöckl und seinem Ensemble, völlig falsch. Am vergangenen Freitagabend verzauberte der Sänger und TV-Moderator, gemeinsam mit Janel Frazée und Katja-Franziska Kunstmann, Jung und Alt im kubus in Ursensollen.

"There's no business like showbusiness", stellten die Drei gleich zu Beginn der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung fest. Anschließend ließ Armin Stöckls humorvolle Begrüßung vermuten, dass es ein sehr kurzweiliger Abend werden würde: "Ich bin heute mit 14 Damen angereist. Eine davon ist die Kaiserin von Österreich-Ungarn - Sissi. Die Maske braucht bei der 182-Jährigen etwas länger. Hoffen wir, dass sie fertig wird, bis wir alle gehen." Um die Wartezeit auf die Kaiserin zu überbrücken, begeisterte die amerikanische Sopranistin Janel Frazée mit einer deutschsprachigen Version von "Memory" aus dem Musical Cats von Andrew Lloyd Webber. Das aufwendig gestaltete Bühnenbild mit roten Samtvorhängen, Kronleuchtern und zahlreichen floralen Details unterstützte die Darbietungen des Abends dabei genauso, wie die hervorragende Lichtinszenierung. Der kubus ist an diesem Abend ausverkauft, durch eine Verkleinerung der Bühne wurden zusätzlich 40 Plätze geschaffen, so dass die Musical - und Operettengala rund 290 Besucher begeistern konnte.

Schaurige Stimmung beim Tanz der Vampire

Bei der Interpretation von Deutschlands erfolgreichstem Musical, Tanz der Vampire, führten die Künstler das Publikum erst einmal in die Irre. Während Katja-Franziska Kunstmann auf der Bühne zur Melodie von "Total eclipse of my heart" den Musical-Klassiker "Totale Finsternis" sang, stand hinter ihr eine verhüllte Gestalt. Entgegen aller Erwartungen taucht der Vampir aber dann nicht dort auf, sondern geht von hinten durch den Saal hinein. Armin Stöckl genießt seine schaurige Rolle dabei sehr und interagiert mit dem Publikum, bevor er seiner Partnerin auf der Bühne den finalen Biss verleiht. Mit viel Charme und Leichtigkeit spricht Stöckl dann wieder mit dem Publikum. Er habe einen Schneidezahn verloren und bitte das Publikum um Mithilfe, schließlich habe er morgen wieder eine Aufführung. "An manchen Frauen beißt man sich einfach die Zähne aus", stellte er fest.

Partnerwechsel beim nächsten Musicalausschnitt: Janel Frazée singt an Stöckls Seite im Singspiel "Im weißen Rössl" von Ralph Benatzky. Bevor die beiden mit einem Medley und "Aber meine Herrschaften", nicht zum ersten Mal an diesem Abend ihre Stimmgewalt bewiesen, ist Stöckl als lustiger Kellner im Publikum unterwegs. Das darf sich über geworfene Eier, abgeknickte Rosen und Ostersüßigkeiten vom letzten Jahr freuen. Um es wieder gut zu machen, verteilt der niederbayerische Sänger dann noch echte Rosen an die Beteiligten und vergisst bei der Schönheit einer Dame gekonnt gespielt seinen Text zu "Dunkelrote Rosen". Janel Frazée überzeugt in ihren Darbietungen stets selbstbewusst und divenhaft. Katja-Franziska Kunstmann ergänzt das Trio um eine sanfte und, durch ihre zierlichere Erscheinung, mädchenhafte Komponente, die aber genauso stimmgewaltig ist. Das Können der freiberuflichen Sängerin darf das Publikum dann im Solo, zur Titelmelodie "Küss mich, halt mich, lieb mich" aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", bewundern.

Nach der Pause kommt Sissi

Nach einer rund 30-minütigen Pause betritt schließlich die Kaiserin höchstpersönlich, ebenfalls gespielt von Katja-Franziska Kunstmann, die Bühne. In einem Medley schlägt sie, gemeinsam mit Armin Stöckl, nachdenkliche und sorgenvolle Klänge an. Hin und hergerissen zwischen ihrem Franz und dem Tod, gibt es, im Gegensatz zum Original, ein Happy End. Nicht nur hier kann sich das Publikum an historischen und aufwendig gestalteten Kostümen erfreuen. "Sie haben jetzt die Kaiserin in ihrem Nachtgewand gesehen. Im Eintrittspreis enthalten ist dies auch für den Kaiser", sagt Armin Stöckl nach dem Stück. "Sissi" geht "Franz" beim Ausziehen seines aufwendigen Uniform-Kostüms zur Hand. Darunter zum Vorschein kommt allerdings kein Nachtgewand, sondern eine Elvis Montur. Mit einer flotten Drehung katapultiert sich Armin Stöckl vom österreichischen Kaiserhof in die Rock n' Roll Ära der 50er Jahre. Mit Hüftschwung und Spagat heizt er dem Saal mit vielen bekannten Hits ein.

In einem weiteren Solo erzählt Katja-Franziska Kunstmann dann die Geschichte der argentischen Präsidentengattin Eva Perón mit dem emotionalen Stück "Don't cry for me argentina" aus Evita. "Ich kann ihn verstehen", geschrieben von den männlichen Mitgliedern von ABBA, aus dem Musical Chess, geben die beiden Frauen dann gemeinsam zum Besten. Das Walzer-Intermezzo zu "Lippen schweigen", aus der Operette "Die lustige Witwe", tanzt Janel Frazée an der Seite von Armin Stöckl.

Finale mit Phantom

Zum Abschluss des Abends interpretiert das Ensemble einen richtigen Klassiker: Das Phantom der Oper. Frazée und Stöckl harmonieren dabei hervorragend auf der Bühne, bevor Armin Stöckl mit dem "Wolgalied" dem Abend einen würdigen Abschluss verleiht. Zum fulminanten Finale gab das Trio gemeinsam noch einmal "Lippen schweigen" zum Besten. Nach heftigem Applaus wurde das Publikum mit einer Zugabe belohnt. Im schnellen Takt von "Funiculi, Funicula" bewiesen die Künstler nochmals ihre hochkarätigen Stimmen. "Zum Abschied noch ein Schlaflied. Sollten sie müde sein, tun sie sich keinen Zwang an. Hier ist morgen keine Veranstaltung", beendete Armin Stöckl gewohnt humorvoll den Abend. "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände", stellte dann das Ende einer Gala der Extraklasse dar. Die komplette Dauer über unterhielt das Trio mit der Kombination aus Professionalität, Leidenschaft und Natürlichkeit und sorgte so für einen rundum gelungenen Abend, dessen wunderschöne Melodien wohl noch lange nachklingen.

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