05.11.2018 - 16:48 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Plädoyer für die Artenvielfalt

Im Sommer 2015 war Ursensollen Gastgeber eines internationalen Jugendprojektes. Ein nicht mehr benötigtes Trafohäuschen bauten sie zu einem Refugium für allerlei Getier um. Das klappte und nun stellt sich ein weiterer Erfolg ein.

Wie eine Visitenkarte kann Ursensollen den schon 2015 als internationales Studentenprojekt in Angriff genommenen Umbau eines Trafohäuschens in ein Refugium für allerlei Getier in die Bewerbung als Teilnehmer eines landesweiten Biodiversitäts-Modellprojekts einbringen.

Neben der Gemeinde Brennberg im Landkreis Regensburg wurde Ursensollen in die Liste der bayernweit zehn Teilnehmergemeinden des Modellprojekts "Marktplatz der biologischen Vielfalt - Bayerische Kommunen setzen auf Biodiversität" aufgenommen. Einer Jury, besetzt aus Vertretern der Projektträger, lagen laut einer Pressemitteilung insgesamt 36 Bewerbungen von Gemeinden aus dem Freistaat vor. Sie alle treten für den Schutz und die Förderung der Biodiversität auf kommunaler Ebene ein.

Lokale Strategien

Die nun ausgewählten zehn Gemeinden müssen bis Ende 2021 lokale Biodiversitätsstrategien entwickeln und darin aufgeführte Maßnahmen umsetzen. Ziel des "Marktplatzes der biologischen Vielfalt" ist es laut der Trägergemeinschaft, den Erhalt der Vielfalt der Fauna und Flora vor Ort als kommunale Aufgabe zu verankern und in das Gemeindeleben und die lokale Politik zu integrieren. Die Modellgemeinden sollen neben positiven Entwicklungen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich auch eine multiplizierende Wirkung für den Schutz der Arten und Lebensräume in bayerischen Kommunen entfalten.

Alle kreisangehörigen Gemeinden, Märkte und Städte im Freistaat waren aufgerufen, sich bis 30. September dieses Jahres zu bewerben. 36 Kommunen zeigten schließlich ihr Interesse an. Bereits diese Anzahl werten die Träger als einen Beleg für "das steigende Bewusstsein den Schutz der biologischen Vielfalt in langfristig angelegten Initiativen umzusetzen".

Bald geht es los. Die Arbeitsphase der Modellprojekt-Gemeinden beginnt am 30. November mit dem 1. Forum zu der Gründung eines eigenständigen, auf das Modellprojekt zugeschnittenen Netzwerks. Bis Mitte 2020 soll dann die Erstellung der jeweiligen lokalen Biodiversitätsstrategien abgeschlossen sein. Dieser Schritt mündet bis zum Ende der Projektlaufzeit im Dezember 2021 in die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen zum Arten- und Lebensraumschutz an.

Viele Partner im Boot

Ermöglicht wird das Projekt durch eine in Bayern bisher einzigartige Kooperation, heißt es in dem Pressetext. Die Trägergemeinschaft setzt sich zusammen aus dem Markt Tännesberg und den landesweit tätigen Naturschutzverbänden BUND Naturschutz in Bayern, Landesbund für Vogelschutz und die Wildland-Stiftung Bayern. Gefördert wird das Projekt über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Erträgen der Lotterie Glücksspirale. Ferner wird es unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie dem Gemeindetag. Auch die ausgewählten Gemeinden haben ihre Bereitschaft erklärt, eigene Haushaltsmittel für im Zuge des Projekts entwickelte Maßnahmen bereitzustellen.

Vorbild für das Modellprojekt ist die Marktgemeinde Tännesberg, die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands im Nachbarlandkreis Neustadt a. d. Waldnaab. Seit über 30 Jahren werden dort naturschutzfachliche Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der Biodiversität entwickelt und am Leben erhalten.

Begleitung durch Fachleute

Auf der Grundlage dieser langjährigen Erfahrung werden die Modellgemeinden gemäß ihren jeweiligen Voraussetzungen von Fachkräften aus dem Umfeld der Trägergemeinschaft beraten. Das Projekt trägt die Kosten für die Entwicklung der gemeindeeigenen Strategien und koordiniert den Austausch im Netzwerk. Mit diesem Projekt sollen Arten- und Lebensraumverluste in der Kulturlandschaft verringert werden. Der Freistaat Bayern hat aus diesem Grund 2008 die "Bayerische Biodiversitätsstrategie" beschlossen, die er 2014 mit dem "Biodiversitätsprogramm Bayern 2030" bekräftigt hat. Als wichtigste Akteure zur Umsetzung der dort formulierten Ziele gelten die Kommunen.

So hat beispielsweise erst kürzlich die Stadt Amberg in diesem Zusammenhang im Landschaftsschutzgebiet Rammertshof ein Projekt zur Schaffung von Lebensraum für das Großinsekt Nashornkäfer geschaffen.

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