26.03.2019 - 20:22 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Radweg steht und fällt mit Grunderwerb

Sollte der Landkreis den Radweg zwischen Ursensollen und Allersburg wirklich bauen, würde der auch den Schweppermann- mit dem Lauterachtal-Radweg verbinden. Doch es ist abzusehen, dass dieses Projekt einiges an Geld und Nerven kosten wird.

Die rote Linie zeigt den Verlauf der Kreisstraße AS 4, an der die straßenbegleitende Variante des Radwegs direkt entlangführt. Grau ist die Alternativroute, die bestehende Wirtschaftswege nutzt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Als die Karte an der Wand des König-Ruprecht-Saals erscheint, pustet Kreisrat Peter Braun (CSU) erst einmal durch und stellt dann etwas ratlos die Frage: "Haben wir den Bau dieses Radwegs wirklich beschlossen?"

Es geht um den Radweg zwischen Ursensollen und Allersburg, der auch den Schweppermann-Radweg mit dem Lauterachtal-Radweg verbinden würde. Er führt durch ein schönes Stück Landkreis, ob er nun in einer Breite von 2,50 Meter straßenbegleitend direkt an der AS 4 verläuft oder etwas weiter abseits vorhandene Feld- und Waldwege nutzt, die auf 3,50 Meter ausgebaut werden, damit auch landwirtschaftliche Fahrzeuge darauf unterwegs sein können.

Die zweite Variante wäre etwas länger (12,2 gegenüber 10,5 Kilometern), aber dafür billiger, weil Grunderwerb nur bei einigen kleineren Teilflächen nötig ist, während das direkt an der Straße alle Flächen und sehr viele verschiedene Grundeigentümer betrifft. An reinen Baukosten haben Rainer Rubenbauer und Michael Hierl vom Amberger Büro UTA Ingenieure 4,2 Millionen Euro für die straßenbegleitende Version und 3,6 Millionen für die Strecke durch Feld und Wald errechnet. Wobei die höhere Summe (abzüglich der Förderung) der Landkreis als Baulastträger alleine schultern müsste. Bei der Trassenführung über die Wirtschaftswege werden für den einen Meter mehr an Breite sowie den erforderlichen stärkeren Aufbau für landwirtschaftliche Fahrzeuge die Gemeinden in die Pflicht genommen.

Das wissen die Mitglieder des Bauausschusses schon aus der Sitzungsvorlage. Zur Frage von Peter Braun bekommen sie Aufklärung von Landrat Richard Reisinger: Ja, der Bau wurde beschlossen, weil der Radweg schon in Planung war, als der Landkreis auf die Idee kam, seine künftigen Vorhaben dieser Art erst nach Wichtigkeit einzustufen, ehe er weitere Entscheidungen zur Umsetzung trifft. Einen "Teilerfolg" nennt Reisinger das und wendet sich dabei an das Dutzend Zuhörer, das mit dem stellvertretenden Ursensollener Bürgermeister Josef Schmaußer an der Spitze zur Sitzung gekommen ist - vor allem potenziell betroffene Grundstücksbesitzer.

Stefan Lindenberger (Grüne) favorisiert die Trasse durch die Natur ("ich bin eher für vorhandene Straßen"), zumal er auch von Tiefbauamtsleiter Matthias Kolb hören muss, dass für Blühflächen zwischen dem straßenbegleitenden Radweg und der AS 4 kaum Platz sein dürfte. Die beiden Ursensollener Kreisräte Albert Geitner (FW) und Michael Rischke (SPD) plädieren für einen Beginn der Strecke beim Schulzentrum der Gemeinde, also die straßenbegleitende Trasse, die der Landkreis zahlt. Hans Pickel (FWS/FDP) dagegen würde lieber die bestehenden Wirtschaftswege für den Radwegbau nutzen.

Zum Schluss muss keine Entscheidung gefällt werden, denn alle heißen Reisingers Vorschlag gut: Südlich von Zant gibt es für beide Trassenvarianten nur die Möglichkeit, an der AS 4 entlang zu laufen. Für diese 2,3 Kilometer sollen jetzt mit den betroffenen Grundstücksbesitzern - etwa 20 Stück - Gespräche geführt werden, ob sie überhaupt etwas abgeben würden. Sollten sich viele weigern, müsse man neu überlegen, "ob der Gesamt-Radweg überhaupt noch Sinn macht", so Reisinger.

Im Gespräch mit den Zuhörern erfuhr er nach der Sitzung, dass bei einigen keine große Neigung besteht, fünf Meter Grund direkt neben der AS 4 herzugeben.

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