10.04.2019 - 14:00 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Tipp für Mütter: Seid keine bissigen Hyänen

"Lache dreimal am Tag mit dem Kind, dann geht es dir gut": Mit diesem Tipp eröffnete der bekannte Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge den Abend im Kubus. Am Ende verabschiedete er über 100 lachende Zuhörer.

Sebastian Sonntag (hinten) freut sich mit Jan-Uwe Rogge (vorne links) über viel Interesse der Zuhörer.
von Autor MMAProfil

KEB, EBW und die Gemeinde Ursensollen hatten zu diesem Abend eingeladen. Hier lernten die Zuhörer herzlich lachend, dass Erziehung vor allem "Gelassenheit und Humor" erfordere. "Warum Rabeneltern die besseren Eltern sind", erfuhren sie - da diese es beherrschten, "zu halten und loszulassen".

Der Autor ungezählter Klassiker in Sachen Erziehung riet mit Mimik, Gesten und humorvollen Worten eindringlich zu mehr Leichtigkeit. "Ihr Kind passt schon, nur die Eltern passen oft nicht." Rogge führte das trödelnde Schneckenkind hyperaktiver Eltern anschaulich vor. Um lebenstüchtig zu werden, dürften die Kinder zudem nicht ständig von "bissigen, zischenden Hyänenmüttern" beobachtet werden. "Nehmen Sie die Kinder, wie sie sind, auch wenn sie nicht so sind, wie Sie sie haben wollen", ist sein Credo. Kinder bräuchten keine "unbarmherzig glotzenden Mütter". Eltern sollten sich als Paar ansehen, ansonsten entstehe eine "Terrorgemeinschaft". Wie bei Hänschen klein müssten Kinder ihre Grenzen überschreiten, auch wenn die "Mutter weinet sehr". Wobei auch Väter "mit der Kalaschnikow" in der Pubertät ihrer Töchter weinen, ergänzte er.

"Kinder sind Geschenke - seien Sie dafür dankbar", appellierte Rogge. Er tröstete seine Zuhörer, dass das große Trotzalter, die Pubertät, oft weniger heftig ausfalle, je intensiver die kleine Pubertät der Kinder im (Vor-)Schulalter gelebt wurde. Wie im Gleichnis vom "verlorenen Sohn" gelte es, zum Kind zu stehen, selbst dann, wenn es an der Kasse im Supermarkt randaliert oder mit 15 verkifft morgens um 5 Uhr von der Polizei heimgebracht wird. "Erziehung war schon immer ergebnisoffen", also "seien Sie demütig" und "sehen Sie ein, dass Sie nicht alles machen können", empfahl der Therapeut.

Auf anonyme schriftliche Zuschauerfragen ging Rogge nach der Pause ein. Da amüsierte man sich köstlich über einen Klassenclown, der Strafarbeiten schon im Voraus schreibt. "Der ist okay", sagte Rogge, "vielleicht tritt er ja sogar einmal im Circus Roncalli auf."

Eine wichtige Hausaufgabe für Eltern: "Nehmen Sie eine Woche lang das Wort Schule nicht in den Mund. Und seien Sie sicher: ,Hinterm Horizont geht's weiter'." Man mache die Kinder "verrückt", fixiere man sich ständig auf schulische Belange. Auch den Vätern solle man Raum lassen und immer wieder "weggehen", um psychisch stabile Kinder zu bekommen. Wenn der Nachwuchs nicht ausziehen wolle, gehe es ihm offensichtlich zu gut daheim oder man klammere selber. Auch selber "young for ever" bleiben zu wollen, geißelte er: "Eltern sind per Definition eben älter." Und sollten sich auch so benehmen, war sein Ratschlag. Sicher brauche es viel Kraft, ehrlich, aufrichtig auch zu sich selber zu sein, doch ansonsten werde Erziehung zur Vergewaltigung und ein Desaster für alle Beteiligten.

Am Ende schickte Rogge über 100 lachende Eltern nach Hause. Sebastian Sonntag (KEB) schloss mit "Der Witz ist das Loch, durch das die Wahrheit pfeift" und Johannes Blohm (EBW) wünschte allen mit der Ankündigung weiterer pädagogischer Vorträge, "den Kindern eine gute Wegbegleitung" zu sein.

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