09.02.2020 - 13:17 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Umweltminister Thorsten Glauber spricht in Ursensollen

Wenn ein Staatsminister in die Region kommt, ist er nicht immer zu beneiden, so auch Umweltminister Thorsten Glauber. Voll unter Zeitdruck wurde er in Ursensollen von Landwirten in eine lange Diskussion verwickelt.

Beim Besuch in Ursensollen (von links): Bürgermeister Franz Mädler, FW-Bürgermeisterkandidat Albert Geitner, Umweltminister Thorsten Glauber und der FW-Landratskandidat Hans Martin Grötsch.
von Autor GFRProfil

Einen umfangreichen Forderungskatalog hatte der FW-Kreisvorsitzende Albert Geitner für den Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber, parat.

Bahn elektrifizieren

Denn durch die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge bräuchten die Kommunen dringend Mittel aus Dorferneuerung, Städtebauförderung, Finanzausgleichsgesetz oder Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Gut ausgebaut sei die A 6 als West-Ost-Verbindung, aber die Bahnstrecke von Nürnberg über Amberg nach Schwandorf werde stiefmütterlich behandelt, eine Elektrifizierung werde von den Freien Wählern gefordert, liege aber in ferner Zukunft. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sei im Landkreis, soweit es um Schulbusse geht, vertretbar abgestimmt, aber die Taktung für Berufstätige sei mangelhaft, nicht vergleichbar zum ÖPNV in den Metropolen. "Hier brauchen wir dringend Ihre Hilfe", so Geitner zu Glauber. Unverständlich seien auch die Kriterien für die Förderung der Sportvereine, die von der Steuerkraft der Gemeinde abhängig sei und dazu führe, dass die DJK Ursensollen nur mit 35 Prozent bezuschusst werde. In ärmerer Nachbarkommunen erhielten die Vereine 55 Prozent Förderung. Geitner bemängelte auch die Wertgrenzen bei öffentlichen Vergaben. Das Verfahren sei aufwendig, unverhältnismäßig und führe nur zu höheren Baukosten.

Glauber ging gleich auf die Kommunalwahlen in gut einem Monat ein. Da sollten die Wähler darauf achten, ob die Parteien ihre Versprechen auch noch nach dem 15. März einhalten könnten. Schwierig sei es für alle Parteien, geeignete Kandidaten zu finden, denn die Erwartungshaltung der Bürger an ihre Politiker steige ständig. Glauber forderte mehr Unterstützung für Politiker, die in Kommunen grundsätzlich ehrenamtlich tätig seien. Aktuell sei Umwelt- und Klimaschutz eine klare Forderung der Jugend, und darum kümmere sich in Bayern schon seit 50 Jahren ein eigenes Ministerium. "Bei der Wassernutzung müssen wir umdenken", so Glauber. Zwar sei Südbayern besser wasserversorgt als der nördliche Teil Bayerns, aber trotzdem seien schlechte Ernten eine Folge von weniger Niederschlägen. "In vielen bayerischen Brunnen kann der Wasserstand schon nicht mehr gemessen werden, weil er unterhalb der Mess-Skalen liegt." Zur Kritik der Landwirte an der Düngemittelverordnung meinte Glauber, dass man neue Bewirtschaftungsformen mit den Bauern absprechen sollte, auch seien viele und seit Jahren bekannte Probleme der Bauern einfach ignoriert worden.

Wertschöpfung vor Ort

Zu erneuerbaren Energien meinte Glauber, dass die 10-H-Regel hinderlich für den Ausbau der Windkraft sei. Die Bürger müssten frühzeitig in Planungen eingebunden werden, auch eine Bürgerbeteiligung könnte die Akzeptanz steigern und wichtig wäre die Wertschöpfung vor Ort, also günstiger Strom für die Bevölkerung im näheren Umkreis von Windkraftanlagen.

Wasserstoff und Lebensmittel-Importe:

Das E-Auto sei nicht emissionsfrei, meinte Umweltminister Thorsten Glauber, denn es werde mit Strom aus Kohlekraftwerken geladen. In Deutschland sei der Brennstoff Wasserstoff, über den schon 1993 diskutiert wurde, verschlafen worden. „Kein deutscher Automobil-Hersteller hat Wasserstoffantrieb im Angebot, die Asiaten können jedoch liefern.“

Glauber bedauerte, dass beim Klimaschutz große Schritte nicht zu schaffen seien, aber mit permanenten kleinen Schritten komme man auch zum Ziel. Ein Widerspruch sei es, wenn jeder in seinem Garten gegen Schädlinge spritzt, aber wenn der Landwirt auf seinen Feldern gegen Unkraut und Schadinsekten Mittel ausbringt, dann sei man dagegen.

Dringend notwendig sei der Waldumbau, denn dort stehe Holz, der Baustoff der Zukunft und ein unverzichtbarer CO2-Speicher. Glauber wandte sich auch gegen globale Lebensmittel-Importe und betonte: Es ist auch keine vernünftige Lösung, wenn Lebensmittel nur kurz nach Ablauf ihres Haltbarkeitsdatum im Müllcontainer entsorgt werden.“

Viel mehr als geplant hatte sich Glauber Zeit genommen in Ursensollen, geduldig Fragen beantwortet und dann sich auch noch die Sorgen und Nöte der Bauern angehört. (gfr)

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