07.11.2019 - 17:34 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Unfall auf A6 bei Ursensollen: Lkw kippt und fast keiner hält

Ein Lkw kommt auf der A6 bei Ursensollen von der Straße ab und gerät in Schieflage: Die Spuren auf der Fahrbahn sind längst beseitigt, aber dem Ersthelfer liegt auch am Tag nach dem Unfall eine Sache schwer im Magen.

Ein Unfall passiert und keiner hält an - dieses Horrorszenario erlebte der Fahrer des Lastkraftwagens, der gestern auf der A6 bei Ursensollen von der Fahrbahn abkam und in Schieflage geriet. Erst einige Minuten später war Ersthelfer Marcus Stephan Stark vor Ort, der den Egoismus der anderen Autofahrer nicht verstehen kann.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Es ist Mittwochnachmittag auf der A6 bei Ursensollen in Fahrtrichtung Nürnberg: Ein Lkw-Fahrer kommt von der Fahrbahn ab. Er droht mit seinem Sattelzug die Böschung hinabzurutschen, daher sichern ihn Rettungskräfte mit Hilfe von hydraulischen Seilwinden und Stahlseilen über die Feuerwehrautos. Der Lastwagenfahrer wurde leicht verletzt. Das Technische Hilfswerk Amberg sperrte die Autobahn-Zufahrt bei Ursensollen. Die Bergung dauerte bis in die Abendstunden.

Der Unfallhergang zum Nachlesen

Ursensollen

Doch bis dem Lastwagenfahrer geholfen werden konnte, vergingen für ihn bange Minuten, wie Ersthelfer Stephan Marcus Stark berichtet: "Niemand außer mir hat angehalten. Da sind bestimmt 20 oder 30 Autos vorbeigefahren in der Zeit." Der 22-Jährige war am Mittwochnachmittag mit seiner Frau auf der Autobahn von Nürnberg in Richtung Amberg unterwegs und sah bereits von der Gegenfahrbahn den Lkw im Graben liegen. Nachdem das Paar von der Autobahn auf eine Brücke abgefahren war, sah es, dass immer noch keiner angehalten hat. Kurzerhand wendete Stark und fuhr zu dem Lastwagen: "Als ich die Tür öffnete, sagte der Fahrer: 'Na, endlich.' Er muss wohl bestimmt zehn Minuten dort gelegen sein und hat die vorbeifahrenden Autos gehört. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum niemand angehalten und geholfen hat. Man hat gesehen, dass es gerade erst passiert ist." Unmittelbar nach der Autobahnauffahrt Richtung Nürnberg lag die Fahrbahn voll mit Erde.

Auch in der Zeit, als Stark und seine Frau dem "offensichtlich schockierten" Kraftfahrer Erste Hilfe geleistet haben, hielt niemand sonst an. "Der sah nicht gut aus. Was wäre gewesen, wenn er bewusstlos da gelegen hätte? Er war auf jeden Fall nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen", schildert Stark seine Eindrücke vom Unfallort.

"Na, endlich", sagt der Lkw-Fahrer, als Ersthelfer Stephan Marcus Stark dem Mann zu Hilfe kam. Es muss wohl längere Zeit vergeblich gewartet haben, dass jemand anhält.

Kurze Zeit darauf bemerkte ein Fahrzeug der Autobahnmeisterei, ebenfalls auf der Gegenfahrbahn unterwegs, das Unglück, wendete und rief Verstärkung. Für den jungen Ersthelfer, der gebürtig aus Amberg kommt und jetzt in Hartenstein wohnt, ist die Situation völlig unverständlich: "Vor mir sind etliche Autos auf die gleiche Fahrbahn aufgefahren und haben das Unglück gesehen, alle haben es einfach ignoriert." Den Egoismus der anderen Autofahrer kann er nicht nachvollziehen: "Für mich ist es selbstverständlich anzuhalten. Leider ist es das für zu wenige Menschen."

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