24.04.2019 - 09:53 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Der Untergang von Finsterhüll

1870 sind die beiden Höfe endgültig verwaist. Dabei gilt die Umgebung des früheren Weilers als uraltes Siedlungsgebiet. Heute erinnert noch der Flurname "Finsterhüllholz" an diese Zeit.

Pläne wurden in früheren Jahrhunderten relativ selten gezeichnet. Meist ging es um Grenzstreitigkeiten. So wie hier zwischen Rummel, dem Hofmarksherrn von Zant, und dem Hochstift Hohenburg. Finsterhüll ist links unten eingezeichnet. Die Höfe bestanden also schon vor dem 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648).
von Josef SchmaußerProfil

(schß) Naturfreunde, die den Wanderweg mit der Rotpunktmarkierung zwischen Amberg und dem Habsberg benutzen, kommen rund 800 Meter östlich von Zant an den beiden verödeten Finsterhüll-Höfen vorbei. Der Name Finsterhüll setzt sich aus finster = dunkel (häufig als Beisatz zu Fichten- und Tannenwaldnamen) und "hüll" (Althochdeutsch "huliwa", Mittelhochdeutsch "hülwe") = Sumpflache zusammen.

Nur noch wenige Ortskundige erkennen heute in der Senke kurz vor dem Waldrand, wo vom Weg von Kemnatheröd nach Heinzhof der Waldweg nach Zant abzweigt, die ehemalige Hüll des vorderen Finsterhüllbauern. Im Gelände lassen sich nur noch wenige Mauerreste finden. Auf dem Waldweg von Finsterhüll nach Hohenkemnath zweigt nach dem schönen Grenzstein mit den Zeichen "HZ" für "Hofmark Zant" und "HH" für "Hofmark Hohenkemnath" der Wanderweg in Richung "Kemnatheröder Weiher" ab.

Uralte Wallanlagen

Die nähere Umgebung von Finsterhüll ist uraltes Siedlungsgebiet. Nur wenige Hundert Meter entfernt findet man auf dem "Plattenberg" bei Zant zwei vorgeschichtliche Wallanlagen. Auf einer farbigen Karte von 1590 sind bereits zwei Finsterhüllhöfe eingezeichnet. Der Weiler ist auch auf der Karte "Abriss der Herrschaft Hohenburg auf dem Nordgau, nach einer Zeichnung von 1598" verzeichnet. Nach dem 30-Jährigen Krieg waren die beiden Finsterhüll-Anwesen vorübergehend verödet. Das nahe gelegene Kemnatheröd erfuhr wie viele andere Orte (Götzenöd) das gleiche Schicksal. Truppendurchzüge und Kriegshandlungen waren in dieser unruhigen Zeit an der Tagesordnung.

1763 spricht man von einem Hof auf der "Finsterhill". Die Steuerprotokolle belegen zwei "Finsterhill"-Anwesen und ein "Finsterhillholz". Da Finsterhüll zur Zeit der Katasterplananfertigung noch bestand, ist die 83 Tagwerk große Flur aus dem Plan der Steuergemeinde Zant zu ersehen. Es gab damals zwei Anwesen: Die Hausnummer 1 war ein sogenannter 1/8-Hof. Als Besitzer war Johann Bauer, später Schinhammer eingetragen. Auf dem zweiten Hof, Hausnummer 2, saß Johann Kleindienst (1/2-Hof). Laut den Liquitations-Protokollen von 1837 hat er mit Brief vom 17. November 1828 den Hof um 500 fl (Gulden) von Johann Schinhammer erkauft. Die Grundherrschaft oblag der Hofmark Zant.

Nach Krieg verödet

Ein Hof bestand schon vor dem 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648). 1604 teilte Wilhelm Ruml von Zant diesen Hof in zwei Köblersgüter (landwirtschaftlicher Besitz eines Köblers = halbes Gut) und stattete sie mit Feldern aus. Damals besaßen Hans Ferber und Hans Susamer die Höfe. Danach waren sie eine Zeitlang verödet. Das nahe gelegene Kemnatheröd, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts übrigens auch als Rummelsöd bezeichnet, erfuhr das gleiche Schicksal. 1747 werden als Bewohner des Weilers Hans und Georg Ebenhöch, sowie Hans Donhauser und dessen Sohn Georg aufgeführt. 1772 werden Hans Ebenhöch (1/8-Hof) und Georg Falck (1/2-Hof) genannt.

Ab 1833 waren die Herren von Podewils Besitzer von Zant und ab 1848 auch von der Hofmark Hohenkemnath. Um 1860 zog der Freiherr von Podewils nach Landshut und verwaltete von dort aus seinen Zantner Besitz. 1876 waren die beiden Anwesen vom Schlossherrn schon aufgelassen und die Feldgründe größtenteils aufgeforstet. Das Matrikelverzeichnis der Diözese Regensburg von 1863 nennt für Finsterhüll (es wird als Einöde bezeichnet) nur noch eine Hofstelle mit drei Seelen.

Nachbar geheiratet

Die Familie Kleindienst lässt sich seit 1828 - als Johann Vitus II., Schneidermeister aus Hohenkemnath (Nr. 23) das Anwesen Nr. 2 in Finsterhüll erwarb - hier nachweisen. Seine Schwester Maria Barbara heiratete am gleichen Tag, 23. November 1828, den Nachbarn Johann Schinhammer (Nr. 1). Sohn Johann Georg Kleindienst erwarb die Hofstelle Nr. 7 in Oberleinsiedl und übte nun dort sein Handwerk aus. Sein Vater zog mit nach Oberleinsiedl und starb dort 1879. Familie Schinhammer erhielt vom Hofmarksherrn innerhalb des Hofmarksgeländes in Zant eine Hofstelle. Damit waren um 1870 beide Hofstellen verwaist.

Schulisch gehörte der Weiler in den letzten Jahren zu Hohenkemnath, kirchlich zur Filiale Erlheim. Georg Kleindienst (geboren 1809) wirkte als Dienstknecht des Land- und Gastwirtes Georg Kölbl ("Gasthaus zum Roten Ochsen") zu Hohenkemnath und war als "Finsterhüll-Girgl" als Original weithin bekannt. Er starb 1871 in Hohenkemnath. Der Name des untergegangenen Weilers ist im Flurnamen "Finsterhüllholz" in der örtlichen Überlieferung bis heute lebendig. Der eingegangene Weiler zwischen Kemnatheröd und Zant ist also auch nach 150 Jahren bei der Bevölkerung nicht vergessen.

Nur noch wenige Ortskundige erkennen heute in der Senke kurz vor dem Waldrand, wo vom Weg von Kemnatheröd nach Heinzhof der Waldweg nach Zant abzweigt, die ehemalige Hüll des vorderen Finsterhüllbauern.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.