25.06.2019 - 17:32 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Wassernot auf den Jurahöhen

Bis in die 1940er Jahre herrscht in Ursensollen in heißen Sommern Wasserknappheit. Damit beschäftigt sich die Gemeinde derzeit auch für das Projekt "Marktplatz der biologischen Vielfalt".

Wie weit Ursensollen im Bereich „Biologische Vielfalt“ schon ist, zeigen einige Beispiele. Hier die renaturierte Dorfhüll in Oberhof mit dem Blickfang Trafohaus, bemalt mit den vier Jahreszeiten.
von Josef SchmaußerProfil

(schß) Für das Modellprojekt "Marktplatz der biologischen Vielfalt - Bayerische Kommunen setzen auf Biodiversität" wurde die Gemeinde Ursensollen mit neun anderen Teilnehmergemeinden in Bayern ausgewählt. Ziel des "Marktplatzes der biologischen Vielfalt" ist es, den Erhalt der Biodiversität als kommunale Aufgabe zu verankern und ins Gemeindeleben zu integrieren. Die Modellgemeinden sollen neben positiven Entwicklungen im Gemeindegebiet auch multiplizierende Wirkung für den Schutz der Arten und Lebensräume in bayerischen Kommunen entfalten.

Bei drei Arbeitstreffen sollen wesentliche Inhalte und Arbeitsschwerpunkte für die Umsetzung des Projektes im Zeitraum von 2019 bis 2021 festgelegt und viele kreative Ideen entwickelt werden. Dabei ist für die Gemeinde die Zusammenarbeit mit engagierten Bürgern besonders wichtig. Die Handlungsfelder umfassen Siedlung, Wald, Gewässer, Agrarwirtschaft, Wertschöpfung und Bewusstseinsbildung.

Wie weit die Gemeinde Ursensollen im Bereich Biodiversität schon fortgeschritten ist, zeigen die vielfältigen Maßnahmen, die die Gemeinde schon seit Jahren auf ihren eigenen Flächen umsetzt. Wichtig ist der Gemeinde, dass sich auch die Kinder an vielen Maßnahmen beteiligen. So würden bereits Kindergartenkinder und Grundschüler, zum Beispiel dem Anlegen einer Blühwiese, einbezogen. Der im Jahr 2015 erstellte Artenschutzturm in Hohenkemnath, die Renaturierung des Dorfweihers in Oberhof, Totholzplätze, das Anlegen von Wildblumenwiesen und der Umbau des ehemaligen Bräukellers in ein Fledermausquartier waren Maßnahmen, die teilweise bereits lange vor der Bewerbung für das Modellprojekt angegangen wurden.

Der "Heimatkundliche Stammtisch der Gemeinde Ursensollen" stellte bei seinem letzten Treffen das Thema "Wassernot auf dem Jura" in den Mittelpunkt. Hüllen, Weiher, Brunnen und Quellen sowie "Hüllhejter" wurden gesammelt und besprochen. Gerade die Wasserknappheit spielte bis zur Verwirklichung der Wasserversorgung durch die "Hohenkemnather Gruppe" ab 1951 eine große Rolle auf den Jurahöhen um Hohenkemnath und Ursensollen.

So beschäftigte ein großer Bauer in Freischweibach eigens einen Knecht, der sich nur um das Herbeischaffen des lebensnotwendigen Nasses für Mensch und Tier sorgen musste. Während des heißen Sommers 1947 wurde Wasser mit der Lokalbahn Amberg-Lauterhofen nach Ursensollen geschafft. Die Bevölkerung holte es mit Milchkannen und Fässern ab. Der Ziegelbrunnen zwischen Hohenkemnath und Kemnatheröd lieferte in jenem extrem trockenem Sommer als einzige Quelle noch Wasser, nachdem die örtlichen Dorfbrunnen bereits versiegt waren.

Quellen und Wasserstellen, die heute nicht mehr so bekannt sind, ist zum Beispiel die "Vogelhüll" zwischen Allmannsfeld und der "Hoibrück". Die "Brunnhüll" bei Heinzhof existiert noch heute und diente früher als Viehtränke. Das Waldstück "Brunnenschacht" zwischen Hohenkemnath und Erlheim hat seinen Namen von einer Doline (Sinkhöhle), in der in den 1950er/60er Jahren noch Wasser geschöpft werden konnte.

Dialekt:

„Hüllhejta“

Die Libelle wird in Hohenkemnath als „Hüllhejta“ bezeichnet. Die Libellen umkreisen die Gewässer, als ob sie die Hüll „behüten“ würden. In Mendorferbuch heißt das schöne Insekt „Hüllschnejnda“. (schß)

Hintergrund:

Was ist Biodiversität?

Unter Biodiversität versteht man die biologische Vielfalt des Lebens auf der Erde, die durch die Evolution entstanden ist und weiterhin entsteht. Biodiversität umfasst sowohl die Vielfalt der Lebensräume, Lebensgemeinschaften und Landschaften (Vielfalt der Ökosysteme), die Anzahl von Arten in einem Gebiet (Artenvielfalt), aber auch die Vielfalt innerhalb einer Art (genetische Vielfalt). (schß)

Eine historische Aufnahme aus Lutzmannstein: Mit Odelfässern musste das Trinkwasser für die Tiere auch im Winter beschafft werden.
Bauhofleiter Fredi Stich legte auf Ursensollener Gemeindegebiet mit vielen Helfern Blühwiesen an. Hier ein schönes Beispiel mit Salbei.
Auch auf dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Hohenfels, in Lutzmannstein, war das Wassertragen eine alltägliche und schwierige Aufgabe. Der ehemalige Lehrer von Lutzmannstein, Egon Gleißner, hat mit Aufnahmen aus den 1940er Jahren das Thema festgehalten.
Das Foto von Lehrer Egon Gleißner aus Lutzmannstein (vermisst seit 1944) diente der Bildhauerin Sabine Mädl aus Kotzheim als Vorlage für die „Wasserträgerin“ am unteren Dorfplatz von Hohenkemnath. Das Wassertragen war auch in Hohenkemnath Hauptaufgabe von Frauen und Kindern.
Der im Jahr 2015 entstandene Artenschutzturm in Hohenkemnath ist ein Vorzeigeprojekt für den Einsatz der Gemeinde Ursensollen für die biologische Vielfalt geworden.
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