Tom Holler trainierte einst Stürmerstar Dwight Yorke

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Dwight Yorke stand im Champions-League-Finale 1999 zwischen Bayern und Manchester United in der Startformation und führte Trinidad und Tobago bei der WM 2006 als Kapitän aufs Feld. Tom Holler aus Ursulapoppenricht hat ihn schon trainiert.

Dwight Yorke (rechts) kämpft bei der WM 2006 beim Spiel gegen England um jeden Ball.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Dwight York hörte nie auf zu lächeln. Auch nicht wenn er für Aston Villa, Manchester United, Blackburn Rovers, Birmingham City, Sidney FC oder AFC Sunderland als Stürmer über den Platz spurtete. Doch das stets freundliche Gesicht täuschte. Vor dem Tor vergaß der Kicker jegliche Höflichkeit und köpfte, haute und schlenzte die Pille für seine Vereine in 480 Spielen insgesamt 147 Mal über die Torlinie. Für sein Heimatland Trinidad und Tobago knipste York in 72 Spielen 19 Mal. Diese Umstände brachten dem heute 48-Jährigen im Mutterland des Fußballs einst den Spitznamen „The Smiling Assassin“ ein – der lächelnde Attentäter.

In Frau aus Tobago verliebt

Klingt recht gefährlich. Neben dem Platz ist der ehemalige Profi-Kicker aber ganz gelöst und eine ziemlich coole Socke. Sagt Tom Holler. Und er muss es wissen. Schließlich hat er Yorke schon einmal trainiert.

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Amberg

Um zu erklären, wie es dazu gekommen ist, muss man Hollers Geschichte kennen. In seinen jungen Jahren war er Spielertrainer in Ursulapoppenricht, Michaelpoppenricht, Gärbershof und Freihung. Alte Fotos zeigen, wie durchtrainiert und athletisch Holler damals war. Zu dieser Zeit arbeitete er bei der Post in einem Beamtenverhältnis, suchte aber nach Veränderungen. Er ging in die Bücherei und suchte Reiseführer von Ländern, in denen Englisch gesprochen wird. Die Wahl fiel auf Trinidad und Tobago. 1995 verbrachte er seinen gesamten Jahresurlaub während der Fußball-Winterpause auf den Inseln. „Ich wollte einfach mal weg, weil ich privat die Faxen dicke hatte“, erzählt der 55-Jährige bei einem Gespräch im Sportheim Ursulapoppenricht, wo er als Wirt tätig ist.

Vor allem Tobago hat es Holler angetan. Schließlich heiße es nicht umsonst „Trinidad is nice, Tobago is paradise“, erklärt Holler, der sich schnell in die Strände, die Lebensweise, die Menschen und eine Frau verliebte. „Die Zeit ist in Tobago – damals – stehen geblieben“, sagt der Amberg-Sulzbacher. Dieses Paradies wollte er künftig komplett auskosten – und wanderte 2002 nach mehreren Aufenthalten auf den Inseln aus und gab sogar seinen Beamtenstatus auf. Holler ließ sein Hab und Gut in einem Container in die Karibik verschiffen. Mit dabei waren auch 20 Fahrräder, die er, um Einkommen zu generieren, auf der Insel verlieh. Außerdem kochte seine Frau. Gemeinsam hatten sie einen kleinen Laden, der gut lief.

Ein Kumpel kehrt heim

Holler lernte schließlich Terry Williams kennen, einen ehemaligen Nationalspieler von Trinidad und Tobagos, der als Mentor von Dwight Yorke gilt. Über Williams kamen Kontakte mit Phoenix Tobago zustande. Holler kickte mit und übernahm ab und an sogar das Training. „Phoenix Tobago ist ein Erstliga-Verein, allerdings vom Niveau her mit der Bezirksoberliga bei und zu vergleichen“, erklärt der 55-Jährige. Irgendwann, als er wieder mal das Training leitete, kam es, dass Dwight Yorke „mit den Fußballschuhen an zwei Fingern und die Hose auf Halbmast“ auftauchte. Der Starstürmer wuchs ganz in der Nähe auf. Keiner belagerte den Profifußballer, stattdessen begrüßten die anderen Kicker Yorke freudig und unaufgeregt: Ein Kumpel auf Heimatbesuch. „Wenn du nicht gewusst hättest, dass das der Dwight Yorke ist – abgesehen vom Fußballerischen natürlich – dann wäre das einer von vielen gewesen. Das war schon beeindruckend, wenn du sieht, wie so jemand zurück zu den Wurzeln kommt.“ Als Spezl des ehemaligen Nationalspielers darf sich auch Holler fühlen: „Es ist zwar nicht so, dass ich Arm in Arm mit ihm eingekauft habe, aber wir haben zusammen Pool und Fußball gespielt. Als Typ ist er super.“

Es ist zwar nicht so, dass ich Arm in Arm mit ihm eingekauft habe, aber wir haben zusammen Pool und Fußball gespielt. Als Typ ist er super.

Tom Holler über Dwight Yorke

Tom Holler über Dwight Yorke

„Dwight Yorke hat in Trinidad und Tobago einen gottähnlichen Status“, sagt Holler. So viele Berühmtheiten hat das Land nicht. Sänger Billy Ocean dürften einige kennen. Auch Jack Warner könnte manchen ein Begriff sein, der jahrelang Vizepräsident der Fifa war. Sein Name ging vor allem wegen Korruptionsvorwürfen durch die Presse. Dwight Yorke ist dagegen das Aushängeschild. In der Saison 1998/1999 ballerte er sich nicht nur zum Torschützenkönig der Premier League und der Champions-League sondern wurde auch noch Fußballer des Jahres in England. In einem dramatischen Finale gegen Bayern München holte er mit Manchester United in dieser Zeit den Titel in der Königsklasse. Mit Andy Cole bildete Yorke ein fantastisches Duo. An den Stürmerstar hat Holler Erinnerungen, die ihm niemand mehr nehmen kann. Lange währte sein Aufenthalt in Trinidad und Tobago übrigens nicht.

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Nach einem Jahr ging es zurück nach Deutschland. „Ich bin mit einem Container voller Sachen ausgewandert und mit zwei Koffern zurück“, erzählt der 55-Jährige. Das hatte er sich sicher anders vorgestellt. Dafür hat Holler jede Menge Geschichten parat, die locker für mehrere Zeitungsseiten ausreichen würden. Unter anderem verbrachte er noch ein Jahr in dem afrikanischen Land Togo, wo er Autos verkaufte und den Fußballer Emmanuel Adebayor (unter anderem FC Arsenal, Manchester United und Real Madrid) kennenlernte.

Rumpunsch leer gesoffen

Vor diesem Hintergrund war das Sommermärchen von 2006 noch märchenhafter als für die meisten Deutschen. Sowohl Trinidad und Tobago als auch Togo qualifizierten sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte für eine Fußballweltmeisterschaft. Als das karibische Land gegen England in der Vorrunde spielte, reiste Holler mit der Bahn nach Nürnberg, um die Partie beim Public Viewing zu verfolgen (2:0 für England durch Tore von Peter Crouch und Steven Gerrard). Auf dem Weg in die fränkische Stadt liefen ihm einige Fußballkumpels aus Ursulapoppenricht über den Weg und soffen ihm seine mit Rumpunsch gefüllte Kühltasche leer. Nürnberg verwandelte sich seinerzeit in eine Partyhochburg: „Es wurde karibischer Karneval gefeiert.“

Man könnte Tom Holler stundenlang zuhören. Er ist ein großartiger Erzähler. Ein Attentäter, der Worte und Anekdoten zu seinen Waffen zählt und einem damit ein Lächeln ins Gesicht redet.

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Fotos, die an frühere Zeiten erinnern. Während die Fußballer von Phoenix Tobago Tom Holler ein Mannschaftsfoto schenkten, traf er Dwight Yorke in Ammerthal nach Jahren wieder, als der mit den Blackburn Rovers ein Trainingslager in Amberg-Sulzbach abhielt.

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