26.06.2020 - 15:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Bayern-Star Martin Demichelis und das Problem mit Zimmer 316

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Schweinsteiger und Podolski hießen die Stars, als der FC Bayern 2008 gegen den Fanclub aus Nabburg in Amberg auflief. Das Team übernachtete im Drahthammer Schlößl, wo sich die Rezeptionistin vor allem an Martin Demichelis erinnert.

Knapp 14 000 Zuschauer wollten am 20. Juli 2008 den FC Bayern München im FC-Stadion sehen. Einer der Stars damals: Martin Demichelis.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Fußball-Region befand sich im Juli 2008 für einen Tag im absoluten Ausnahmezustand: Im altehrwürdigen FC-Stadion am Schanzl traf Fußball-Rekordmeister FC Bayern München auf eine Auswahl des Bayern-Fanclubs Nabburg, der die Partie gegen Schweinsteiger, Podolski und Co. bei einer Fan-Aktion der Münchener gewonnen hatte.Das Spiel war innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft. Im Stadion wurden eigens Zusatztribünen aufgebaut, so dass 13 800 Zuschauer mitverfolgen konnten, wie die Bayern 11:1 gewannen. Jürgen Klinsmann, damals erst seit wenigen Tagen als Trainer in Diensten des Bundesligisten, hatte angekündigt, mit dem bestmöglichen Kader in die Oberpfalz kommen zu wollen. Und er hielt Wort: Mit Ausnahme von Miro Klose, Philipp Lahm und Luca Toni standen alle Stars auf dem Feld. Auch Martin Demichelis, seines Zeichens argentinischer Nationalspieler, der tags zuvor wie der Rest des Teams inklusive Trainer- und Betreuerstab angereist war und im Drahthammer Schlößl Quartier bezog - zunächst in Zimmer 316, in dem es aber noch ein Problem geben sollte. Doch der Reihe nach.

Hotel-Inhaberin Margit Michel-Trettenbach erinnert sich noch genau daran, wie das Telefon klingelte und sich am anderen Ende der Leitung ein gewisser Bernd Hofmann meldete. Der Vorsitzende des Nabburger Fanclubs fragte höflich an, ob es möglich wäre, das rund 50 Mann starke Team des FC Bayern München in dem renommierten Hotel unterzubringen. Natürlich war das machbar, wenngleich die Chefin kurz überlegen musste: "Ich hatte an dem Wochenende noch eine Hochzeit im Haus. Ich kann ja da schlecht sagen, ihr müsst woanders feiern, weil der FC Bayern kommt."

Nur für eine Nacht

Nach einem Treffen mit Hofmann und Raimond Aumann, dem damaligen Fan-Beauftragten des Bundesliga-Clubs, gab es eine gute Lösung. Die Mannschaft wird nur eine Nacht bleiben und nach dem Spiel direkt wieder nach München fahren. Zudem bekommt die Festgesellschaft im Schlößl einen eigenen Bereich zugeteilt. Der Hochzeit kamen die Profis also nicht in die Quere. Braut und Bräutigam bekamen dennoch ein Erinnerungsfoto mit den Stars aus der Bundesliga.

Noch heute ist Michel-Trettenbach von der angenehmen Art der Gäste aus der Landeshauptstadt begeistert: "Keiner hatte Star-Allüren oder Ähnliches." Jürgen Klinsmann habe sich kurz nach der Ankunft sogar Zeit für ihren Sohn Donatien, der damals fünf Jahre alt war, und dessen Cousins Chris (6) und Nick (8) genommen. Die Mutter beziehungsweise Tante gerät heute noch ins Schwärmen: "Ich habe in all den Jahren, die ich hier arbeite, noch nie einen Menschen gesehen, der so in sich geruht hat, wie Jürgen Klinsmann." Apropos Klinsmann: Rezeptionistin Christine Reitsam, die sich im normalen Leben nicht viel aus Fußball macht, kannte den ehemaligen Bundestrainer und den damaligen Präsidenten Uli Hoeneß natürlich aus dem Fernsehen, wer aber im Kader der Bayern steht, da musste sie schlichtweg passen. Namen wie Christian Lell oder Andreas Ottl sagten ihr absolut nichts.

Christine Reitsam, Rezeptionistin im Drahthammer Schlößl.

Namen auswendig gelernt

Für die Empfangsdame des Drahthammer Schlößls war das ein Problem: "Da kommen prominente Leute und ich hätte sie fragen müssen, wie sie heißen. Ich kann zu einem Thomas Müller ja schlecht sagen: Und wer sind Sie, bitte?" Also lernte die Angestellte im Internet anhand von Spielerprofilen die Namen auswendig, merkte sich die Gesichter dazu und war gut vorbereitet. Sie erkannte folglich auch den Argentinier Martin Demichelis, dem sie den Schlüssel für ein Zimmer gab: "Herr Demichelis bekam die 316. Das werde ich nie vergessen." Zu Beginn sei er "unheimlich nett" gewesen, doch schon bald habe sich seine Miene etwas verfinstert: "Seine Freundin war damals schwanger und er wollte unbedingt mit ihr über das Internet Kontakt aufnehmen. Doch das ging nicht." Christine Reitsam wusste sich nicht anders zu helfen, als einen Techniker des Hauses mit dem Problem zu konfrontieren. Aber auch der konnte von Amberg aus keine Verbindung nach Südamerika herstellen. Doch die Rezeptionistin handelte geistesgegenwärtig: Sie gab Demichelis einfach ein anderes Zimmer: 317. Und siehe da, der damals 27 Jahre alte Spieler war online. Das Internet funktionierte und der Fußballer war glücklich. Die Empfangsdame erinnert sich: "Er hat gesagt, dass ich mit ihm was trinken soll." Doch das war keine Einladung zu einem Date. Demichelis löste die Situation auf seine (charmante) Art in Zimmer 317: "Er hat einfach die Minibar aufgemacht und mir was angeboten." Situationen wie diese sind es, die im Drahthammer Schlößl noch lange in Erinnerung bleiben.

Stolz zeigt Schlößl-Chefin Margit Michel-Trettenbach die Erinnerungsstücke. Darunter ein Trikot mit allen Original-Unterschriften.
Aus den Jungs sind mittlerweile junge Männer geworden. Nick (links) und Chris Sperlich (rechts) sind aber immer noch stolz auf das Foto mit Jürgen Klinsmann.

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Mehr über das Traumspiel 2008

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