06.11.2020 - 10:16 Uhr
VilseckOberpfalz

20 Jahre nach Kaprun-Katastrophe: "Wunden sind nicht verheilt"

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Mit dem Ausflug ins Salzburger Land wollten die befreundeten Skifahrer die Saison eröffnen. Doch der Winterspaß endete in einer Katastrophe. Vor 20 Jahren starben 20 Leute aus dem Kreis Amberg-Sulzbach beim Seilbahn-Brand in Kaprun.

Ein farbiges Fenster für jedes Opfer: In Kaprun wurde eine Gedenkstätte für die Skifahrer errichtet, die bei der Katastrophe am 11. November 2000 ums Leben gekommen sind.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Es war der 11. November 2000 - ein sonniger Samstag, Faschingsauftakt im Vis-à-vis in Amberg und Start der Skisaison in den Bergen. Dorthin, nach Kaprun am Kitzsteinhorn, hatte sich ein ganzer Bus aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach aufgemacht. Mitglieder des Skiclubs Unterweißenbach mit Freunden und Bekannten aus den umliegenden Gemeinden. Als Radiosender gegen Mittag von einem schweren Seilbahnunglück in Österreich berichten, ahnen die Daheimgebliebenen noch nicht, wie sehr sie von der Katastrophe betroffen sein würden.

Gedenken in der Pfarrkirche Schlicht

Beim Brand der Gletscherbahn von Kaprun starben 155 Menschen, darunter 20 aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, überwiegend aus Vilseck und Hahnbach, aber auch aus Sulzbach-Rosenberg und Rieden. Sie sind erstickt oder verbrannt in einem Tunnel, durch den die Seilbahn zur Bergstation gezogen werden sollte. Auch 20 Jahre nach der Katastrophe, sind die Toten und die Hinterbliebenen nicht vergessen. "Was damals passiert ist, wühlt uns immer noch auf", sagt Markus Hiltel, der Vorsitzende des SC Unterweißenbach. Gerade jetzt, in einer Zeit, wo das Ereignis wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, sei das nicht einfach. Hiltel wollte ursprünglich zum Jahrestag nach Kaprun fahren, wegen der Pandemie bleibt er daheim. "Wir werden den Besuch im Laufe des Jahres nachholen", verspricht er. In aller Stille gedenkt der Skiclub der Verstorbenen am Mittwoch um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche in Schlicht. In der Kirche hängen 155 Herzen für alle Opfer. "Wir denken an alle, nicht nur an unsere Leute", sagt Hiltel.

Wir denken an alle, nicht nur an unsere Leute.

Markus Hiltel

Markus Hiltel

Auch Landrat Richard Reisinger hält inne. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen. Es war eine Tragödie, die man sich nur schwer vorstellen kann. Auch 20 Jahre nach dem Unglück ist es heute ein Tag der Traurigkeit“, sagt er. „Die Wunden von damals sind noch längst nicht bei allen verheilt“.

Die Gletscherbahn-Katastrophe hat viele junge Menschen aus dem Leben gerissen. Zurück blieben Familienangehörige: Eltern, die um ihr Kind trauerten, Männer und Frauen, die ihren Ehepartner verloren, oder Kinder, die von heute auf morgen keine Mama oder keinen Papa mehr hatten. Oder Kinder, bei denen sogar beide Elternteile ums Leben gekommen sind.

Schicksalsschläge, die vor 20 Jahren auch den damaligen Amberg-Sulzbacher Landrat Hans Wagner und seine Frau Irene tief bewegten. "Das war das schlimmste Ereignis meiner ganzen Amtszeit", erinnerte sich der Altlandrat einmal. Er berief damals sofort einen Krisenstab ein, um sich um die Angehörigen zu kümmern. Dass der Landkreis so schlimm betroffen war, sorgte damals weltweit für Schlagzeilen. Zur Trauerfeier reiste der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber nach Vilseck.

Jüngste Waise heute 23 Jahre alt

Auf die Initiative von Landrat Hans Wagner hin wurde 2001 die Waisenstiftung Kaprun ins Leben gerufen. Mit den Spendengeldern wurde den Kindern der Opfer aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach finanziell unter die Arme gegriffen, „um die Buben und Mädchen auf den richtigen Weg zu bringen“, wie sein Nachfolger Richard Reisinger heute berichtet. Bis 2016 stand Hans Wagner an der Spitze der Waisenstiftung Kaprun, ehe er das Zepter an seinen Nachfolger Reisinger übergab.

Noch heute treffen sich fast jedes Jahr kurz vor Weihnachten der Stiftungsvorstand und die Waisen. Die Jüngste von ihnen ist heute 23 Jahre alt. „Sie alle wurden vom Schicksal schwer getroffen, aber haben bis heute ihr Leben mit Bravour gemeistert“, beschreibt der Landkreischef die Entwicklung der heutigen Männer und Frauen. "Mit der Waisenstiftung konnten wir einen kleinen Beitrag leisten - finanzieller Art, wichtig war aber auch die seelische und persönliche Unterstützung aus dem familiären Umfeld der Hinterbliebenen", sagt Landrat Richard Reisinger.

Die Stiftung kümmert sich noch heute um Waisenkinder aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und entscheidet im Einzelfall, wie den Buben oder Mädchen geholfen werden kann.

20 Jahre nach der Katastrophe

Unterweißenbach bei Vilseck

Markus Hiltel erzählt

Vilseck
Markus Hiltel am Gedenkstein für die Opfer von Kaprun. Mit 49 Männern und Frauen ist er als Reiseleiter des Ski-Clubs aus der Oberpfalz im November 2000 nach Österreich nach Kaprun gefahren. 20 Reiseteilnehmer kamen in der brennenden Seilbahn von Kaprun damals ums Leben.
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