18.09.2019 - 10:51 Uhr
VilseckOberpfalz

Ausgetrocknete Fischweiher in Vilseck: Teichbesitzer ärgern sich

Alle reden vom Naturschutz – in Vilseck trocknen die Fischweiher am Stadtrand aus. Das ärgert Teichbesitzer Anton Kederer. Seit Oktober 2018 kommt kein Wasser mehr aus dem Altmühlbach bei ihm an. Weil die Stauhöhe stetig abgesenkt wurde.

Anton Kederer steht in seinem völlig ausgetrockneten Fischweiher. Schon seit Jahren wurde das Wasser aus dem Zulauf weniger. Seit Oktober 2018 kommt nichts mehr aus dem Altmühlbach bei ihm an. "Ein Jahrhunderte altes Biotop wird zerstört", sagt der Vilsecker.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Als die Amberger Zeitung im August über die Renaturierung von Fischteichen in Wutschdorf bei Freudenberg berichtete, fühlte sich Anton Kederer bestätigt. Das Projekt „wird zurecht als Tag für die Natur gepriesen“, lobt der Vilsecker das Vorgehen. „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt.“ Gleichzeitig bemängelt er: „Es gibt viel zu wenige solcher Renaturierungen. Nach wie vor wird unsere geschundene Natur und die davon lebende Tierwelt gedankenlos und teilweise bewusst zerstört.“ Er meldete er sich schließlich bei der Amberger Zeitung. Denn vor Kederers Haustür geschieht etwas, das den Vilsecker richtig ärgert.

Wutschdorf bei Freudenberg

Anton Kederer hat einen Fischteich in seinem Garten. Auch seine Nachbarn haben Weiher. Sie alle werden seit Jahrhunderten vom Altmühlbach, der im Besitz der Stadt ist, gespeist. Der ehemalige Stadtweiher in Vilseck wurde um 1430 angelegt. Aus dieser Zeit stammen auch die Fischweiher, die nun in Kederers und dessen Nachbarn Besitz sind. Doch seit 2010 wurde das Wasser, das im Wehr des Altmühlbachs für die Weiher gestaut wurde, peu à peu gesenkt. Erst waren es 14 Zentimeter weniger, im Oktober 2018 dann erneut einige Zentimeter. „Die Auswirkungen sind verheerend“, sagt Kederer. Seither fließe wenig oder gar kein Wasser mehr zu den Teichen. „Das uralte und wertvolle Biotop trocknet aus, einige Weiher sind bereits versiegt.“

Defekte Wasserleitung?

„Diese Gewässer sind ein einzigartiges Biotop“, erklärt Kederer. Sie prägten auch seit vielen Generationen das Vilsecker Stadtbild. „Die Weiher bieten einer Vielfalt von Amphibien, Fischen, Reptilien und Vögeln einen notwendigen Lebensraum.“ Hier werde ein seit Jahrhunderten funktionierendes Bio-System infrage gestellt, kritisiert Kederer.

Landratsamt und die Stadt Vilseck begründen das Absenken des Altmühlbachs, da ansonsten der „Grundwasserspiegel im Bereich des Marktplatzes wieder ansteigt“. So würden Keller von Grundstückseigentümern vernässen und Schaden nehmen. Das teilte die Behörde Kederer im Mai 2011 mit. „Gegenüber den möglichen Schäden für die betroffenen Grundstückseigentümer müssen die Interessen der Halter der Fischteiche zurückstehen“, schrieb damals Landrat Richard Reisinger. Er empfahl, die Zulaufleitung entlang der Weiherkette zu überprüfen.

„Beim Bau eines Kellers weiß jeder Fachmann, dass wichtige Maßnahmen zur Dichtung unbedingt zu beachten sind“, entgegnet Kederer. Die Stadt selbst habe 2012 in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass es Aufgabe der Grundstückseigentümer sei, sich vor Nässe bei tiefer gelegten Gebäudeteilen zu schützen. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten bestätige Kederer, dass es zudem ausgeschlossen sei, dass Keller in 220 Meter Luftlinie Entfernung von seinem Grundstück wegen der Stauhöhe vernässen würden.

Wasserentnahme ohne Genehmigung

2013 sprach das Verwaltungsgericht in Regensburg ein Urteil: „Die aktuelle Situation am Wehr und am Zufluss zu den Fischteichen wird ohne Wasserrechtsverfahren weiterhin nach derzeitigem Stand geduldet. Nach Absenkung des Wasserstands beträgt das Abstichmaß am Schacht 76 Zentimeter.“ Die Stauhöhe dürfe unter keinen Umständen wieder erhöht werden. Solange sich die Fischteichbetreiber einig wären und die Stauhöhe bleibe, „sehen wir kein öffentliches Interesse an der Durchführung eines Wasserrechtverfahrens“.

Das Wasser wurde trotzdem wieder weniger. Die Stadt Vilseck vermutete, dass der Zulauf eventuell defekt sei oder hineingewachsene Wurzeln den Wasserlauf behindern könnten. Das kann Kederer ausschließen. „Eine TV-Kanaluntersuchung 2018 hat ergeben, dass die Rohre nicht defekt sind und keine Wurzeln drin sind.“ Deutlich gesehen habe man aber, dass der Wasserstand nur noch fünf Zentimeter hoch sei. „Das reicht nicht aus, damit alle Weiher mit Frischwasser versorgt sind. Es braucht mindestens zwölf Zentimeter.“

Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl glaubt trotzdem, dass durch die alten Rohre viel Wasser auf dem Weg verloren geht. „Früher war der Altmühlweg ein Fußgängerweg. Heute fahren dort Autos und Traktoren entlang. Die Belastung der Straße ist völlig anders, daher können sich durchaus Rohre verschieben.“ Wenn Kederer und die anderen Teichwirte mehr Wasser bräuchten, müssten sie sich ans Landratsamt beziehungsweise ans Wasserwirtschaftsamt wenden und einen Antrag stellen. „Die Entnahme ist geduldet. Die Weiher werden faktisch ohne rechtliche Genehmigung betrieben.“

Kederer kann das nicht nachvollziehen. „Der Altmühlbach hat seit jeher die einzige und ausschließliche Aufgabe, Wasser den Weihern zuzuführen. Sonst gäbe es die uralten Weiher gar nicht.“ Ein Nachbar von Kederer hat den Kampf zum Erhalt der Weiher aufgegeben – nach neun Jahren. „Er hat die Schnauze voll. Er möchte seinen Weiher endgültig auffüllen.“ Kederer hofft indes weiter.

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