Was Simone Baier (Name vollständig geändert) auf den Bildern einer Wildtierkamera in ihrem Garten sieht, lässt ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen: „Ich lag bereits im Bett, mein Mann war noch wach und hörte in der Küche Radio.“ Es ist Donnerstag, der 5. Januar 2023. Laut den Aufnahmen der Kamera geht gegen 23 Uhr ein Mann durch den Garten des Einfamilienhauses in Vilseck. Er betritt die Terrasse und blickt direkt durch die gläserne Terrassentür in das Wohnzimmer.
Der für Vilseck zuständigen Auerbacher Polizeiinspektion liegt die Aufnahme vor. Der Unbekannte soll sich „mehrere Minuten im Garten“ aufgehalten haben. Er sei durch den Garten auf das Haus zugegangen, „ohne sich großartig zu verstecken“, schreibt die Polizei auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Der Mann soll zwischen 20 und 30 Jahre alt sein, laut der Kameraaufnahmen hatte er keinen Rucksack dabei und die Hände in den Hosentaschen.
Beobachtung am Tag davor
Interessant ist: Es handelt sich hierbei nicht um einen Einzelfall. Bereits am Tag zuvor, Mittwoch, 4. Januar, war ebenfalls ein Unbekannter nachts im selben Garten. Davon gibt es jedoch keine Kameraaufnahmen. Simone Baier erklärt am Telefon, warum: „Ich hatte am Tag zuvor den Eindruck, bei uns ist jemand aus dem Garten rausgegangen.“ Die 61-Jährige ist sich aber nicht sicher und macht sich deshalb noch keine besonderen Gedanken. Aber sie teilt die Beobachtung ihrem Ehemann mit. Dieser aktiviert daraufhin die Wildtierkamera im Garten. „Was die Kamera filmt, ist meistens völlig uninteressant, da ist höchstens mal ein Marder oder eine Katze drauf.“ Nicht so bei der Aufnahme vom 5. Januar. „Da war keine Katze drauf, da stand plötzlich ein Mensch. Mit so was rechnet man nicht. Als wir das gesehen haben, waren wir ganz erschrocken.“
Für Simone Baier und ihren Mann ist klar: Die Beobachtung am Abend zuvor war kein Zufall. Offenbar war zwei Nächte hintereinander ein Unbekannter in ihrem Garten. Nun erzählt Baier auch, warum sie sich die Kamera überhaupt angeschafft haben. „Die haben wir nicht, weil wir damit Tiere filmen wollen, sondern weil es vor einem Jahr in der Nachbarschaft schon mal einen ähnlichen Fall mit einer Person im Garten gegeben hat. Dieser Fall wurde damals aber nicht der Polizei gemeldet. Wir wollten uns daraufhin absichern und haben sicherheitshalber die Kamera angebracht.“
Polizei schließt Betrunkenen aus
Die Baiers machen sich zunächst ähnliche Gedanken wie die Polizei: War es vielleicht nur ein Betrunkener, der aus Versehen in den Garten gestolpert ist? Jemand, der eine Abkürzung genommen hat? Doch das alles ist nicht plausibel. „Es ist auszuschließen, dass es sich um einen Betrunkenen handelt, der nachts vom Weg abgekommen ist“, schreibt die Polizei. Das Grundstück der Baiers sei vollständig von einer Mauer oder einer Hecke umgeben. Da komme man nicht „aus Versehen“ hin. Zudem habe sich der Mann laut Polizei „zu lange und zu auffällig“ in dem Garten aufgehalten. Und Wirtshäuser in der Umgebung gibt es auch keine.
Könnte es dann eine Einbrecherbande sein, die Wohnungen ausspäht, bevor sie zuschlägt? Auch das glaubt Simone Baier nicht. „Er ist nicht zum Schuppen gegangen, er hatte keine Werkzeuge dabei, er hatte es nicht eilig oder hat sich versteckt. Ich glaube nicht, dass er einbrechen wollte, vermutlich ist es ein Spanner, der reinschauen will.“
Die Geschichte der Baiers erfährt ihre Fortsetzung. In der Nachbarschaft trägt sich am Montag, 16. Januar, ein fast identischer Fall zu: Eine 62-jährige Vilseckerin sieht laut Polizei um 21.15 Uhr eine männliche Person in ihrem Garten stehen. Sie spricht den Mann „mit lauter Stimme an“, ein Nachbar, der auf dem Balkon seines Hauses steht und das mitbekommt, ruft die Polizei.
Mann rennt davon
„Dies bekam der Unbekannte mit und verließ daraufhin fluchtartig den Garten“, schreibt die Polizei. Dieser Mann habe eine Mütze getragen und sei zwischen 25 und 40 Jahre alt gewesen. War es derselbe Mann wie bei den Baiers? Das bleibt unklar. Die Polizei schreibt dazu: „Nach Angaben der Betroffenen handelt es sich bei den beiden Sichtungen nicht um den selben Mann.“
Dies ist nun zwei Wochen her. Seitdem wurden keine weiteren Sichtungen mehr der Polizei gemeldet. Die Beamten fahren dort nun verstärkt Streife und ermitteln wegen Hausfriedensbruch. Doch die Spurenlage ist schlecht. Der Vorfall vom 5. Januar sei der Polizei spät gemeldet worden, im Garten habe es wegen der Witterung keine Spuren mehr gegeben, auch keine Schuhabdrücke. Und die Aufnahmen der Wildtierkamera lassen keine exakte Identifizierung zu.
Abends unheimliche Gefühle
Für Simone Baier und ihren Mann bleibt ein beklemmendes Gefühl. „Wir haben uns unwohl gefühlt.“ Gerade in den Abendstunden kehre Unsicherheit ein. „Der Gedanke daran, jetzt könnte einer draußen stehen, das ist schon unheimlich.“ Das Ehepaar hat die Kellerfenster mit Eisenstäben gesichert und im Außenbereich Bewegungsmelder angebracht. „Jeden Abend machen wir jetzt alles dicht, Fenster, Rollos. Das haben wir früher nie gemacht.“ Ihr Mann gehe manchmal abends ums Haus und suche nach Spuren. „Wäre ich alleine im Haus, ich hätte noch viel mehr Angst.“ Das Telefon habe sie nun meist griffbereit im Schlafzimmer. Frau Baier denkt an die Zukunft: „Früher sind wir in Sommernächten ohne Licht im Garten gesessen und haben die Sterne angeschaut.“ Ob sie das nun noch in Ruhe kann? Sie weiß es nicht.
In der Nachbarschaft seien die Vorfälle ein großes Thema. „Etliche Nachbarn haben sich auch Kameras zugelegt. Wir schauen jetzt aufeinander auf.“ Der Spanner sollte also wissen: Künftig wird er selbst in den Blick genommen.
Männer im Garten: Mysteriöse Vorfälle in Vilseck und Umgebung
- 4. Januar 2023: Mann wird nachts in Vilsecker Garten gesehen (keine Filmaufnahmen)
- 5. Januar 2023: Mann wird im selben Garten von einer Wildtierkamera gefilmt (ca. 23 Uhr), als er minutenlang durchs Wohnzimmerfenster starrt
- 16. Januar 2023: Mann wird in einem weiteren Vilsecker Garten von Bewohnerin entdeckt - er wird angesprochen und flüchtet
- Weiterer merkwürdiger Vorfall: Im Dezember 2022 wird nachts in Hannesreuth ein VW-Transporter gesichtet - der Fahrer verhält sich "verdächtig". Ein Zusammenhang zu Vilseck ist unklar. Obwohl der Fall schon einige Wochen zurückliegt und in einem anderen Ort passierte, prüfte ihn die Polizei erneut, um mögliche Verbindungen zu Vilseck zu eruieren.
- Quelle: Polizeiinspektion Auerbach. Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu den Vorfällen in Vilseck machen können, sich unter der Nummer 09643/9204-0 zu melden.




















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