13.09.2018 - 16:34 Uhr
VilseckOberpfalz

Über Familienbande direkt zu Lola Montez

Während seines Urlaubs wird Friedemann Peißner aus Schorndorf auf die Lola-Montez-Festspiele in Vilseck aufmerksam, bei denen der Türmersohn Elias Peißner eine wichtige Rolle spielt. Ein besonderes Stück Familiengeschichte.

Bei seinem Besuch in Vilseck stellte Friedemann Peißner, hier mit Ehefrau Margit, fest, dass seine Ahnen im Theaterstück „Lola Montez – die falsche Spanierin“ zu neuem Leben erweckt wurden.
von Rosi HasenstabProfil

(rha) Sofort machten sich die Peißners, die aus Baden-Württemberg kommen, auf den Weg nach Vilseck. Margit Peißner meinte, hier könne ihr Mann vielleicht seine Ahnenforschungs-Unterlagen ergänzen. So war es dann auch. Friedemann Peißner ist der Urenkel des letzten Vilsecker Stadttürmers Karl Joseph Peißner und ein Urur-Cousin von Elias Peißner.

Friedemann Peißner nahm im Vilsecker Rathaus Kontakt mit Adolfine Nitschke, der Kultur- und Tourismusbeauftragten, auf. Sie führte ihn gleich in das Erste Deutsche Türmermuseum im Vogelturm, wo er sich ein Bild vom Leben eines Türmers machen und das dort ausgestellte Kleid der Lola Montez bewundern konnte. Natürlich interessierte er sich auch für das Theaterstück auf Burg Dagestein, das die Beziehung der falschen Spanierin und Mätresse von König Ludwig I. zum Vilsecker Türmersohn Elias Peißner thematisiert. Die Ausstellung "Lola und Elias" mit großformatigen Fotografien im Bergfried von Burg Dagestein fand bei den Peißners ebenfalls großes Interesse. Sie konnten sich mit dem in Vilseck geborenen und in Finnland lebenden Künstler Albert Braun austauschen. Dieser hatte zum Thema in den USA recherchiert.

Bei Friedemann Peißner löste der Hinweis auf die Festspiele in Vilseck "gleich eine Initialzündung aus, denn ich erhoffte mir wertvolle Hinweise auf meine Vorfahren. Mit meinem Vater Willi Josef war ich vor mehr als 40 Jahren zum ersten Mal in Vilseck. Zusammen stöberten wir damals in den Matrikelbüchern der Pfarrei und in den Unterlagen der Stadt, um unseren Stammbaum zu ergänzen. Wir fanden heraus, dass der letzte Vilsecker Türmer mein Urgroßvater Karl Joseph Peißner war. Dies ging unter anderem aus Chroniken der Stadt hervor. Er ist 1911 verstorben und wurde im Vilsecker Friedhof begraben. Leider ist sein Grab längst aufgelöst."

Peißner hat noch mehr herausgefunden: "Der Sohn von Karl Joseph, dem letzten Türmer, mein Großvater Josef, ist 1884 in Vilseck geboren. Er wanderte nach seiner Militärzeit, wo er Dienst im Musikcorps leistete, etwa um 1904 von München nach Schorndorf bei Stuttgart aus und heiratete dort 1909. Im gleichen Jahr kam mein Vater Willi Josef zur Welt. Mein Großvater war lange Zeit Stadtkapellmeister von Schorndorf. Er hatte die Musiker-Gene geerbt, die vielen Türmern in die Wiege gelegt waren. 1954 starb er, als ich drei Jahre alt war."

Jakob Peißner, der Vater des Studenten Elias, ist "der Cousin ersten Grades meines Ururgroßvaters", erklärte Friedemann Peißner und folgerte: "Elias war der Cousin meines Urgroßvaters. Somit dürfte ich der Cousin vierten Grades von Elias Peißner sein." Fest steht, dass Friedemann und Margit Peißner nicht zum letzten Mal in Vilseck waren. Das Wiederentdecken alter Wurzeln wird sich gewiss in weiteren Oberpfalz-Besuchen niederschlagen, wie die beiden anklingen ließen.

Info:

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts sind Angehörige der Familie Peissner als Türmer in Vilseck nachweisbar. Georg Jakob Ignaz Peissner ist 1710 in Auerbach geboren und wurde um 1777 Türmer in Vilseck. Der letzte Vilsecker Türmer, Karl Joseph Peissner, starb 1911. Da war es nicht verwunderlich, dass gerade Vilseck prädestiniert war, im Jahr 2000 das Erste Deutsche Türmermuseum einrichten zu dürfen. Nach Ideen des hiesigen Heimat- und Kulturvereins und unter Mithilfe von Barbara Polaczek nahm die Stadt dieses Projekt in Angriff. Die Einrichtung im Vogelturm entstand mit Unterstützung des Bezirks Oberpfalz, des Arbeitsamtes Schwandorf und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen. Bis heute haben etwa 13 000 Personen das Türmermuseum in Vilseck besucht. Es ist jeden Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Info:

So lebte und arbeitete der Türmer

Der Beruf des Türmers war in der Oberpfalz einst ungewöhnlich stark verbreitet und vererbte sich fast immer vom Vater auf den Sohn. Die Stadt verpflichtete den Türmer in einer sogenannten Bestallungsurkunde, einen ehrbaren Lebenswandel zu führen und dem Stadtrat zu gehorchen. Auch Rechte und Pflichten waren darin genau beschrieben. Der Türmer hatte zu wachen und Ausschau zu halten nach Feuer, nach Feinden, Fremden oder Adeligen. Er arbeitete meist auf dem Kirchturm und lebte dort mit seiner ganzen Familie. Dazu gehörten oft auch Gesellen und Lehrjungen, denn die Türmerei war ein Handwerk und in Zünften organisiert. Nebenbei machte der Türmer auch Musik und spielte bei Messen, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, auf Kirchweihfesten und in Wirtshäusern. Mit der Zeit wurde das Musizieren zur Hauptbeschäftigung, denn Geld war immer knapp. Ein Türmer beherrschte mehrere Instrumente wie Horn, Posaune, Trompete oder Violine und deckte oft die komplette Bandbreiter von ernster bis unterhaltender Musik ab. Häufig wurde ihm auch der Musikunterricht im Ort übertragen oder die Leitung einer Musikkapelle.

Josef Peißner (1884-1954) war der Sohn des letzten Vilsecker Türmers (Karl Joseph Peißner) und Großvater von Friedemann Peißner. Er zog nach seiner Militärdienstzeit etwa um 1904 ins Schwabenland. Das Foto entstand in München, wo er dem Musikcorps der Reichswehr angehörte.

Bei den Vilsecker Burgfestspielen glänzten in den Hauptrollen Barbara Trottmann als Lola Montez und Patrik Götz als Elias Peißner.

Seit 2000 befindet sich im Wahrzeichen der Stadt Vilseck, im Vogelturm, das Erste Deutsche Türmermuseum, das vieles über Geschichte und Leben der Türmer beherbergt.

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