Im Erste-Hilfe-Kurs lernt man die wichtigsten Handgriffe, um im Notfall Leben zu retten. Was aber ist, wenn jemand so krank ist, dass es keine Rettung mehr gibt? Man müsste Menschen auch in "letzter Hilfe" am Lebensende schulen, dachte sich der Schleswiger Palliativ-Arzt Georg Bollig und entwickelte ein Konzept: Letzte-Hilfe-Kurse. Mit den Lehrgängen hat der Mediziner ein Angebot geschaffen, um Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit Sterbenden zu geben.
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach (AOVE) bot der Hospizverein Amberg diesen Kurs nun im Vilsecker Rathaus einen solchen Kurs an. Über 30 Teilnehmer nahmen das Angebot an. Wegen der großen Nachfrage ist sogar ein neuer Kurs im Frühjahr geplant. Vorsitzender Georg Franz Fröhler vom Hospizverein und die Koordinatorin Andrea Ulrich-Prusko leiteten den Abend.
"Früher wurde dieses Wissen in der Familie weitergegeben", sagte die Gesundheits- und Krankenpflegerin Ulrich-Prusko, heute wüssten Menschen oft nicht mehr, was sie tun sollten. Gemeinsam mit Georg Franz Fröhler erklärte sie den Frauen und Männern, was Leiden am Ende des Lebens lindern kann: eine gute Mundpflege gegen ein quälendes Durstgefühl zum Beispiel. Dazu taucht man ein Stäbchen, an dessen Ende ein kleiner Schwamm befestigt ist, in Flüssigkeit und befeuchtet damit Mund und Lippen. "Gerne das Lieblingsgetränk", auch Bier, Wein oder Sekt seien möglich. Gegen Atemnot helfe Riechsalz mit einem Tropfen Duftöl wie Minze, erklärte die Krankenschwester. Die Teilnehmer durften mit Wattestäbchen selbst ausprobieren und testen. Leere Pralinenverpackungen seien perfekt, um Saft oder Tee einzufrieren. Die Eiswürfel sind dann nicht so groß und ließen sich besser lutschen.
Wer im Sterben liegt, kämpft oft mit Schmerzen, Angst, Atemnot oder Übelkeit. Schmerzen ließen sich zwar mit Medikamenten eindämmen, aber nicht nur der Körper, auch die Seele leide. „Was dann gut tut, ist menschliche Nähe“, sagte Andrea Ulrich-Prusko - da sein und das Sterben aushalten, so schwer es auch sei. Verständlicherweise hätten Angehörige oft den Wunsch, etwas zu tun und würden den Sterbenden immer wieder fragen. "Man stirbt nicht, weil man aufhört zu essen und zu trinken. Man hört auf zu essen und zu trinken, weil man stirbt", stellte Ulrich-Prusko fest. "Eine einfache Wahrheit, die doch so schwer zu akzeptieren ist."
In dem gut dreistündigen Seminar wurden die Themen „Sterben ist ein Teil des Lebens“, „Vorsorgen und entscheiden“, „Leiden lindern“ und „Abschied nehmen“ behandelt. Dabei wurde ein Basiswissen vermittelt für eine gute Sorge am Lebensende. Die Teilnehmer bekamen einen Einblick und Sicherheit im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Bürgermeister Hans-Martin Schertl wies daraufhin, wie wichtig eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht für jede Person ist. Am Ende des Kurses erhielten die Frauen und Männer ein Zertifikat, das ihnen die Teilnahme bescheinigt.



















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