Vilseck
25.03.2022 - 14:39 Uhr
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Vorgehen beim Glasfaserausbau fliegt Vilsecker Bürgermeister um die Ohren

Einen gewaltigen Rüffel handelt sich der Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl vom Stadtrat ein. Und das über alle Fraktionsgrenzen hinweg. Das Gremium ist mit seinem Vorgehen beim Glasfaserausbau nicht einverstanden.

Dieses Thema in der Sitzung des Vilsecker Stadtrats hatte es in sich: der Glasfaserausbau auf eigenwirtschaftlicher Basis. Zwei Firmen hätten Interesse gezeigt, sagte der Bürgermeister. In der Debatte darüber äußerten Stadträte deutlichen Tadel an der Handlungsweise des Bürgermeisters. Dem Verlauf der Aussprache war zu entnehmen, dass sich die Firma Glasfaser Direkt aus Amberg für einen eigenwirtschaftlichen Ausbau des Glasfasernetzes beworben und sich in im nichtöffentlichen Teil der Februar-Stadtratssitzung vorgestellt hat.

Aus den Reihen des Stadtrates war aber damals wohl fraktionsübergreifend die Anregung gekommen, dass ein weiterer Anbieter sich und sein Konzept vorstellen sollte. Bevor es allerdings dazu kam, gab jedoch Glasfaser Direkt am 3. März zusammen mit dem Bürgermeister vor dem Rathaus den öffentlichen Startschuss für diese Maßnahme. Gegen den Willen des Stadtrates, so echauffierten sich Gremiumsmitglieder von allen vier Fraktionen, habe sich der Bürgermeister für die Werbung zugunsten des ersten Anbieters Glasfaser Direkt zur Verfügung gestellt.

In einer Sondersitzung des Stadtrats am 7. März habe nämlich die Firma Teranet die Möglichkeit gehabt, sich und ihr Konzept für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau vorzustellen. Und, so hieß es: Das Angebot der Firma Ternanet soll besser gewesen sein. Dieser Sachverhalt trug dem Bürgermeister offene Kritik ein. „Ihr Vorgehen entsprach nicht den Vorgaben des Stadtrats. Durch Ihre unglückliche Aktion haben Sie einen günstigeren Bieter abgeschreckt“, sagte JU-Sprecher Jonas Dittrich. Peter Lehner (CSU) erklärte: „Herr Bürgermeister, leider kann ich Ihr Vorgehen nicht nachvollziehen, warum Sie leichtsinnig den Bürger um ein gutes Angebot bringen.“ Wilhelm Ertl (Einheitsblock FW) beanstandete den „Alleingang des Bürgermeisters", sah die „gute Zusammenarbeit getrübt“. Manuel Plößner (Arbeitnehmer-Eigenheimer) schloss sich im Wesentlichen den Kritikpunkten an. „Das ist zu schnell gegangen“, sagte er, weil der Stadtrat keine Möglichkeit mehr gehabt habe, sich anders zu entscheiden.

Bürgermeister Hans-Martin Schertl nahm zu den Vorwürfen Stellung. Er verwies auf die Investitionskosten in Höhe von zehn Millionen Euro, die eine Firma beim eigenwirtschaftlichen Ausbau für die Orte Vilseck, Schlicht und Sorghof aufbringen müsse. Schertl weiter: „Die Stadt Vilseck kann weder einen Auftrag erteilen noch eine interessierte Firma ausschließen.“ Mit der Ausbaufirma solle nach Empfehlung des Bayerischen Gemeindetages auch kein „Kooperationsvertrag“ geschlossen werden. Glasfaser Digital könne aber sofort mit der Kundenwerbung beginnen, im Sommer solle der Ausbau erfolgen. „Die Firma Teranet kann erst im Sommer/Herbst mit der Akquise starten, Baubeginn könnte dann im nächsten Frühjahr sein“, meinte Schertl.

Wie bei der Sitzung zu vernehmen war, ist die Firma Glasfaser Direkt offenbar „schon recht offensiv“ mit der Plakatwerbung im Stadtgebiet beschäftigt. Der Stadtrat hatte einen Antrag des Unternehmens auf Sondernutzung öffentlicher Verkehrsflächen (Plakatwerbung) im Stadtgebiet zu behandeln, der jedoch der Verwaltung zur Entscheidung übertragen wurde.

Die Nachfrage nach Wohnflächen ist groß, in der Großgemeinde Vilseck besteht hier dringender Bedarf. Dem trugt der Stadtrat erneut Rechnung durch die Ausweisung von neuen Baugebieten. In seiner Sitzung stellte das Stadtparlament einen Bebauungsplan mit integrierter Grünordnung für ein Baugebiet bei Heringnohe aus. Die Fläche von 2,3 Hektar umfasst insgesamt 20 Parzellen. Der große Trumpf dieses Baugebiet ist seine Lage: „Dieses Gebiet ist bereits im Flächennutzungsplan als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen, kann somit für Wohnbauzwecke genutzt werden", sagte Bürgermeister Hans-Martin Schertl.

Hans-Jürgen Tiefel (Renner und Hartmann Consult Amberg) stellte dem Stadtrat detailliert die Planung vor. Demnach soll das Baugebiet am westlichen Ortsrand von Sorghof, nördlich der Kürmreuther Straße (Kreisstraße AS 16) entstehen. Von den mindestens 20 Bauparzellen sind eine oder zwei für Tiny Houses vorgesehen. Die Parzellen sind zwischen 645 und 1465 Quadratmeter groß, eine verdichtete Bebauung soll in Teilbereichen möglich sein. "Der Bauboom scheint ungebrochen, derzeit herrscht sogar Goldgräberstimmung“, sagte Schertl.

„Ihr Vorgehen entsprach nicht den Vorgaben des Stadtrats. Durch Ihre unglückliche Aktion haben Sie einen günstigeren Bieter abgeschreckt.“

JU-Sprecher Jonas Dittrich

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