Update 06.08.2018 - 16:25 Uhr
Vilshofen bei RiedenOberpfalz

Hähnchenmast im Schutzgebiet

Rieden steht womöglich ein Bürgerentscheid ins Haus, der einen einstimmig gefällten Marktratsbeschluss kippen soll. Das Wort "Bio" ist zwar mit im Spiel, die Gegner des Projekts führen jedoch fast ausschließlich ökologische Argumente an.

Das für den Bio-Masthähnchen-Betrieb bei Aufheim vorgesehene Areal zwischen dem Fünf-Flüsse-Rad-Weg und der Vils mit Blick auf Siegenhofen. Bild: sön

(sön) Nahezu alle auf das Thema angesprochene Bürger könnten den einstimmigen Gemeinderatsbeschluss vom 5. Juli nicht nachvollziehen. Sie seien entweder kategorisch gegen dieses Projekt oder sähen sich nicht ausreichend informiert, betonten einhellig Ortsheimatpfleger Albert Kräuter und Marktgemeinderat Arthur Flierl (ULV), der seine ursprüngliche Befürwortung zurückgezogen und ins Gegenteil gekehrt hat.

Worum geht es? Der Marktgemeinderat hat einstimmig den Bauantrag eines Landwirts aus dem Ortsteil Vilshofen zur Errichtung eines Bio-Masthähnchenstalles genehmigt. Jeweils 9600 Masthähnchen sollen fünfmal im Jahr dort bis zur Schlachtreife aufgezogen werden, also rund 48 000 im Jahr. Die Lage des Hauptgebäudes mit einer Größe von 63 mal 23 Metern, ist östlich des Wertstoffhofes neben dem Fünf-Flüsse-Radweg angesiedelt, der Flächenbedarf liegt bei vier Hektar. Das, so die Sprecher des Bürgerbegehrens, seien die Eckdaten des Antrags. 434 Bürger der Marktgemeinde, das ist rund ein Fünftel aller Wahlberechtigten, fordern laut Kräuter und Flierl nun per Unterschrift die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses zur Befürwortung des Bauvorhabens. Die Liste, so war es geplant, sollten am Montag Bürgermeister Erwin Geitner (CSU) samt einem Begleitschreiben übergeben werden.

Viele Gegenargumente

Darin steht unter anderem: "Diesem Bauvorhaben stehen nach Meinung der Bürger öffentliche Belange in erheblichem Ausmaß entgegen. Obwohl das Bauamt die Beeinträchtigung der öffentlichen Belange dem Marktgemeinderat vorgetragen hat, wurden diese bei der Beschlussfassung nicht entsprechend berücksichtigt." Zudem widerspreche das Bauvorhaben den Darstellungen des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes, könne schädliche Umwelteinwirkungen nach sich ziehen und beeinträchtige das Orts- und Landschaftsbild erheblich.

Neben Tourismus-Radweg

Das vorgesehene Areal liegt auch in einem Landschaftsschutzgebiet und die vorgesehene Freilauffläche zum größten Teil im Hochwasserschutzgebiet an der Vils, monieren die Gegner. Zudem, so Flierl und Kräuter, stelle so ein Mastbetrieb am Tor des Naturparks Hirschwald, an der Hauptzufahrt zum Ostbayerischen Pferdesport- und Turnierzentrum Kreuth und gleich neben dem stark frequentierten Fünf-Flüsse-Radweg eine "schlechte Visitenkarte für den Fremdenverkehr in der Region" dar. Ziel des jetzigen Bürgerbegehrens ist ein Bürgerentscheid, in dem alle wahlberechtigten Riedener über den Fortbestand der Zustimmung durch den Marktrat befinden sollen. Über die Zulassung des Bürgerbegehrens als Bürgerentscheid hat nun der Marktgemeinderat in seiner nächsten Sitzung zu entscheiden.

Erfahrungen in anderen, aber ähnlich gelagerten Fällen haben bisher gezeigt, dass derartige Bürgerbegehren im ersten Anlauf häufig an formalen Fehlern scheitern. Aber das wird sich spätestens nach den Sommerferien zeigen.

Ortsheimatpfleger Albert Kräuter und Marktgemeinderat Arthur Flierl (von links), die beiden Sprecher der Initiative, haben 434 Unterschriften gesammelt, die sie als Bürgerbegehren im Rathaus an Bürgermeister Erwin Geitner übergeben wollen. Bild: sön
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