02.07.2019 - 11:02 Uhr
VohenstraußOberpfalz

50 Jahre im Weinberg des Herrn

Bischöflich Geistlicher Rat Alois Scherm blickt auf 50 Priesterjahre zurück. Ein allseits beliebter Seelsorger, der sich gerne zurücknimmt und eher still und leise agiert.

Zu Ehren des Jubilars Pfarrer Alois Scherm (Mitte) feierte die Pfarrgemeinde einen Dankgottesdienst. Dekan Alexander Hösl (links) und Ruhestandsgeistlicher Gerhard Dirscherl (rechts) zelebrierten den Festgottesdienst mit ihm.
von Elisabeth DobmayerProfil

Einen triumphalen Einzug bereiteten viele Wegbegleiter am Samstagabend Bischöflich Geistlichen Rat Alois Scherm in der katholischen Stadtpfarrkirche. Anlass des Festgottesdienstes war das goldene Priesterjubiläum des Ruhestandsgeistlichen, das sich exakt an diesem Tag zum 50. Mal jährte. Sogar aus seinem früheren Wirkungsort Schmidgaden kamen Abordnungen der verschiedensten Vereine. Für den Geistlichen war dieser Jubiläums-Weihetag ein überaus aufregender Tag, den er gerne in aller Stille für sich gefeiert hätte. Großes Aufheben um seine Person sind dem Priester aus dem Weinberg des Herrn eher zuwider. Für Dekan Alexander Hösl, der zusammen mit dem Jubilar und dem weiteren Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Gerhard Dirscherl den Gottesdienst zelebrierte, war es nach seinem eigenen Bekunden eine große Ehre, zu Scherms 50-jährigen Priesterjubiläum die Festpredigt halten zu dürfen. Hösl gratulierte dem Jubilar im Namen der ganzen Seelsorgeeinheit Vohenstrauß und Böhmischbruck und dankte für seine überaus wertvollen Dienste, die er zeitlebens als Priester in den verschiedensten Pfarreien einbrachte und schließlich seit seinem Eintritt in den „Unruhestand“ vor knapp zwölf Jahren in die Pfarreiengemeinschaft Vohenstrauß und Böhmischbruck.

Die erste und wichtigste Aufgabe, die ein Priester erfüllen sollte sei die Spendung der Sakramente und dazu gehöre in erster Linie die Feier der Eucharistie. „Daraus schöpfen auch wir Priester Kraft.“ Ein Priester, aber auch ein Christ sei ohne Eucharistie nicht denkbar, betonte der Geistliche. Mit aufgebauten Kelchschalen vor dem Altar zog der Prediger Parallelen zum Glauben und der damit verbundenen Verkündigung. „Wie der Kelch vom Fuß und Knauf getragen wird, so braucht jeder Gläubige einen Stamm.“ Der Kelch öffne sich nach oben und genauso erlebe er den Jubilar, der immer für die Gläubigen ein offenes Ohr zeige. Klar müsse den Gläubigen an diesem Abend aber auch sein: Die Pfarrei könne nur dank der beiden Ruhestandsgeistlichen die große Vielfalt an Gottesdiensten anbieten. Mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ dankte Dekan Hösl für das großartige Engagement, das beide Ruhestandsgeistliche in das Pfarreileben einbringen. Pfarrer Scherm wünschte der Stadtpfarrer für seinen weiteren Lebensweg Gottes Segen. „Halten wir weiter zusammen, um die Botschaft Jesu auch zukünftig in unserer Gemeinde zum Leuchten zu bringen.“ Mit solistischen Trompetenklängen wie „Du großer Gott“ beschenkte Johannes Gruber den Jubilar. Außerdem studierte der Kirchenchor unter Leitung von Claudia Gruber eigens Lieder für diesen Abend ein, über die sich der Jubilar riesig freute. Vor 50 Jahren war die Zeit der Studentenrevolten, blickte Pfarrer Scherm am Ende der knapp zweistündigen Feier persönlich zurück.

Es war die Zeit kurz nach dem Konzil, in der die jungen Kapläne es nicht mehr erwarten konnten, wie die Änderungen in Liturgie und Verkündigung umgesetzt werden. Die Einführung der Volksaltäre stand an und der Pfarrer schaute ab sofort ins Volk und „hielt nicht mehr den Buckel hin“. Gerne erinnere sich der Jubilar in diesem Zusammenhang immer an den damaligen Subregens Dr. Michael Grünwald, der den jungen Kaplänen das Zelebrieren der Messe beibrachte und ihnen ans Herz legte: „Das Hochgebet und die Einsetzungsworte sind die Hochform der Liturgie. Diese muss man den Menschen zusagen.“ Kirche sei nie etwas Starres sondern mit Leben erfüllt, führte Pfarrer Scherm weiter aus. Deshalb dürfe und müsse sie sich weiterentwickeln. „Wir beten für Priesterberufe, aber wir müssen auch daran denken, dass die Hirten nicht ohne Herde sind“, regte Pfarrer Scherm an.

Wenn er an manche Gottesdienste denke, dann werde ihm deutlich vor Augen geführt: „Wir haben nicht nur einen Mangel an Priesterberufen sondern auch an aktiven Gläubigen.“ Ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ schickte der Jubilar an seine Haushälterin Ingeborg Bock, die ihn seit 47 Jahren begleitet. Kirchenpfleger Günter Hassmann überreichte zusammen mit Pastoralreferent Maximilian Pravida ein Geschenk der Pfarrei und dankte ebenfalls für die vielfältigen Dienste und die segensreiche Arbeit. Dafür verdiene der Senior Hochachtung und Anerkennung. Aus Schmidgaden, dem früheren Wirkungsort von Pfarrer Scherm, übermittelte der Ehrenvorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr, Johann Schmidl an den beliebten und bis heute unvergessenen Seelsorger die besten Grüße und Glückwünsche zum großen Ehrentag. Er war mit einer Abordnung der Katholischen Landjugend und dem Frauenbund gekommen. Den Weihetag wird Pfarrer Scherm in dieser Woche mit seinen ehemaligen Priesterkollegen in Regensburg begehen. Von den 18 Neupriestern und 4 Ordensbrüdern, die am 29. Juni 1969 im hohen Dom die Weihe empfingen, ist bereits die Hälfte gestorben.

Werdegang:

Alois Scherm wurde am 30. Juli 1941 in Kirchenpingarten - jetzt Weidenberg - am Rande des Fichtelgebirges und im Grenzgebiet der heutigen Regierungsbezirke Oberfranken und Oberpfalz geboren. Er besuchte fünf Jahre das Missionsgymnasium in Tirschenreuth, anschließend das Gymnasium in Ingolstadt, wo er auch das Abitur ablegte.

Sein Theologiestudium absolvierte er in Regensburg und Wien. Am 29. Juni 1969 wurde er zum Priester geweiht. Zu seinen seelsorgerischen Stationen gehören Rötz, Windischeschenbach und Mitterteich. Seine erste eigene Pfarrei war Fichtelberg und zum 1. September 1992 übernahm Pfarrer Scherm die Pfarrei Schmidgaden. Dort setzte er auch die seines Vorgängers Josef Gmeiner begonnene Innenrenovierung der Mariä Himmelfahrts-Kirche fort. Unter seiner Tatkraft ging auch die Renovierung der St.-Nikolaus-Kirche in Trisching, die Außenrenovierung der Pfarrkirche in Schmidgaden und die Friedhofsumgestaltung über die Bühne.

Pfarrer Scherm machte sich durch seine menschliche Art bei Jung und Alt beliebt. "Mit euch bin ich Mensch, für euch bin ich Priester" - das versuchte er in seiner priesterlichen Laufbahn stets zu leben.

Bischöflich Geistlicher Rat Alois Scherm kann sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Ein ruhiger und besonnener Weggefährte, der bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt ist.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.