21.07.2019 - 15:03 Uhr
VohenstraußOberpfalz

72 Realschüler feiern Abschluss

Für die Absolventen der Realschule Vohenstrauß liegt der Ball auf dem Anstoßpunkt, sagt Direktor Andreas Meier. Viele Schüler bleiben in der Region.

Christina Bartmann aus Hagendorf und Elisabeth Stangl aus Eslarn (vorne, von rechts) beenden ihre Realschulzeit mit dem Notendurchschnitt von 1,0. Sie erhielten wie alle anderen acht Schulbesten einen Geldpreis des Landkreises. Schulleiter Andreas Meier (rechts) und Landrat Andreas Meier (links) gratulieren.
von Elisabeth DobmayerProfil

Mit dem deutschen Schellackschlager des Komponisten Werner Richard Heymann „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder, das ist zu schön, um wahr zu sein. So wie ein Wunder fällt auf uns nieder, ein Abschlusszeugnis ist jetzt mein“, nahmen 72 Absolventen der 10. Klassen der Realschule Abschied von ihrer Bildungseinrichtung. Diesen Augenblick und Moment im Leben werden die jungen Menschen wohl nie vergessen, vermutete Direktor Andreas Meier im Atrium der Schule. Dort hatten sich neben den Schülern und Eltern auch viele Gäste versammelt. „Ihr erlebt gerade in diesem Moment eine Hochstimmung, ein Glücksgefühl, die fast grenzenlose Euphorie des Augenblicks, die Einmaligkeit des Moments. Im Fußball würde man sagen, der Ball liegt auf dem Anstoßpunkt", sagte Meier. Jetzt gehe es darum, den Ball nicht liegen zu lassen, sondern ihm mit Phantasie und Ehrgeiz die Richtung, den gewünschten Dreh zu geben. Die Startplätze stehen mit dem Ergebnis der Abschlussprüfung fest. Heute gebe es in der Region eine ganze Reihe von Firmen, die Weltmarktführer in ihrem Bereich sind, die expandieren und Millionen in neue Arbeitsplätze investieren.

Innovative Handwerksbetriebe und junge Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung sehen und nutzen, bestimmen mehr und mehr das Bild der heimischen Wirtschaft. Betriebe mit grenzüberschreitenden Kontakten und Niederlassungen in Tschechien seien nicht mehr die Ausnahme, sondern Normalität, führte Meier aus. „Diese Firmen kommen mit offenen Armen auf euch zu.“ Oft höre man die Meinung, die Schüler würden zu wenig auf das Leben vorbereitet. Der Direktor frage sich dann: „Auf welches Leben eigentlich?“ An diesem Abend verlassen 72 Absolventen mit einer eigenen, einmaligen unverwechselbaren Biographie die Realschule und sie werden das vor ihnen liegende Leben individuell, eigenständig, mit eigenem Tempo und eigenen Zielen angehen und gestalten, war sich der Schulleiter sicher. Er sei davon überzeugt, dass die Absolventen an der Realschule ihr Handwerkszeug fürs Leben bekommen haben mit den Fähigkeiten, selbstständig zu denken, Probleme verstehen und lösen zu wollen, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und Entscheidungen treffen und reflektieren zu können. Außerdem hätten sie die Fähigkeit vermeintliche Wahrheiten zu hinterfragen.

Von den 72 Entlassschülern haben sich über 80 Prozent entschieden, eine Ausbildung bei Firmen in der Region zu absolvieren. Eine chinesische Weisheit sagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“ Meier forderte die Schulabgänger auf, sich immer wieder neuen Anforderungen zu stellen. „Geht euren eigenen Weg, nutzt die Chancen, die euch das Leben hier in der Heimat bietet und habt Mut, die sich öffnende Türen zu durchschreiten.“

Landrat Andreas Meier, der mit Landtagsabgeordnetem Stephan Oetzinger zur Feierstunde gekommen war, signalisierte mit seiner Anwesenheit, wie wichtig ihm die Leistungen der Absolventen ist. "Man müsse sich heute ständig hinterfragen, ob man die Herausforderungen stemmen kann mit dem vorhandenen Repertoire und Werkzeugkasten in der Didaktik und Bildung, quer durch alle Schulformen", sagte er. "Sind wir noch zeitgemäß? Haben wir die richtigen Lösungen auf die Probleme, die wir vorfinden?" In Bezug auf die Digitalisierung sei der Realschulleiter absoluter Vorreiter. „Hier weht der Geist der Zukunft und hier sitzt unsere Zukunft“, versicherte der Landrat mit Blick auf die Absolventen.

Digitalisierung müsse aber gleichzeitig auch hinterfragt werden. „Zählt der Mensch noch etwas oder werden wir nur mehr von der künstlichen Intelligenz regiert?“ oder „Was ist mit unseren Werten?“ Deswegen müsse an den Schulen auch weiterhin Charakterbildung geleistet werden, appellierte Meier. „Lasst euch nicht gefangen nehmen von der virtuellen Welt des Internets, sondern seid draußen aktiv, engagiert euch, denn unsere Gesellschaft braucht das Ehrenamt.“

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer verglich den Abschluss mit der Bergetappe der Tour des France. Doch es werden weitere Etappen vor den jungen Menschen liegen. Die Gesellschaft verändere sich rasend schnell. Sie sollten unweigerlich aufbauen auf den Erkenntnissen, Erlebnissen und ihren erworbenen Fähigkeiten. Zudem sollten die Entlassschüler über die Bereitschaft verfügen, weiter neugierig zu sein. Schon der große Physiker und Wissenschaftler Albert Einstein versicherte: „Ich habe keine besondere Begabung, ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Neugierde sei eine wichtige Grundvoraussetzung höher gesteckte Ziele zu erreichen, so der Rathauschef.

Gratulation zum bestandenen Abschluss kam auch von Elternbeiratsvorsitzendem Otto Janner, der den Absolventen wünschte, sie sollten mit Hoffnung und Zuversicht den neuen Lebensweg beschreiten. “Das Trainingslager Schule ist heute vorbei.“ Eine leidenschaftliche Abschlussrede hielten die Schülersprecher Madleen Mitlmeier, Lisa Kreuzer und Julian Kleber. Nach der Zeugnisvergabe zeichnete der Schulleiter mit Konrektor Kilian Graber und Landrat Meier die Besten aus und überreichte Geldpreise des Landkreises.

Mit der schmissigen Fuchsgrabenpolka endete die mehrstündige Feierstunde.

Auszeichnungen der Besten und Ehrungen für außergewöhnliche Leistungen:

Alle 72 Schüler waren erfolgreich. Sehr bemerkenswert ist das Gesamtergebnis mit einem Notendurchschnitt von 2,21. 25 von 72 Abschlussschülern haben einen Notendurchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. Dies entspricht rund 35 Prozent.

Klassenbeste wurden in der Klasse 10 a Philipp Pausch (Leuchtenberg) mit 1,82; in der 10 b, Michael Greinert (Vohenstrauß) 1,25; in der 10 c, Christina Bartmann (Hagendorf) und Elisabeth Stangl (Eslarn) mit jeweils 1,0.

Als Schulbeste wurden ausgezeichnet: Christina Bartmann und Elisabeth Stangl mit dem Notendurschnitt von je 1,0; Lisa Kreuzer (1,09); Michael Greinert (1,25); Jessica Hinz, Vohenstrauß (1,27); Anna Ulschmid, Moosbach (1,33); Charles McGibbon, Julia Singer und Maresa Trinkl, alle Vohenstrauß (1,42); Lena Gebert, Pleystein (1,50).

Schulbeste in den Abschlussprüfungsfächern Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen ist Lena Gebert. Im Fach Deutsch Christina Bartmann; Englisch Tobias Schuch (Straßenhäuser); Mathematik Johannes Gollwitzer (Bibershof); Physik und Tschechisch Christina Bartmann und punktgleich in Tschechisch war ebenfalls Jessica Hinz.

Lisa Kreuzer erhielt zudem den von der Deutsch-französischen Gesellschaft Regensburg ausgelobten Saint-Exupéry-Preis für außerordentliche Leistungen in der 10. Klasse im Fach Französisch.

Außerdem wurden besonders engagierte Schüler der Realschule mit einem Geldpreis des Elternbeirats und Fördervereins beschenkt. Bei den Tutoren fielen Jessica Hinz und Marie Würschinger (Vohenstrauß) besonders auf. Für ihr Engagement für das Projekt Dialekteckerl wurden Lena Gebert, Lisa Kreuzer, Elisabeth Stangl und Marie Würschinger belobigt. Nachdem die musikalische Bildung ebenfalls ein zentraler Lehrinhalt an der Realschule ist, durften Barbara Neuber, Alina Schick, Elisabeth Stangl und Marie Würschinger ebenfalls Geldpreise entgegennehmen. Felix Sollfrank war während seiner Schulzeit mit großer Hingabe und Leidenschaft für den richtigen Soundcheck und die Technik bei allen Aufführungen verantwortlich und bei den vielen Theaterabenden von höchster Qualität war stets Vanessa Kühlein dabei. (dob)

In der Talentklasse müssen Schüler über das normale Maß im Schulalltag hinaus lernen, um die vom Bayerischen Staatsministerium ausgestellten Abschlusszertifikate zu erwerben. Folgende Schüler erwarben diese Zeugnisse: Christina Bartmann (Hagendorf); Marie Bäumler, Marie Grosser, Jessica Hinz, Julia Singer, Marie Würschinger und Madleen Mitlmeier (Vohenstrauß); Tobias Bierler (Rehlohe); Johannes Eger (Ragenwies); Johannes Gollwitzer (Bibershof); Sophia Koller (Waldau); Theresa Neuber (Riedlhof); Alina Schick (Pleystein); Nico Schwabl (Unternankau); Maresa Trinkl (Moosbach); Maria Wazl (Eslarn); Sarah Wittmann (Kaimling).
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