17.09.2019 - 10:32 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Abschied von Kaplan Ulrich Eigendorf

Als neugeweihter Priester kam Ulrich Eigendorf vor drei Jahren in die Pfarrei. Jetzt verließ ein äußerst beliebter Seelsorger Vohenstrauß in Richtung Nittenau. Dort trat der junge Mann seine zweite Kaplanstelle an.

Abschied nehmen fällt nicht immer ganz leicht. Zu spüren war das auf beiden Seiten, bei der Verabschiedung von Kaplan Ulrich Eigendorf. Er ist den Menschen hier mit seiner umgänglichen, freundlichen und humorvollen Art schnell ans Herz gewachsen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Am liebsten hat es Kaplan Ulrich Eigendorf wenn Alltag ist, wenn alles seinen Gang geht. Er findet es nämlich unheimlich anstrengend, sich an einem neuen Ort und an neue Menschen zu gewöhnen. Noch dazu mag er keine Verabschiedungen, große Reden, letzte Begegnungen feierlich zu gestalten im Wissen, das sich Vieles verändern wird. Trotzdem blieb ihm jetzt der Abschied von der Pfarrgemeinde nicht erspart. Noch dazu ist er seit geraumer Zeit an seinem neuen Einsatzort Nittenau, einen Katzensprung von seinem Heimatort Teublitz entfernt, im Einsatz. „So ist das Leben und Leben ist Veränderung, ein ewiges Nomadenleben“, meinte er. Mit einem feierlichen Gottesdienst und einem anschließenden Empfang im Pfarrheim St. Marien verabschiedete sich die Seelsorgeeinheit Vohenstrauß und Böhmischbruck von „ihrem Kaplan“ Ulrich Eigendorf, der in den vergangenen drei Jahren seiner Amtszeit vielen Pfarrangehörigen richtig ans Herz gewachsen war. Kein Wunder, dass sich der Abschied schmerzvoll anfühlte, wenn gleich sich Eigendorfs Nachfolger Alexander Ertl bereits unter den Gästen einreihte. Kommen und Gehen bestimme unser aller Leben, fasste es auch Dekan Alexander Hösl in seiner Rede zusammen, als er Eigendorf für sein segensreiches Wirken dankte. Von einem Priester werden heute ja eine Fülle von Fähigkeiten erwartet. Neben der Seelsorge sind Qualitäten als Manager, Kommunikator, seelsorgerlicher Beistand, theologisches Wissen, Begabungen und vieles andere mehr erwartet und an ihm geschätzt. Alles, was Menschen bewegt und bedrängt, komme in der Seelsorge zur Sprache. „Die Gemeindemitglieder suchen Rat und Trost bei ihrem Pfarrer, ihren Priestern, ihren Seelsorgern; sie wenden sich an sie in allen Lebenslagen. Dazu gehören die schönen Momente, wenn sich alles gut fügt; dazu gehören aber auch die schwierigen Situationen, wenn Sorgen und Nöte, wenn Trauer und Verzweiflung das Leben bestimmen. In den vergangenen drei Jahren hast Du unsere Gemeindemitglieder sozusagen durch das Leben begleitet. Du hast Feste mit uns gefeiert und unseren Pfarrangehörigen beigestanden auch in dunklen Stunden. Du hast Kinder getauft und Jugendliche zur Kommunion und Firmung begleitet; Du hast Ehen geschlossen und Verstorbene zur letzten Ruhestätte geleitet. Und Du warst für viele auch Ansprechpartner für Glaubens- und existenzielle Lebensfragen. Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach ethischen Normen, sie werden gerade heute ja wieder oft gestellt. Die Menschen fragen danach, was unsere Welt, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält, welchen Sinn unsere Existenz hat, wie sie ein sinnvolles, ein erfülltes Leben führen können.“ Eigendorf habe auch nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten und diese in den Predigten auch vertreten. „Mit Deinem Wirken hast Du Profil gezeigt, das in unserer Gemeinde Spuren hinterlässt und in Erinnerung bleiben wird“, führte Dekan Hösl aus. Er hoffte, dass sich beide nicht ganz aus den Augen verlieren und Eigendorf immer wieder gerne an seine Zeit in Vohenstrauß zurückdenken wird.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer kann sich noch genau an die erste Begegnung mit Eigendorf vor drei Jahren erinnern, als er mit gerade einmal 27 Jahren seine erste Kaplanstelle als Nachfolger von Sebastian Scherr antrat. Er lernte ihn als sehr aufgeschlossenen Mann kennen. Wutzlhofer erinnerte an die „Kreuzpredigt“ in Obernankau, als der junge Priester Ministerpräsident Markus Söder und Kardinal Reinhard Marx kritisierte. Dazu viel Beifall erhielt und in „Der neue Tag“ getitelt wurde: „Das Kreuz mit dem Kreuz“. Das Stadtoberhaupt gestand, damals keinen Beifall gespendet zu haben. Trotzdem würde er ihm ein Zeugnis mit sehr guter Beurteilung ausstellen.

„Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerungen in eine stille Freude“, mit diesem Bonhoeffer-Zitat übermittelte die Vertrauensfrau des Evangelischen Kirchenvorstands, Ulrike Kießling, Eigendorf im Namen aller Mitglieder aus der evangelischen Kirchengemeinde für sein seelsorgerisches Wirken in Nittenau die besten Wünsche. Er möge sich gerne an die gute ökumenischen Zusammenarbeit hier vor Ort erinnern und sagte ihm ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für die immer offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit bei den unterschiedlichsten gemeinsamen Gottesdiensten und Veranstaltungen. „Die Freude an Ihrer Arbeit mit den Menschen vor Ort war und ist immer spürbar und authentisch für jeden wahrnehmbar.“

Pfarrgemeinderatssprecher Manfred Bauer verriet, dass ihm der Kaplan vor drei Jahren richtig neugierig gemacht habe, da er damals äußerte, schon früh den Ruf Pfarrer zu werden gespürt habe. Heute könne er überzeugt sagen: „Diese Berufung war in den drei Jahren deutlich spürbar.“ Überall war Eigendorf präsent, von der Jugend bis zu den Senioren und auch in Bereichen, für die er nicht zuständig gewesen wäre. Dabei wurde immer spürbar: „Du willst wirklich Priester sein.“ Insbesondere seine Predigten mit vielen ausdrucksvollen Gesten, Arm- und Handbewegungen werden ihm in Erinnerung bleiben, die von Klarheit und Deutlichkeit bestimmt waren. „Da stand ein Seelsorger, der etwas zu sagen hatte und etwas transportieren wollte. Du scheutest Dich auch nicht davor, ‚heiße Themen‘ aufzugreifen.“ Bauer bat, genau da dran zu bleiben, so weiter zu machen und nicht zu verstummen. Vor allem in der Kirche, die schweren Zeiten entgegen geht, brauche es Hirten die mutig in Wort und Tat vorangehen und den anvertrauten Gläubigen Mut machen in dieser Gemeinschaft zu bleiben. „Unsere Kirche braucht echte Seelsorger die Orientierung geben und Du bist einer von diesen“, lobte Bauer. Eigendorf solle seiner Berufung in seinem priesterlichen Handeln treu bleiben. „Lass Dich nicht von Rückschlägen und Straftaten von Amtskollegen oder einem allgemeinen der Kirche gegenüber abwertenden und feindseligen Zeitgeist entmutigen.“

Mit einer Power-Point-Präsentation und in Reimform verabschiedeten sich die jungen Leute von „ihrem“ Kaplan. Die Oberministranten Lena Sollfrank und Markus Weig erinnerten an viele gemeinsame Fahrten, Zeltlager und Unternehmungen, wobei die Ministrantenwallfahrt nach Rom der absolute Höhepunkt war. „Auch aus der Pfarrei folgte ein Bus diesem Strom. Als Accessoires gab es Armband, Tuch und Hut. Doch seien wir mal ehrlich, nur Dir steht der wirklich gut“, meinte Sollfrank und setzte dem Kaplan noch einmal diesen schwarzen Strohhut auf. Schließlich meinten die Oberministranten: „Wir bedanken uns für die wunderschöne Zeit.“ Sie hoffen natürlich alle, dass Ulrich Eigendorf gerne auf einen Eisdiele-Besuch wieder vorbeischaut, bevor sie ihm einige Geschenke überreichten. Maximilian Biehler brachte im Namen der Katholischen Jugend Vohenstrauß einen Gutschein für einen Brauereigasthof auf dem Jakobsberg bei Nittenau mit, der optimal für den Kaplan passen würde und bei dem er sich für die vergangene Zeit bedanken wollte.

Zuletzt ergriff noch einmal Eigendorf selbst das Wort, um sich bei vielen Wegbegleitern persönlich zu bedanken, obwohl er Abschiede lieber vermeiden würde. Vor allem bei Dekan Hösl, der ihm stets ein großes Vorbild als Seelsorger war und bei dem er viel lernen konnte, Einblicke in die Verwaltung und vieles andere mehr erhielt, fand er passenden Worte. Insbesondere dankte er auch den Gläubigen die zu den Gottesdiensten kamen und nicht zuletzt den Menschen, die auch für ihn zum Seelsorger wurden und ihm Rückhalt gaben. Die Gruppe „Fidelis“, unter Leitung von Lena Rötzer, gestaltete den Abend musikalisch mit und beschenkte Eigendorf mit mehreren persönlichen Liedern wie „Das wünsch ich Dir von Herzen“.

Unsere Kirche braucht echte Seelsorger die Orientierung geben und Du bist einer von diesen

Pfarrgemeinderatssprecher Manfred Bauer

Zwei die sich verstanden. Dekan Alexander Hösl (links) und Kaplan Ulrich Eigendorf haben sich geschätzt.
Zwei die sich verstanden. Dekan Alexander Hösl (links) und Kaplan Ulrich Eigendorf haben sich geschätzt.
Kaplan Ulrich Eigendorfs Vater (links) verfolgte die Verabschiedung bestimmt mit einem guten Gefühl, denn seinem Sohn wurde viel Wertschätzung entgegengebracht. Jetzt leistet er näher an seiner Heimat Dienst in Nittenau.
Vom Bürgermeister Andreas Wutzlhofer gab es neben den vielen guten Wünschen obendrein eine städtische Coffee-to-go-Tasse.
Die Pfarrgemeinde verabschiedete sich mit einem Geschenk von Kaplan Ulrich Eigendorf (links), das Kirchenpfleger Günter Hassmann, Pfarrgemeinderatssprecher Manfred Bauer, Dekan Alexander Hösl und Kirchenverwaltungsmitglied Helmut M. Stubenrauch überreichten. Der kleine Matthias (vorne) wich nicht von der Seite.
Abschied nehmen fällt nicht immer ganz leicht. Zu spüren war das auf beiden Seiten, bei der Verabschiedung von Kaplan Ulrich Eigendorf. Er ist den Menschen hier mit seiner umgänglichen, freundlichen und humorvollen Art schnell ans Herz gewachsen. Viele Kinder und Jugendliche versammelten sich noch einmal zum Abschied.
Abschied nehmen fällt nicht immer ganz leicht. Zu spüren war das auf beiden Seiten, bei der Verabschiedung von Kaplan Ulrich Eigendorf. Er ist den Menschen hier mit seiner umgänglichen, freundlichen und humorvollen Art schnell ans Herz gewachsen. Viele Kinder und Jugendliche versammelten sich noch einmal zum Abschied.
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