23.01.2020 - 11:02 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Angst vor Darmspiegelung unbegründet

Obwohl die Untersuchung als die wichtigste zur Früherkennung von Darmkrebs gilt, nehmen viele Patienten sie nicht wahr. Zu groß sind Angst oder Schamgefühl. Mit ein wenig Aufklärung lassen sich jedoch viele Sorgen minimieren.

Das Thema "Darmkrebs behandeln und verhindern" stieß auf großes Interesse bei den Zuhörern, die in die VHS-Geschäftsstelle zum kostenlosen Vortrag kamen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Darmkrebsvorsorge wird noch immer stiefmütterlich behandelt und das obwohl pro Jahr rund 35 000 Menschen an Darmkrebs sterben. Lediglich 40 Prozent der Menschen gehen zur Darmspiegelungsvorsorge. Der Tumor ist heimtückisch, da er im Frühstadium kaum Beschwerden verursacht. Von 100 Personen im Alter von 50 Jahren haben 26 Prozent Polypen. Bei den 70-Jährigen sind es schon 33 Prozent. Diese Zahlen legte Dr. Christian Glöckner, Chefarzt der Inneren Medizin von der Asklepios Klinik Oberviechtach den Zuhörern vor, die sich am Mittwochabend zum Thema „Darmkrebs behandeln und verhindern“ bei der VHS-Geschäftsstelle einfanden.

Mit dem Chefarzt der Allgemeinchirurgie der Kliniken, Marc Philippbaar, ging Dr. Glöckner detailliert auf dieses Thema der Darmgesundheit, der Vorsorge und Behandlung ein und stieß damit auf reges Interesse. „Es könnte viel Krebs verhindert werden, wenn jeder die Vorsorge in Anspruch nehmen würde.“ Wie entsteht Darmkrebs? Dr. Glöckner stellte die verschiedenen Stadien von der gesunden Darmschleimhaut über die Wucherung, die Polypen bis hin zum Krebs vor. „Wird der Krebs im ersten Stadium erkannt, besteht eine Heilungschance von über 90 Prozent.“ Der Referent nannte als Prävention nicht zu rauchen, auf Alkohol zu verzichten, kein Übergewicht zu haben und Bewegungsmangel zu vermeiden. Ballaststoffreiche, Vitamin- und faserreiche Ernährung können die Gesundheit zudem fördern. Zwar sei der neue immunologische Stuhltest genauer als der vorhergehende, aber deutlich weniger zuverlässig als die Darmspiegelung.

Dr. Glöckner stellte die Koloskopie zur Darmkrebsvorsorge und die Vorgehensweise genau vor, um den Zuhörern die Angst vor dieser Untersuchung zu nehmen. Bei jeder 130. Vorsorge-Koloskopie werde ein Karzinom entdeckt und bei jeder vierten Behandlung ein Polyp entfernt. Die Vorsorgedarmspiegelung koste zugegeben schon Überwindung, doch sie sei kostenfrei und man brauche dafür höchstens mit der Vorbereitung eineinhalb Tage einplanen.

Wenn der Krebs allerdings schon entstanden ist? Dazu nahm Philippbaar Stellung. Bei der Vorgehensweise entscheide die Größe des Befunds. Der Dickdarmkrebs komme am häufigsten im unteren Teil des Darms vor. Die Therapie sei heute im Gegensatz zu früher ein Gemeinschaftsprojekt aus mehreren Ärzten wie Chirurgen, Internisten, Onkologen und Radiologen, die in enger Absprache handeln. Bei der operativen Entfernung des Tumors werden auch die lokalen Lymphknoten mit entfernt. In 85 bis über 90 Prozent der Fälle sei eine Darmnaht möglich. Doch der Chirurg klammerte auch den künstlichen Darmausgang nicht aus, über den viele Patienten erst einmal geschockt reagierten. Fazit des Abends: „Heilung ist nur in frühen Tumorstadien möglich.“ Deshalb seien Früherkennung und Krebsvorsorge so enorm wichtig.

Es könnte viel Krebs verhindert werden, wenn jeder die Vorsorge in Anspruch nehmen würde.

Dr. Christian Glöckner, Chefarzt der Inneren Medizin der Asklepios Klinik Oberviechtach

Die beiden Chefärzte der Asklepios Klinik Oberviechtach Dr. Christian Glöckner (rechts) und Marc Philippbaar (links) appellierten die Darmvorsorgeuntersuchung ernst zu nehmen.
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