05.06.2020 - 10:07 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Badesaison in Vohenstrauß unwahrscheinlich

Die Anfrage von Stadtrat Josef Maier (CSU) löst eine unerwartete Debatte im Stadtrat aus. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Nicht nur an der Wassermenge fehlt es im Becken des städtischen Freibads. Eine Öffnung würde die Stadt vor kaum lösbare Probleme und Haftungssorgen stellen.
von Josef ForsterProfil

Die grundsätzliche Erlaubnis zur Öffnung von Freibädern ab 8. Juli führte Maier als Grundlage für seine Wortmeldung an. Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier, der in Vertretung von Andreas Wutzlhofer die Sitzung leitete, nahm zunächst Stellung. Demnach sei eine Öffnung möglich, nachdem es sich um ein Naturfreibad handle. Die Beschäftigung mit der Thematik hätte jedoch zu einem eindeutigen Ergebnis geführt: „Eine Öffnung macht derzeit wenig Sinn.“ Zur Begründung verwies der zweite Bürgermeister auf die Erfordernis strikter Einlasskontrollen, was durch den Bademeister nicht leistbar wäre. Zudem müsse die Anzahl der Badegäste laufend im Auge behalten werden und es sei auf die strikte Einordnung der Vorgaben zu achten. Ein- und Ausgang wären zu trennen, ebenso die Schwimmrichtungen im Wasser. Dazu geselle sich das Überwachen von Duschen und Toiletten mitsamt laufender Desinfektion.

Markierungen auf den Liegeflächen seien zu schaffen, wobei die Größen bei Familien, Pärchen und Einzelpersonen unterschiedlich ausfallen würden. Zusätzlich warf Münchmeier die Gewichtung der Großbaustelle an der einzigen Zufahrtsstraße in die Waagschale.

Florian Meißner (CSU) bat als Mitglied des Jugend-, Tourismus- und Kulturausschusses trotzdem um die Prüfung einer Öffnung: „Das ist doch keine unverrückbare Hürde.“ Freilich werde eine Öffnung der Stadt „deutlich mehr kosten“. Eine Mehrung des jährlichen Defizits von bislang rund 40 000 Euro auf das Doppelte oder gar 90 000 Euro sollte „uns das wert sein für die Kinder, Jugendlichen und Familien“. Zudem ließe sich durch eine Erhöhung der Eintrittspreise das Defizit um 10 000 Euro auch wieder verringern. Im Gegenzug könne Vohenstrauß mit seinem Freibad in der ganzen Region punkten, wenn umliegende Gemeinden ihre Einrichtungen nicht öffneten. Das brächte sogar positive Effekte für die Folgejahre mit sich.

Keinerlei Akzeptanz fand diese Aussage bei Martin Gleixner (FW), für den eine Öffnung unter den gegebenen Umständen "keinen Sinn" mache. Vielmehr verwies er auf Berichte von Bäderöffnungen in Berlin und kommentierte: „Die Vernunft bei den Menschen funktioniert nicht.“ Für Vohenstrauß bedeute dies jedoch ein Haftungsproblem. Darüber hinaus rechne er mit täglich zehn bis 15 Anrufen bei der Stadtverwaltung, die sich über fehlende Parkmöglichkeiten beschwerten. „Wie soll der Eingang funktionieren“, stellte Gleixner weiter zur Debatte und resümierte: „Eine Öffnung ist weder logistisch, noch von den Kosten her nicht zu stemmen“. Münchmeier bekräftigte: „Das ist nur durch externe Kräfte zu lösen.“ Bauamtsleiter Johann Balk ergänzte mit einem Hinweis auf die Notwendigkeit einer neuen Badeordnung, eines Hygienekonzepts, und, und, und.

Mit Michael Karl (CSU) plädierte noch ein weiterer Stadtrat für eine Öffnung. Sein Vorschlag lautete auf Onlinetickets, mit welchem sich das Problem von Menschenmassen vor dem Eingangsbereich abwenden ließe. Kämmerer Rainer Dötsch führte hierzu die Widerrede: Allein die Anfangskosten lägen bei 3000 für 5000 Euro. Freilich gingen derzeit fast täglich entsprechende Angebote von Softwarefirmen im Rathaus ein.

Die laufende Baumaßnahme in der Pleysteiner Straße stellte für Michael Gösl (FDP/UW) den Haupthinderungsgrund dar: „Das lässt sich nicht erzwingen. Das bringt nichts.“ Unterstützung erhielt er von Heinrich Rewitzer (SPD): „Wo sollen all die Autos der Badegäste parken?“ Beides zugleich funktioniere nicht; Baustelle und Bad. Münchmeier brachte den ergänzend notwendigen Ausgang erneut ins Spiel und Gleixner bat unbedingt zu bedenken: „In der Verantwortung stehen wir.“ Nachdem Balk nochmals verdeutlichte: „Ein Restrisiko können wir nicht vermeiden.“ Auch sah er die Beiziehung eines Virologen und eines rechtlichen Beraters geboten, um ein „rechtssicheres Konzept“ auszuarbeiten. Dorit Schmid (FW) sah darin eine „nicht lösbare“ Problematik, auch wenn sie diesen Schritt bedauere. Hierzu bekräftigte Anna Wutzlhofer (CSU): „Die Kinder halten sich nicht an die Regeln.“

Einen weiteren Vorstoß startete Bernd Koller (SPD), der keinen Vergleich mit Berliner Verhältnissen wollte. Anstatt eines Sicherheitsunternehmens sprach Koller sich für die Beschäftigung von Rentnern für die Einlass- und Ausgangskontrollen aus. Zumal das Vohenstraußer Freibad „nicht so überlaufen“ wäre, forderte er „zumindest einen Probelauf von einer Woche“. Der zweite Bürgermeister konterte sofort: Kein Rentner wolle sich vor allen Leuten mit Jugendlichen abstreiten, welche sich nicht an die Regeln hielten. Dazu betonte Münchmeier: „Mir tut es auch leid für die Kinder und Jugendlichen.“ Doch unter diesen Voraussetzungen „macht es keinen Sinn“. Da sich weitere Wortmeldungen ergaben, stellte Gleixner den Antrag auf Abbruch der Diskussion. Es handle sich lediglich um den Tagesordnungspunkt „Anfragen“. Münchmeier reagierte darauf und sicherte abschließend zu, die Thematik nochmals in der Sitzung am Donnerstag, 2. Juli, anzusetzen. Im Vorfeld würden alle Stadträte mit grundlegenden Materialien versorgt.

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