07.02.2019 - 11:46 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bahn frei für Schwab-Bau

Was in Pirk nicht geht, macht Vohenstrauß möglich: Der Bauausschuss erteilt die Genehmigung für den Bau einer Produktions- und Lagerhalle sowie Büros der Firma Schwab.

Auf dem nördlichsten Grundstück, an der Straße "Am Hütbrunnenweg", entsteht die Produktionshalle nebst Bürobereich.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Es war dringend. Deshalb beschäftigten sich die Stadträte innerhalb kurzer Zeit im neuen Jahr erneut mit Bauanträgen. Doch zu Beginn der Sitzung bekam Josef Haberkorn erst einmal eine Flasche Sekt, weil er trotz seines 71. Geburtstags in die Sitzung gekommen ist, wie Bürgermeister Andreas Wutzlhofer betonte.

Dann ging es um die Anträge: "Man sieht schon, dass da etwas Großes entsteht", sagte der Bürgermeister, als Stadtbediensteter Markus Wildenauer den Plan der neuen Halle im Gewerbegebiet "Am Forst" auf dem großen Bildschirm präsentierte. An der Straße Am Hütbrunnenweg soll eine Halle von rund 46 Metern Breite und 70 Metern Länge entstehen. Hinzu kommt ein Bürogebäude. Der Antrag stammt vom Pirker Unternehmer Michael Schwab. Er wollte laut eigener Aussage seine Firma "h+s Präzisionsfolien GmbH" eigentlich in seiner Heimat um eine Produktionshalle erweitern. Doch Schwab hatte bereits vergangenes Jahr befürchtet, Nachbarn wollten das Zwei-Millionen-Euro-Projekt zusammen mit Verwandten oder Mitarbeitern, die im Gemeinderat sitzen, immer wieder verzögern. Als das Pirker Gremium den Bauantrag am 16. Oktober vergangenen Jahres von der Tagesordnung nahm, reichte es dem Unternehmer.

Offener Brief sorgt für Eklat im Pirker Gemeinderat

Pirk

"Am 18. Oktober hatte ich einen Termin bei Bürgermeister Andreas Wutzlhofer. Der Bürgermeister hat sich angehört, was ich brauche. Am 23. Oktober hat er mir mündlich das Grundstück reserviert, vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats. Ich habe auch die Erlaubnis bekommen, Bodenuntersuchungen vorzunehmen. Das kostet mehrere Tausend Euro. Das erlaubt man nur, wenn auch Interesse besteht." Die Vohenstraußer Räte gaben kurz darauf grünes Licht. Anfang Dezember kaufte der Pirker das Grundstück am Hütbrunnenweg in unmittelbarer Nähe zur A 6. Als letzten Akt in Pirk verfasste Schwab einen sechsseitigen Brief an die Gemeinderäte. Es ist eine Abrechnung. Der Pirker Bürgermeister Michael Bauer (Freie Wähler) verlas das Schriftstück in der vergangenen Gemeinderatssitzung und stimmte dem Inhalt voll zu.

Schwab will nun in die Zukunft blicken: "Wir haben die Pläne umgearbeitet, um sie an das neue Grundstück anzupassen. Das hat ein wenig gedauert." Der Spatenstich soll im Mai oder Juni erfolgen. "Alles, was in Pirk ein Problem war, ist in Vohenstrauß nicht existent", meint er und nennt als Beispiele Auflagen für Lärmschutzwände oder für Betriebsleiterwohnungen sowie Probleme mit Anwohnern. Schwab muss allerdings Bäume und Büsche pflanzen und darauf achten, dass sich die Gebäude harmonisch ins Landschaftsbild einpassen. "Aber das ist für mich keine Auflage."

Diese Aussage bestätigte auch Bürgermeister Wutzlhofer bei der Vorstellung der Pläne im Bauausschuss: "Da hat er im Plan den Architekten schon die Bäume einzeichnen lassen, die ja in der Festsetzung des Bebauungsplans vorgeschrieben sind, auf eigenen Wunsch." Das erlebe man nicht immer, dass ein Bauherr so offen gegenüber den Eingrünungserfordernissen sei. Die Räte gaben dem Bauvorhaben einstimmig ihren Segen.

Noch dringender wurde es für das geplante Inklusionscafé in der Stadtmitte: Hier musste kurz vor der Eröffnung noch die Nutzungsänderung des Erdgeschosses von Einzelhandel zu Gastronomie durch den Ausschuss beschlossen werden. Außerdem planen die Betreiber einen barrierefreien Zugang über den Kirchplatz. Dort soll nach einem Podest eine Treppe auf den Platz führen, und an das Podest soll sich seitlich ein Aufzug für Rollstuhlfahrer anschließen. Der Rathauschef erläuterte, die geplanten Tische im Außenbereich würden zum Teil auf Kirchen- und Stadtgrund stehen. Die Kirchenverwaltung sei bereits einverstanden. Die Bebauung des Grundstücks durch die Treppe sei noch zu regeln. Wutzlhofer erinnerte im Ausschuss daran, dass eine Reihe Umfragen stets den Wunsch der Vohenstraußer nach einem solchen Café gezeigt hätten. "Ich finde, es ist eine tolle Aufwertung."

Die verstopfte Sophienstraße neben dem Café werde allerdings zunehmend zum Problem für die Anwohner. Baufahrzeuge halten dort, und die Straße werde zum Parken genutzt, was eigentlich wegen der geringen Breite verboten sei. Es gebe Beschwerden. Heinrich Rewitzer fragte nach der Freihaltung der Feuerwehranfahrtszone beziehungsweise der Rettungswege. "Wir werden uns damit im Verkehrsausschuss beschäftigen müssen", antwortete der Bürgermeister.

Der dritte Tagesordnungspunkt hat laut Bürgermeister Wutzlhofer auch schon eine längere Vorgeschichte. Antragssteller war ein bislang nicht bekannter Arzt aus der Umgebung, der eine Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin und Innere Medizin in Vohenstrauß neu bauen möchte. Laut Wutzlhofer habe es bereits verschiedene Versuche gegeben, das im Ortskern umzusetzen. Nun möchte der Bauherr an die Stadtgrenze, neben den Aldi-Markt und in den Rücken der Stadthalle. Für Irritationen im Gremium sorgte eine schmale Verlängerung auf der Westseite des Gebäudes auf dem Plan. In der Seitenansicht wurde deutlich: Hier soll das Dach der Praxis in einer Welle abflachen und begrünt werden. Das Stadtoberhaupt äußerte sich positiv zu dem geplanten Vorhaben: "Eine Gemeinschaftspraxis hat Zukunft." Das Grundstück biete darüber hinaus auch noch Möglichkeiten zur Erweiterung. Von den Räten hieß es für den Vorbescheid einstimmig: Daumen hoch.

Der Vohenstraußer Bauausschuss sollte entscheiden, ob an der markanten Stelle an der Stadteinfahrt im Rücken der Stadthalle grundsätzlich eine Gemeinschaftspraxis entstehen könnte.
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