03.09.2021 - 11:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bayernprofi stärkt Stefan Reil für seinen Kampf gegen Leukämie

Der 10-jährige Stefan Reil aus Untertresenfeld bei Vohenstrauß braucht dringend einen Stammzellenspender. Seine Familie findet großen Rückhalt bei Freunden und Vereinen. Eine Typisierungsaktion läuft an.

Stefan Reil aus Untertresenfeld bleibt optimistisch. Der 10-Jährige hat Leukämie und braucht einen Stammzellenspender. Am Sonntag, 19. September, wird in der Stadthalle Vohenstrauß eine Typisierungsaktion stattfinden.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Stefan Reil aus Untertresenfeld bei Vohenstrauß ist ein aufgeweckter, sportlicher Bub. Der 10-Jährige liebt den FC Bayern, spielt bei der Spielgemeinschaft Vohenstrauß/Altenstadt in der E-Jugend im offensiven Mittelfeld und freut sich auf den ersten Ausflug "mal endlich ohne Mama" mit den Ministranten, bevor er im Herbst in die Realschule kommt. Aber all das muss jetzt erst einmal warten. Stefan hat eine schlimme Diagnose erhalten: Er hat Leukämie und braucht dringend einen Stammzellenspender.

Informationen zur Typisierungsaktion

Stefans Familie mit Mama Petra (36), Papa Wolfgang (39) und Schwester Anna (12) ist seit der Diagnose am 19. Juli wie aus der Bahn geworfen. Bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählen die Eltern, wie tapfer ihr Sohn in den vergangenen Wochen sein Schicksal an- und in die Hand genommen hat. Stefan ist bei dem Gespräch nicht dabei, weil schon ein kleiner Infekt sein Immunsystem schwer belasten würde. Die Mutter, von Beruf Krankenschwester, wird die Anfänge der Krankheit nie vergessen: "Stefan war immer wieder mal matt." Stutzig wurden die Eltern erst, als der sportliche Junge bei einem Fußballtraining noch während des Aufwärmens zu seinem Vater, der die Mannschaft mit betreut, sagte: "Papa, ich kann nicht mehr." Beim Trainingsspiel stellte er sich ins Tor. Danach ging es noch in die Thermenwelt nach Weiden. "Stefan konnte da die Treppen nicht mehr steigen und musste immer wieder Pausen machen", erinnert sich die Mutter. Das Kind musste zum Arzt.

Sofort auf die Intensivstation

Das Blutbild lieferte ein dramatisches Ergebnis: "Seine Werte waren sehr schlecht. Die Leukozyten viel zu hoch, das Hämoglobin zu niedrig. Ich wusste gleich, was los ist. Wir mussten sofort in die Kinderklinik nach Regensburg." Der Hausarzt machte den Eltern klar, dass die Werte nur einen Schluss zuließen: Leukämie. "Ich habe es Stefan schon während der Fahrt nach Regensburg gesagt, wie es um ihn steht", erzählt die Mutter. Sie bereitete ihn auf die nächsten Wochen und Monate vor: "Es wird eine echt beschissene Zeit, aber wir packen das." In Regensburg verzichteten die Ärzte angesichts der schlechten Blutwerte auf eine Knochenmarkpunktion und nahmen ihn sofort auf der Intensivstation auf. Noch am selben Tag startete die Chemotherapie.

"Er ist sehr, sehr tapfer. Das sagen auch die Ärzte",erzählt die Mutter, die in der ersten Woche zusammen mit dem Vater Tag und Nacht auf einem Stuhl an Stefans Bett gewacht hat. Seiner guten Konstitution habe er es zu verdanken, dass er die Krankheit - es handelt sich um eine akute myeloische Leukämie (AML) - sehr lange gut kompensieren konnte. Der 10-Jährige blieb eine Woche auf der Intensivstation, danach drei Wochen in der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation.

Freunde bieten Ablenkung

Die Chemotherapie macht sich bei dem Buben mit grässlichen Nebenwirkungen wie Erbrechen, Übelkeit und Knochenschmerzen bemerkbar. Auch die Psyche des Kindes leidet unter der Extremsituation: "Er wollte in der ersten Zeit mit niemanden reden. Er hat sich so auf den Sommer gefreut. Wegen Corona hatte er keinen Kommunionausflug. Die Fußballsaison geht los. Viele seiner Freunde feiern gerade ihre Geburtstage nach und gehen in die Thermenwelt. Der Ausflug mit den Ministranten. Im August wollten wir eigentlich nach Kroatien. Und er muss im Krankenhaus liegen." Mittlerweile skypt er mit seinen Kumpels und spielt mit ihnen online "Nintendo Switch", um sich abzulenken.

Nach dem ersten Therapie-Block durfte Stefan nach Hause. Unter strengen Auflagen. Viren und Bakterien sind für ihn äußerst gefährlich. Die Mutter putzt das Haus täglich sehr gründlich. Um den Buben auf andere Gedanken zu bringen, fahren sie mit ihm oft mit dem Auto in der Gegend herum. "Er will einfach ein ganz normales Leben", versucht Petra zu erklären. Sie ist rund um die Uhr auf der Hut und hat vor allem Stefans Temperatur im Blick: "Wenn er über 38 Grad hat, muss er mit dem Sanka sofort ins Krankenhaus." In diesen Tagen soll nun der zweite von insgesamt vier Chemo-Blocks starten. Allerdings nur, wenn Stefans Blutwerte im grünen Bereich liegen. Das war vor einigen Tagen noch nicht der Fall. Jeden zweiten Tag muss er in der Regensburger Klinik zur Kontrolle antreten.

Thomas Müller drückt die Daumen

Ein Freund hat sich für Stefan etwas Besonderes einfallen lassen: Er besorgte für den leidenschaftlichen Bayern-Fan ein Trikot mit der Original-Unterschrift von Thomas Müller. "Die besten Wünsche für Stefan" schrieb der Fußballprofi. Müller wollte ein Foto von der Übergabe und über die weitere gesundheitliche Entwicklung Stefans unterrichtet werden. Außerdem versprach ihm Hansi Dorfner bei einem zufälligen Zusammentreffen in der Kinderklinik die komplette Ausrüstung der Fußballschule Dorfner.

Der Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation der KUNO-Kliniken Regensburg hat einen besonderen Bezug zu dem kleinen Patienten aus Untertresenfeld. Professor Dr. Selim Corbacioglu ist in Vohenstrauß aufgewachsen. Er hat mit der Familie gesprochen und ist über Stefans Fall informiert.

Unterstützung ist sehr groß

Die große Hoffnung der Familie, es könnte sich unter ihnen ein passender Stammzellenspender befinden, erfüllte sich leider nicht. "Wir haben sofort an eine Typisierungsaktion gedacht", erzählt Wolfgang Reil. Bei der Spielvereinigung Vohenstrauß, dem SV Altenstadt, dem Faschingsverein und vielen Freunden und Verwandten stießen sie sofort auf Gehör und Unterstützung. "Das waren nur ein paar Anrufe für mich, und die Sache ging los." Innerhalb weniger Tage haben vor allem Uli Münchmeier und Michael Gösl die Vorbereitungen in die Hand genommen, bei den Behörden ein Hygienekonzept vorgelegt und grünes Licht erhalten. Es gibt viel zu organisieren, aber: "Der der Rückhalt von Vereinen, Freunden und Verwandten ist sehr groß", ist Wolfgang Reil dankbar.

Die Aktion läuft nicht über die DKMS, sondern über den Verein "Hilfe für Anja" e.V. "Wichtig ist, dass Leute, die bereits in einer Stammzellenspender-Datenbank erfasst sind, sich nicht mehr typisieren lassen. Wir brauchen neue Leute zwischen 17 und 55 Jahre", betont der Vater. Die Familie ist sich bewusst, dass sie durch die Aktion in den nächsten Wochen und Monaten im Fokus stehen werden. "Damit kommen wir zurecht", meint der Vater. Die Mutter hat nur eines im Blick: "Die Heilungschancen stehen nach einer Stammzellenspende bei 80 Prozent." Stefan ist im Kampf gegen die Leukämie nicht allein - neben seiner Familie werden sich hoffentlich sehr viele Menschen durch die Teilnahme an der Typisierungsaktion an seine Seite stellen.

Typisierungsaktion in Eschenbach

Eschenbach
Familie Reil mit Mutter Petra, Vater Wolfgang und den Kindern Anna und Stefan. Der 10-Jährige ist seit seiner Kommunion auch Ministrant.
Stefan ist absoluter Bayernfan und gern unterwegs.
Hintergrund:

Typisierungsaktion für Stefan Reil in Vohenstrauß

  • Termin: Sonntag, 19. September, in der Stadthalle Vohenstrauß von 10 bis 18 Uhr.
  • Teilnehmen dürfen alle Personen zwischen 17 und 55 Jahre, die noch in keiner anderen Datenbank registriert sind.
  • Ablauf mit genehmigten Hygienekonzept: Begrüßung, Formular ausfüllen,
    Wangenabstrich (keine Blutentnahme).
  • Danach gibt es Bratwürste und Kuchenpakete zum Mitnehmen.
  • Spenden, um die Typisierungsaktion zu finanzieren, sind erwünscht.
  • Vor der Stadthalle: Corona-Impfaktion mit dem Impfmobil des BRK.
  • Weitere Informationen unter: https://www.lass-dich-typisieren.de
  • Interessengemeinschaft: Stadthalle Vohenstrauß, SpVgg Vohenstrauß, SV Altenstadt bei Vohenstrauß, Vohenstraußer Faschingsverein, Hilfe für Anja e. V. und viele Privatpersonen. Ansprechpartner: Uli Münchmeier und Michael Gösl.
  • Schirmherren: Landrat Andreas Meier und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer

 

 

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