17.10.2018 - 10:44 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Zum "Bruch" durch halb Europa

Der Auslöser für Einbruchspläne in Deutschland? Wirtschaftliche Not. Drei Ungarn reisen hunderte Kilometer an, um in Vohenstrauß einzubrechen. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Vor dem Schöffengericht müssen sich drei Ungarn wegen eines Einbruchs in Vohenstrauß im Frühjahr verantworten.
von Autor hczProfil

(rns) Alle Beteiligten sahen ein, dass die drei angeklagten Einbrecher aus Ungarn aus wirtschaftlicher Not gehandelt haben. Und: Professionell geht sicher anders! Dennoch verurteilt das Schöffengericht am Dienstag die drei Männer zu Haftstrafen ohne Bewährung: Es geht nicht an, dass man nach Deutschland einreist und dort auf Einbruchstour geht.

So geschehen durch zwei 26-jährige und einen 29-jährigen Ungarn in den Morgenstunden des 30. März. Mit einem Peugeot-Kleinbus des Onkels eines der Angeklagten waren die drei Gelegenheitsarbeiter über die Slowakei und Tschechien nach Vohenstrauß gefahren. Dort spähten sie mehrere Stunden lang ein Fachgeschäft für Motorgeräte aus und hebelten gegen 1.30 Uhr die Türe mit einem Brecheisen auf. Zwei brachten Rasenmäher, Kettensägen und Freischneider der Marken Stihl und Husqvarna nach draußen. Der Dritte verstaute die Geräte im Wagen. Als Licht in der Wohnung des Inhabers über dem Geschäft anging, flüchteten sie und versteckten sich in der nahen Innenstadt.

Nachdem der Betreiber des Geschäfts, ein Kfz-Mechaniker, entdeckt hatte, dass bereits im Eingangsbereich Maschinen fehlten, meldete er sofort den Einbruch der Polizeiinspektion. Die Beamten trafen innerhalb einer Minute ein, berichtete er als Zeuge vor Gericht. Sie nahmen die Tat auf und wurden in den Morgenstunden abermals alarmiert. Der Geschäftsinhaber hatte den weißen Peugeot in der Nähe seines Hauses entdeckt und einen Zusammenhang mit dem Einbruch vermutet. "Eine Lieferung hätte es ja nicht sein können. Es war ja schließlich Karfreitag", so der 54-Jährige. Die Polizisten legten sich auf die Lauer und konnten die in den Morgenstunden zurückkehrenden Ungarn festnehmen.

Staatsanwältin Natalie Wolf hielt den Angeklagten zugute, dass sie aufgrund ihrer schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in Ungarn aus Not gehandelt hatten. Alle drei waren in Deutschland bisher nicht vorbestraft. Wolf kreidete den beiden Ledigen und dem älteren Verheirateten jedoch ihr "planvolles Vorgehen" an und plädierte auf jeweils zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Die Verteidiger Rouven Colbatz, Marc Steinsdörfer und Bernhard Piehler wiesen auf die Geständnisse ihrer Mandanten hin. Der Einbruchsplan sei eher dilettantisch als planvoll gewesen, stellte Steinsdörfer fest. Außerdem sei kein nennenswerter Schaden entstanden. Die gestohlenen Geräte im Gesamtwert von 38 500 Euro seien alle zurückgegeben worden.

Colbatz' Mandanten habe die siebenmonatige U-Haft besonders getroffen: Er habe bei der Geburt seines Kindes nicht dabei sein können. Die Rechtsanwälte hielten jeweils eineinhalb Jahre, ausgesetzt zur Bewährung, für ausreichend. Richter Hubert Windisch und die beiden Schöffen verurteilten die Dreier-Bande wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu zweieinviertel Jahren "ohne".

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