Vohenstrauß
23.10.2018 - 11:48 Uhr

Bürger wettert volles Rohr gegen die Stadt

Anton Wurzer liefert sich in der Bürgerversammlung in Vohenstrauß ein Wortgefecht mit Bürgermeister Andreas Wutzlhofer. Er kritisiert die Trinkwasserrohre, die bei den Straßensanierungen im östlichen Stadtgebiet eingebaut worden sind.

Derartige Trinkwasserrohre sorgen für gehörige Aufregung bei der Bürgerversammlung in Vohenstrauß. Bild: dob
Derartige Trinkwasserrohre sorgen für gehörige Aufregung bei der Bürgerversammlung in Vohenstrauß.

Anton Wurzer nutzt die Plattform der Bürgerversammlung, „um die Bürger auf die Gefährlichkeit der verlegten Abwasser- und Trinkwasserrohre bei den Straßensanierungen im Ost- und Lerchenweg sowie in der Gartenstraße aufmerksam zu machen.“ Dazu bringt er auch ein Tütchen mit Anschauungsmaterial mit, das er während der Bauzeit in diesem Bereich aufsammelte, „denn das Zeug flog überall herum.“ Bereits während des Baus habe er die Verwendung dieser Materialien bei Außendienstleiter Karl Frey moniert. „Das Material ist eine ganz ungesunde Sache, weil es sich zersetzt. Es wird darüber gefahren, darüber gelaufen und Viecher nutzen das Material zum Nestbau.“ Das Gefährliche daran sei das Mikroplastik.

„Über unsere Bäche und Kläranlagen gelangt später alles ins Meer. Heute haben wir sechs Mal so viel Mikroplastik im Meer wie Plankton“, wusste der Vohenstraußer. „Planktonfresser sind ausgerechnet die größten Säuger wie Blauwal, Buckelwal und Wanderrobben, die ihre Bäuche voll mit Mikroplastik haben und qualvoll verenden.“ Außerdem habe er sich mit dem Marktführer von Kunststoffrohren Wavin in Verbindung gesetzt, die diese Rohre herstellen. In einer Mail sei ihm mitgeteilt worden: „Anforderungen hinsichtlich Abriebverhalten von Rohrleitungen bei Transport von Flüssigkeiten wie zum Beispiel Trinkwasser sind nicht Gegenstand von Zulassungen. Allein die Abriebverhalten von unterschiedlichen Rohrwerkstoffen bei Feststoffgemischen bestätigen die niedrigen Abriebwerte von PE-Rohrleitungen.“

Wurzer weiter: "Polyethylen mit dem Bestandteil Ethen wirkt in hoher Konzentration als Betäubungsmittel. Wenn wir Wasser aus diesen Wasserleitungen entnehmen, trinken wir Ölwasser, was ich nicht unbedingt für gesund halte.“ In seinen Augen sei das vollkommen verantwortungslos und erfülle den Tatbestand der Körperverletzung beziehungsweise der gefährlichen Körperverletzung. „Diesbezüglich eine Strafanzeige zu stellen, behalte ich mir vor.“

An dieser Stelle unterbrach Wutzlhofer den Redner und bat ihn ausdrücklich darum, Strafanzeige zu stellen. „Wenn solche Anschuldigungen an uns gestellt werden, dann sollten wir das klären lassen. Da habe ich keine Bedenken, denn das ist ein gängiges und zugelassenes Material.“ Ob das zugelassen sei oder nicht, es sei Plastik und Gift ist Gift, so Wurzer. „Ich halte das für verantwortungslos gegenüber allen Bürgern, dass man Rohre als Trinkwasserleitungen verlegt, die nicht für den Durchfluss von Trinkwasser zugelassen sind. Ich finde das eine bodenlose Frechheit.“ Die Anzeigenerstattung behalte er sich auf jeden Fall vor. „Das Beweismaterial flog auf der Baustelle überall herum. Dieser unsachgemäße Umgang ist unverständlich“, wetterte Wurzer weiter.

In Richtung Stadtoberhaupt schimpfte der Vohenstraußer: „Und dann brüsten sie sich noch und verkünden, dass sie in Vohenstrauß etwas für die Insekten tun. Vor fünf Jahren habe ich Sie schon um Blühflächen gebeten und was war ihre Antwort? Das geht überhaupt auf gar keinen Fall.“ Wurzer tadelte in Richtung Bürgermeister weiter: „Jetzt auf einmal kommen sie daher, sind sie aufgewacht? Vielleicht hatten sie auch einmal einen geistigen Höhenflug!“

Wutzlhofer erinnerte an den mit Wurzer vor zwei Jahren abgeschlossenen Pachtvertrag für ein Grundstück, auf dem Wurzer seine Bienenstöcke aufstellen wollte. „Den habe ich gestern aufgekündigt, da zwei Jahre dort nichts passiert ist“, kam nun auch der Bürgermeister in Fahrt. Wurzer entgegnete, er habe Geschäftsleiter Alfons Sier nach der Anpachtung sofort informiert, dass diese Fläche für ihn nicht geeignet sei, da er nicht mit einer 30 Kilogramm schweren Bienenbox über einen dort querenden Bach hüpfen könne. Daraufhin brach der Bürgermeister die Diskussion ab. „Das Thema ist beendet, denn es wollen auch andere zu Wort kommen.“

Derartige Trinkwasserrohre, die es auch in Schlauchform gibt, sorgen für gehörige Aufregung bei der Bürgerversammlung in Vohenstrauß. Bild: dob
Derartige Trinkwasserrohre, die es auch in Schlauchform gibt, sorgen für gehörige Aufregung bei der Bürgerversammlung in Vohenstrauß.
Zertifizierte Trinkwasserrohre:

Auf Nachfrage bei der Stadt Vohenstrauß erklärt Bauamtsleiter Hans Balk zu den verwendeten Wasserleitungen: „Die Stadt Vohenstrauß verwendet für die Trinkwasserversorgung PE-HD Mehrschichtrohre. Die Eignung dieser Rohre für die Wasserversorgung ist durch DVGW-Baumusterprüfzertifikat geprüft und bestätigt. Die Zertifizierungsstelle des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) ist von der deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (Nationale Akkreditierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Berlin) anerkannt. Der DVGW ist seit 150 Jahren anerkannter Regelsetzer für Technik, Sicherheit und Qualitätsstandards bei Gas und Wasser.“ An der Richtigkeit des vorliegenden und an Anton Wurzer im Jahr 2017 vorgelegten Baumusterprüfzertifikats der verwendeten Wasserleitungen haben die Verantwortlichen bei der Stadt Vohenstrauß keine Zweifel, hieß es.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Gerhard Stahl

Toni, was soll das? Diese Rohre werden in ganz Deutschland und sicher auch darüber hinaus seit vielen Jahren, vielleicht schon seit Jahrzehnten verlegt. Warum greifst Du deshalb jetzt die Stadt bzw. den Bürgermeister an? Die "Beweismittel" die Du vorgelegt hast, waren sicher nur die Plastikspäne, die bei jedem Sägen oder Zerteilen von irgendeinem Kunststoff entstehen. Zwar unangenehm, aber mit Mikroplastik hat das noch nichts zu tun. Die sind bei der Inbetriebnahme einer Wasserleitung längst ausgespült. Willst Du die alten Metallrohre mit ihrer Zink- oder gar Bleibelastung des Trinkwassers wieder haben? Sicherlich nicht. In irgendeiner Leitung muss das Wasser ja transportiert werden. Sonst musst Du Dein Wasser am Fahrenberg holen! Dann läuft es durch keine Leitung. Aber ich möchte nicht bei jedem Zähneputzen oder Kochen zum Fahrenberg laufen.

24.10.2018
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.