Die Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) feiert ihr 25-jähriges Jubiläum mit verschiedenen Vorträgen. Im evangelischen Gemeindehaus stand der Vortrag „Digitalisierung – Herausforderung für die Emanzipation“ im Mittelpunkt. Professorin, OTH-Vizepräsidentin und Frauenbeauftragte Christiane Hellbach beleuchtete das Thema, jedoch ohne öffentliches Interesse.
Die Digitalisierung biete unbestritten enorme Chancen. Allerdings bedeutet sie auch eine Herausforderung für alle Arbeitnehmer, denn durch digitale Verfahren können viele Jobs überflüssig werden. Als Wissenschaftlerin und frühere Führungskraft in der Wirtschaft weiß Christiane Hellbach ganz genau, wie sich die Arbeitswelt gerade für Frauen wandeln wird. Mit Zahlen, Daten und Fakten belegte sie ihre Ausführungen.
Zuerst ging ihr Blick zurück in eine Zeit, in der Frauen in die Industriearbeitswelt einstiegen. Heute sind Frauen in Deutschland sehr gut ausgebildet. Immerhin 30 Prozent der 30-Jährigen verfügen über einen Hochschulabschluss. Jedoch sind Frauen im Erwerbsleben beim Entgelt noch immer benachteiligt und somit im Alter schlechter abgesichert.
Anhand der Feststellung „Männer bauen, Frauen erziehen“ belegte sie die Segregation in Deutschland. Nur 6,3 Prozent der Patentanmeldungen stammen von Frauen und nur 8 Prozent melden Start-ups, 30 Prozent sind Selbstständig. "Die Digitalisierung und der Strukturwandel sind vor allem in der Berufswelt tiefgreifend", führte Hellbach aus. Durch die flächendeckende Vernetzung bildet sich eine neue Mensch-Technik-Interaktion. Räumlich und zeitlich spiele eine Entgrenzung und neue Erwerbsformen große Rollen.
Soziale und pflegerische Berufe sowie IT-Berufe weisen das höchste Wachstumspotential auf. Auch bei den Ingenieurberufen zeige die Projektion bis zum Jahr 2030 ein deutliches Wachstum und damit hohes Zukunftspotential. Das Substituierbarkeitspotenzial gibt an, in welchem Ausmaß Berufe gegenwärtig potenziell durch den Einsatz von Computern oder computergesteuerten Maschinen ersetzbar sind. Es entspricht dem Anteil an wesentlichen Tätigkeiten in einem Beruf, die schon heute durch den Einsatz moderner Technologien übernommen werden könnten.
Bei typischen Frauenberufen sei das eher gering, meinte Hellbach. Die Digitalisierung bietet neue Arbeitsformen mit ortsunabhängigen Dienstleistungen sogenannten „Cloudwork“ oder ortsgebundenen Dienstleistungen „Gigwork“, wie zum Beispiel im Gastgewerbe, bei Personenbeförderungen und Lieferdiensten oder bei Haushalts- und persönlichen Diensten. Die flexiblere Arbeitszeitwahl oder Arbeitsortswahl kommen dem Bedürfnis vieler Frauen nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegen. Außerdem bestehe die Möglichkeit der Arbeitszeit („Gender Time Gap“) und die Möglichkeit des selbstbestimmten, mobilen Arbeitens.
Dadurch ergeben sich aber auch veränderte Anforderungen und Rahmenbedingungen. „Kollaboratives und vernetztes Arbeiten erfordert eine neue Arbeits- und Führungskultur“, versicherte die Referentin. Auch die Aufwertung frauenspezifischer, kommunikativer und sozialer Kompetenzen und die abnehmende Präsenzkultur, sprach Christiane Hellbach an. Der Frauenanteil an den Studierenden in den Mint-Berufen müsste weiter steigen. „99 Prozent der Elektriker und 95 Prozent der Mechatroniker sind männlich.“
Insgesamt liegen Frauen bei digitalen Kompetenzen weiterhin leicht hinter den Männern zurück. Frauen werden bei betrieblicher Weiterbildung generell weniger berücksichtigt und erhalten von Arbeitgebern viel seltener notwendige Geräte und Systeme, um auch mobil arbeiten zu können. Studentinnen selbst, so ergab eine Umfrage, sehen die Digitalisierung teilweise skeptisch. Jedenfalls gebe es auf diesem Gebiet noch genügend Chancen und Handlungsfelder, zog Christiane Hellbach Fazit.
Kollaboratives und vernetztes Arbeiten erfordert eine neue Arbeits- und Führungskultur.















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