Mit der Renovierung des evangelischen Pfarrhauses erstrahlt ein nobles Schmuckkästchen bald in neuem Glanz. Dafür strengt sich die evangelische Kirchengemeinde mächtig an. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit lief während der Wintermonate die grundlegende Sanierung des Gebäudes, die der Vohenstraußer Architekt Volker Schwab begleitet.
Das langwierige Einholen von Genehmigungen mit Ausschreibungen und Planungen hatten die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Jetzt läuft gerade die Dach- und Fassadenrenovierung. Insgesamt kostet die Erneuerung des denkmalgeschützten Pfarrhauses gut 260 000 Euro. Geld kommt auch aus der Städtebauförderung aus dem Fassadenprogramm. Zudem muss der Kirchenvorstand pro Jahr fünf Prozent des Haushaltsvolumens für eine Pfarrhaussanierung zurücklegen, damit bei einer Maßnahme ein kleines Polster vorhanden ist. „Dieses Geld muss auch komplett eingebracht werden“, erklärt Kirchenvorstandsmitglied Uli Münchmeier.
Die Kirchengemeinde schultert rund 65 000 Euro an Eigenanteil. Den größten Batzen stellt die Landeskirche zur Verfügung. Oft sind solche Renovierungen unberechenbar. Die Strategie war den Kirchenvorstandsmitglieder jedoch von vornherein klar: Bei einem Pfarrerwechsel muss das Pfarrhaus grundlegend saniert werden. Die Maßnahme war auch nicht länger auf die lange Bank zu schieben und so begannen im November 2018 die Arbeiten. Wäre Stadtpfarrer Dieter Schinke nach seinem Umzug im vergangenen Jahr eingezogen, wäre es fast aussichtslos geworden das Gebäude auf Vordermann zu bringen. „Als sich Stadtpfarrer Hermann Bock 2002 in seinen Ruhestand verabschiedete, wurden lediglich Malerarbeiten vorgenommen“, sagte Münchmeier. Übergangsweise bezog Stadtpfarrer Schinke deshalb einstweilen eine Wohnung in Münchmeiers Elternhaus am Marktplatz. Im April stand nun endlich sein Einzug an und die Innenrenovierung kann sich sehen lassen.
Vor allem die freigelegte und von Linoleum befreite Holztreppe bringt einen ungewöhnlich schönen Charme in den Eingangsbereich der Wohnung. Das weiße Geländer bietet einen hinreißenden Kontrast und fügt sich wunderbar in das Treppenhaus ein. Makellos zeigt sich auch der Wintergarten oder der Anbau im ersten Stock, der sich durch einen neuen Anstrich hell und freundlich präsentiert. Wer das Haus betritt, lässt erst einmal alles auf sich wirken. Und der erste Eindruck – ein Haus zum Verlieben. Ohne Schnörkel und übertriebenen Luxus, einfach ein Haus mit Seele. Stadtpfarrer Dieter Schinke hat hier eine schöne Bleibe gefunden in der er sich wohlfühlen kann. Zumindest bis zu seinem Ruhestand, gerne auch länger, wie Münchmeier unverblümt anmerkt.
Die Synthese von denkmalgeschütztem Renovieren und ökologischem Bauen war den Hausherren wichtig. Vom Pfarrbüro aus wurde durch eine Tresorentfernung ein zusätzlicher Zugang für Bürokräfte oder Gäste zu den Toiletten geschaffen. „Früher musste die Sekretärin durch das Büro des Pfarrers. Wenn er dann ein Trauergespräch hatte, war das sehr störend“, begründete Münchmeier diese praktikable Umgestaltung. In allen Räumen wurde das Eichenparkett überarbeitet oder neu verlegt und hölzerne Sockelleisten angebracht, hinter denen die auf Putz laufenden Heizleitungen versteckt wurden. Die hohen Wände wurden alle weiß getüncht.
Bis Mitte August soll auch die Außenrenovierung abgeschlossen werden. Das gesamte schadhafte und rund 272 Quadratmeter große asbesthaltige Kunstschieferdach wurde abgetragen und wird durch ein neues ersetzt, auch im Wintergartenbereich. Laut Zimmermeister Michael Karl werde die „Altdeutsche Deckung“ vorgenommen, deren Hauptmerkmal die Verwendung von frei Hand zugerichteten Decksteinen ist. Zudem wurden die Dachrinnen erneuert und die Gauben neu eingedeckt. Die Wasserschäden hinter den Gesimsen an den Außenwänden will man nun mit der Einarbeitung von Dehnungsfugen Einhalt gebieten, informierte Münchmeier. Nach der Mauersanierung kommen darauf ebenfalls neue Zinkbleche. Im Zuge der Renovierung bekommt schließlich auch die große Eingangstüre eine farbliche Auffrischung verpasst.
Nach Ausrufung des Simultaneums Mitte des 17. Jahrhunderts bestand der damalige Pfalzgraf Christian August darauf, dass beide Pfarrhöfe nebeneinander zu liegen haben. Deshalb kam es zu einem Grundstückstausch (heutiges Lang-Haus mit einem Bürgerhaus am heutigen Platz des Pfarrhauses) und das evangelische Pfarrhaus konnte anschließend an der heutigen Stelle gebaut werden. Das Pfarrhaus wurde jedoch beim vorletzten Brand 1763 vernichtet und musste neu errichtet werden. Beim letzten Brand 1839 blieb es Gott sei Dank unversehrt. Allerdings wurde es dann im Jahr 1896/97, so wie es heute steht, im Neurenaissance-Stil erbaut, weiß Rudolf Großmann.

















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