Günter Pschibl stellte in der Friedrichsburg bei den 20. „Vohenstrauß Classics“ wieder einmal historische Schreibmaschinen aus den Jahren 1889 bis 1936 aus. 21 Maschinen aus seiner rund 200 Geräte umfassenden Schreib- und Rechenmaschinensammlung, die er vor 30 Jahren begann aufzubauen und die er jetzt in seinem Privatmuseum ausstellt, transportierte er mit ins Schloss. Darunter auch seine erst kürzlich im Internet aufgestöberte chinesische Schreibmaschine mit 2400 Schriftzeichen. Vor einem halben Jahr entdeckte der leidenschaftliche Sammler dieses von 1986 stammende Schreibgerät, das die Chinesen in dieser Art schon vor rund 60 Jahren bauten. „Viel veränderte sich technisch in dieser Zeit nicht.“
Dank der „sozialistischen Bruderhilfe“ bekam der VEB Optima Büromaschinenwerk Erfurt Anfang der 1950er Jahre den Auftrag, eine Schreibmaschine für China zu entwickeln. Die Erfurter Konstrukteure nahmen die erstmalig 1917 von der Nippon Typewriter Tokio verkaufte „Typenkasten-Schreibmaschine“ zum Vorbild. 1953 erschien die „Optima“ erstmals chinesisch. In der Folgezeit übernahm die chinesische Fahrradfabrik „Fliegende Taube“ die Fertigung. In zwei Varianten wurde die Maschine unter dem Markenzeichen "Fliegende Taube" bis Ende 1992 in China hergestellt, weiß der Experte. Pschibl, der seit einem Jahr Museumskurator im Deutschen Schreibmaschinenmuseum in Bayreuth ist und sich dort um rund 1100 Schreibmaschinen kümmert, erklärte die komplizierte Funktion.
Im Besitz hat der Vohenstraußer auch einen Nachbau, der 1864 von Tischler Peter Mitterhofer aus dem Weiler Partschins in Südtirol vorgestellten Holzschreibmaschine, die er mit einfachsten Mitteln schnitzte und die als Vorläufer für alle heutigen modernen Modelle gilt. Mit dieser hölzernen Erfindung im Gepäck pilgerte der Mann zum Kaiser nach Wien, der ihm dafür etwas Geld gewährte. Niemand erkannte damals das Potential seiner Erfindung. Das wenig Begeisterung entfachende hölzerne Ding mit einigen Eisenspangen war eine "Typenhebelkorbmaschine mit Unteraufschlag".
Mitterhofers Maschine hatte eine mehrreihige Tastatur, wie sie heute im Prinzip noch gebräuchlich ist. In einer verbesserten Variante besaß die Ur-Schreibmaschine sogar Groß- und Kleinschreibung. Der Prototyp hatte statt der aus dem Buchdruck bekannten metallenen Typen allerdings nur winzige Nadelspitzen, die das Papier in Buchstabenform durchstießen.
Derzeit ist der Vohenstraußer in Bayreuth damit beschäftigt, für 1100 Schreibmaschinen ein Wertgutachten zu erstellen. Wöchentlich einmal fährt Pschibl mit seinem Schwiegersohn Thomas Jungkunz, der Lehrer in Bayreuth ist, in die Wagner-Stadt, um sich ehrenamtlich im Schreibmaschinenmuseum einzubringen.
Zur Sammelleidenschaft kam Pschibl durch seine Tochter, die vor 30 Jahren als Steno- und Schreibmaschinenlehrerin arbeitete. "Ich dachte mir, es wäre ganz gut, wenn junge Menschen mehr über die historische Entwicklung der mechanischen Schreibgeräte erfahren würden", begründet er.














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