31.01.2019 - 15:53 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Flüge ohne Hoffnung

Seit der Flüchtlingskrise 2015 ist es um das Thema Integration etwas ruhiger geworden. Das gilt auch für Vohenstrauß. Doch viele Helfer sind frustriert, wie der Staat ihr Engagement untergräbt und mit Asylsuchenden umgeht.

Der AK Asyl Vohenstrauß hat einige Helfer verloren, die nicht weiter Asylsuchende unterstützen wollten, um anschließen deren Abschiebung mitzuerleben.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Alexander Thomas erinnert sich noch genau an den Moment, als er seinen Einsatz für Flüchtlinge fast aufgeben wollte. Er freundet sich mit einer albanischen Familie an, die seit Jahren in Deutschland lebt, besorgt Fahrräder für die Kinder. Doch dann kommt ein Brief: Die Familie soll Deutschland verlassen. "Es ging nur darum, welchen Pass du hast. Die hätten alles gemacht, die hätten jeden Job angenommen", sagt Thomas. "Die Kinder waren integriert, die haben perfekt Deutsch gesprochen." Er fährt die Familie zum Flughafen zu ihrer eigenen Abschiebung. "Da habe ich mich gefragt, ob ich das weiter machen möchte, muss ich ehrlich sagen."

Laut Christina Ponader, Leiterin des Arbeitskreises Asyl in Vohenstrauß, haben deshalb inzwischen viele Helfer aufgegeben, "weil Leute in Nacht- und Nebelaktionen abgeschoben worden sind. Das mache ich vielleicht bei zwei oder drei Familien mit, aber irgendwann ist die Luft raus". Zehn bis 15 Freiwillige kümmern sich derzeit noch um die Belange der rund 100 Flüchtlinge beziehungsweise Asylbewerber in Vohenstrauß. Zu den besten Zeiten des Ende 2014 gegründeten Arbeitskreises waren es 68. Die Helfer treffen sich am Anfang alle zwei bis drei Monate, teilweise im Rathaussaal, mit dabei sind auch Rotes Kreuz, Vertreter der Kirchen, die Helfer vor Ort, die Sportvereine, die Musikinitiative Vohenstrauß und das Landestheater Oberpfalz. Es geht um grundsätzliche Fragen: Ankommen in der Unterkunft, Anmeldung der Kinder an Schulen und Kindergärten sowie Sprachkurse. "Am Anfang haben wir viele ehrenamtliche Sprachkurse gemacht", erinnert sich Ponader, weil es noch keine anderen gegeben hat. Weitere Herausforderungen waren das Einkaufen, Arztbesuche und eine Handykarte. Das habe sich mit dem Auslaufen des Jahres 2016 gelegt.

Aufgaben ändern sich

"Es ist entspannter", sagt Elisabeth Stahl. Die Asylsuchenden würden inzwischen schon viel besser Deutsch verstehen. "Sie verständigen sich mit den Nachbarn und schließen Freundschaften. Früher war man alleine, wenn man zu ihnen gekommen ist. Das ist teilweise anders geworden." Deshalb werden auch die Treffen des AK Asyl weniger. Nur noch zwei- oder dreimal im Jahr kommen die Helfer zusammen. Es geht inzwischen um Umzüge, Nachhilfe, Behördengänge, die Finanzierung eines Autos oder um Unterstützung beim Bewerbungsschreiben. Oder um die Jahresabrechnung des Stromanbieters: "Die sind dann entsetzt, dass sie so viel nachzahlen müssen, aber das verstehen sie dann schon", erläutert Stahl.

Von Fremdenfeindlichkeit ist in Vohenstrauß, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nichts zu spüren. Auch mit der Polizei kommen die Asylsuchenden nicht auffällig in Konflikt, weiß Ponader. Allerdings gebe es Schwierigkeiten, wenn Leute wiederholt Sprachkurse absolvierten und einfach nicht weiterkämen. "Manchmal geht ihnen einfach das Durchhaltevermögen verloren", meint die AK-Chefin. Thomas erzählt vom Siedlerbund und vom FC-Bayern-Fanclub: "Da höre ich eigentlich nur Positives. Da wird oft gefragt, 'Wo sind denn die?'." Am Anfang hätten sich nicht so viele getraut, zu den Feiern und Festen der Stadt zu gehen. "Dann habe ich mal am Altstadtfest einen Tisch reserviert und alle rangesetzt, und dann kamen auch wirklich viele." Neben dem Asylcafé gibt es auch eine integrative Fußball- und Volleyballmannschaft. Der Arbeitskreis möchte auch bald einen Erste-Hilfe-Kurs auf Arabisch oder in einfachem Deutsch anbieten.

Trotzdem wird die Frustration der Helfer an diesem Abend in der Versammlung im Sportzentrum immer wieder deutlich. Das liegt vor allem an der Bürokratie. So war es etwa lange nicht klar, ob eine Familie in Deutschland bleiben darf. "Die hatten schon die Aufforderung zur Ausreise bekommen", sagt Thomas. Die Eltern hatten einen Nervenzusammenbruch. Er sei bei den Gerichtsverhandlungen in Regensburg dabei gewesen. "Das war so ein Kampf. Das nagt auch an den Nerven."

Heulend im Gerichtssaal

Der Vohenstraußer mit Hamburger Wurzeln berichtet von einer Helferin, die weinend im Gerichtssaal saß und gesagt hat, sie versteht das alles nicht. "Die Rückschläge sind ihr sehr nahe gegangen." Inzwischen engagiert sich die Frau nicht mehr im Helferkreis.

Anders bei Ulrike Kießling: "Es ist frustrierend, dass nicht anerkannte Flüchtlinge im Landkreis nicht arbeiten dürfen", sagt die Stadträtin. Das wäre in anderen Landkreisen möglich. "Es gibt zum Teil Flüchtlinge, die wollen arbeiten, die hätten eine Arbeitsstelle, aber bekommen die Arbeitserlaubnis nicht. Sie sagen, sie wollen nicht das Geld vom Staat nehmen, sondern es sich selbst verdienen, aber dürfen es nicht. Man rennt gegen Wände."

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