04.09.2020 - 11:18 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Freibier und Festessen für Vohenstraußer am Sedantag

Schulfrei am Sedantag. Kaum mehr ein heutiger Schüler wird wissen, welche Bedeutung dieser Tag für die Bewohner von Vohenstrauß hatte. Heimatkundler Karl Ochantel erinnert deswegen an diese markante Feier, der Schreckliches vorausging.

Das im Jahre 1895 eingeweihte Kriegerdenkmal auf der Mitte des Marktplatzes in Vohenstrauß nennt zwei „tapfere Krieger, die auf dem Felde der Ehre“ verblieben. Auf der schwarzen Glasplatte ist eingraviert: „August Würschinger Soldat d. kgl. 8. Jäger- Bataillons gefallen in der Schlacht b. Sedan a. 1. Sept. 1870.“ Wie die Verlustliste aussagt, verstarb der 25 Jahre alte Krieger nach der Schlacht bei Sedan im Feldlazarett Bazeilles am 6. September 1870 an „durchdringender Brustschusswunde.“ Und das Denkmal erinnert an das zweite Vohenstraußer Opfer: „Jungkunst Andreas „Soldat b. kgl. 9. Jäger Bataillons vermisst in der Schlacht bei Orleans am 8.11.1870.“
von Elisabeth DobmayerProfil

Als Anfang September 1870 ein bedeutender Sieg bayerischer und preußischer Truppen gegen Frankreich bei Sedan errungen wurde, feierte man jährlich diesen Tag als „Sedantag“. Das Schicksal wollte es, dass im August 1914 der deutsche Vormarsch wieder durch Sedan führte. Am Sedantag 1914 gab es wie in den Vorjahren wieder schulfrei. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 verdrängte die Erinnerung an die bayerisch-preußischen Siege gegen Frankreich 1870. Schon 1915 verblasste die Erinnerung an Sedan. Inzwischen gab es weitere, größere Sieg zu feiern: Die Erfolge bayerischer Regimenter in der Schlacht in Lothringen oder preußischer Truppen gegen Warschau und Nowgorod. Und wieder läuteten die Glocken und wieder gab es schulfrei. 1919 wurde der Sedantag abgeschafft.

Umfangreiches Programm

Aus Anlass des 25. Jahrestags der sogenannten Sedanfeier am 1. September 1895 beschloss der Magistrat des Marktes Vohenstrauß ein umfangreiches Programm. Für das neue Kriegerdenkmal zwischen dem oberen und dem unteren Markt wurde der Grundstein gelegt. Dann bewegte sich der Festzug zur Friedenslinde am oberen Ende der Friedrichstraße. Es gab Festreden, die Schüler sangen. Die Veteranen erhielten Freibier, ein Festessen und eine Gedenkmedaille mit dem Bildnis des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Die Rückseite trug die Inschrift „Zur Erinnerung an die 25-jährige Sedanfeier in Vohenstrauß“.

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Der 1890 geborene Bäckermeister Donat Pinter schrieb in seinen Erinnerungen über den Ersten Weltkrieg: „Ich habe schon Sedan gesehen. Hineingekommen bin ich nicht“. Aber Pinter war sich der Bedeutung der Schlacht bei Sedan in 1870 bewusst: „Wo der französische Kaiser Napoleon II. als Kriegsgefangener abtransportiert wurde, schickte er einen Parlamentär mit weißer Fahne mit einen Brief folgenden Inhalts: Da es mir nicht gelungen ist, inmitten meiner Truppen den Tod zu finden, bleibt mir nichts anderes übrig, meinen Degen in die Hände Eurer Majestät zu legen. Ich bin Eurer Majestät guter Bruder Napoleon.“

Pinter erinnerte sich auch an seinen Kriegskameraden und Bäckerkollegen Albert Peugler, der im Jahre 1957 verstarb. Pinter erinnerte sich, dass Peugler Wandbilder von den Straßenkämpfen 1870 in Frankreich hatte. Gab es diese Wandbilder aus dem Franzosenkrieg 1870/71 noch? Karl Ochantel vom Heimatkundlichen Arbeitskreis machte sich im Bäckerhaus auf die Suche. Und tatsächlich: Peuglers Sohn Horst zeigte seine Antiquitäten, darunter auch ein Wandbild „Straßenkampf in Bazeilles am 1. Septbr. 1870“.

"Gewaltiger Krieg"

Am 1. September zogen sich die Franzosen in die Festung Sedan zurück. Am 2. September 1870 kapitulierte Napoleon III. und geriet in Gefangenschaft. Einige Tage später wurde in Frankreich die Republik ausgerufen. Der deutsche Sieg bei Sedan war vorentscheidend für den Ausgang des Kriegs, der mit der Kapitulation von Paris endete und mit der Proklamation Wilhelms I. zum deutschen Kaiser im Versailler Spiegelsaal am 18. Januar 1871 seinen Ausdruck fand. In Vohenstrauß erging an die Feuerwehren der Aufruf: „Ein gewaltiger Krieg steht uns bevor!“ Und: „Schreien und Singen an öffentlichen Orten möchte unterbleiben!“ Vohenstrauß hatte damals 1583 Einwohner in 210 Häusern. Als Platz für Verletzte wurde das Distriktkrankenhaus gemeldet.

41 Soldaten aus Vohenstrauß

Aus Vohenstrauß waren 41 Soldaten am Krieg beteiligt. In der Schlacht von Sedan wurden beim bayerischen 6. Infanterie-Regiment verwundet der Vicekorporal Donat Dietl, Georg Hanauer von der Papiermühle und Johann Zielbauer von Braunetsrieth. Jakob Decker, der am 21. Juli 1870 zum 6. Regiment eingezogen wurde, machte den Krieg bis zur Schlacht von Sedan mit, wurde dann krank ins Lazarett nach Augsburg eingeliefert. Als sich der ehemalige Soldat Johann Dobner erfolgreich um das Amt des Polizeidieners bewarb, bat er um Bevorzugung, da er aufgrund eines Schlages in der Schlacht bei Bazeilles auf einem Auge erblindet sei. Andreas Lindner von der Wilhelmshöhe wurde bei Sedan leicht verwundet, er verlor einen Finger, wurde später Bürgermeister von Burgtreswitz.

Das 1895 eingeweihte Kriegerdenkmal auf der Mitte des Marktplatzes in Vohenstrauß nennt zwei „tapfere Krieger, die auf dem Felde der Ehre“ verblieben. Auf der schwarzen Glasplatte ist eingraviert: „August Würschinger Soldat d. kgl. 8. Jäger- Bataillons gefallen in der Schlacht b. Sedan a. 1. Sept. 1870.“ Wie die Verlustliste aussagt, verstarb der 25 Jahre alte Krieger nach der Schlacht bei Sedan im Feldlazarett Bazeilles am 6. September 1870 an „durchdringender Brustschusswunde.“ Und das Denkmal erinnert an das zweite Vohenstraußer Opfer: „Jungkunst Andreas „Soldat b. kgl. 9. Jäger Bataillons vermisst in der Schlacht bei Orleans am 8.11.1870.“

Die Verlustlisten nennen noch weitere Gefallene: Johann Kraus aus Altenstadt, Secondjäger im 7. Jäger-Bataillon, verstarb nach der Schlacht bei Sedan. Heinrich Ach aus Vohenstrauß im 6. Regiment verschied am 3.10.1870 in einem bayerischen Aufnahmefeldspital an Gehirnerschütterung. Der 21-jährige Johann Wittmann aus Waldau erlag am 17. November 1870 im Militärkrankenhaus Sulzbach einer Hirnhautentzündung. Georg Dümler aus Roggenstein beendete am 4. Januar 1871im Alter von 23 Jahren sein Leben in einem französischen Spital nach einer Schussverletzung. Einige Tage später starben an Typhus Georg Hermann aus Waldau, Hornist im 4. Jäger-Bataillon, und der 24-jährige Georg Schwarzmeier aus Altentreswitz.

Der Deutsch-Französische Krieg endete mit 50 000 Toten auf deutscher Seite. Ganz aus dem Gedächtnis verschwunden sind insbesondere die Schlachten bei Wörth und bei Sedan auch heute nicht: So erinnern in Weiden die Wörthstraße und die Sedanstraße an diese historischen Ereignisse.

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