Vohenstrauß
10.08.2018 - 11:07 Uhr

Friedenslinde Zier und Retter

Die wenigsten Vohenstraußer wissen, dass ein Lindenbaum das Schloss Friedrichsburg im Jahr 1839 vor einem Großfeuer rettete. Heute steht die Friedenslinde an diesem Platz an der "Schöfer"-Kreuzung.

An der „Schöfer“-Kreuzung steht heute die Friedenslinde. Der Baum hat eine 200-jährige Geschichte. dob
An der „Schöfer“-Kreuzung steht heute die Friedenslinde. Der Baum hat eine 200-jährige Geschichte.

(dob) Ausgerechnet eine Linde rettet das Schloss Friedrichsburg. Das wissen die wenigsten Vohenstraußer. Heimatforscher Karl Ochantel fand Wissenswertes in den Archiven. Am 16. Juli 1839 vernichtet eine Feuersbrunst den ganzen Markt Vohenstrauß. Das Feuer droht nach Süden auf die Friedrichsburg überzugreifen. Doch an der heute bekannten "Schöfer"-Kreuzung am Ende der Friedrichstraße steht eine uralte riesige Linde, die Schlosslinde. In ihr verfängt sich der Feuersturm und das Schloss ist gerettet.

Doch die Linde, als "Zierde des Marktes" bezeichnet, erleidet großen Schaden. Die königliche Regierung will deshalb den in ihrem Besitz stehenden Lindenplatz mit der Schlosslinde versteigern. Im Dezember 1851 kauft der Markt Vohenstrauß den dreieckigen Platz vor dem Winkler-Anwesen. "Im Namen Seiner Majestät des Königs" und mit Zustimmung des Landrichters ist nun aus der königlichen Linde eine gemeindliche Linde geworden.

Ende wegen "Faulheit"

In den Folgejahren rütteln heftige Stürme im Geäst des feuergeschädigten Baums, der Stamm droht, zu zersplittern. Zimmerermeister Lorenz Eismann, Wagnermeister Erhard Jungkunst und der Zimmerergeselle Türk sind zunächst für eine Entfernung der abgedorrten Äste. Nachbar Winkler fürchtet, der Baum könne irgendwann auf sein Haus fallen. Die Jahrhunderte alte Linde wird deshalb im Jahre 1858 abgesägt. Offiziell wegen "Faulheit". Landrichter Haunold ordnet an, dass der Stamm mit Wurzeln weggeräumt werden muss. Nach Monaten verlangt Müller im Namen der Sanitätspolizei die Beseitigung des immer noch dort liegenden Lindenstammes, da sich Kinder in "halsbrechendsten Exerciten" darauf vergnügten.

Jahrelang bleibt der Lindenplatz leer. Im Juli 1866 ein Schreckensruf "Die Preußen kommen!" Im Jahr 1870 ruft dann alles "Auf gegen Frankreich!". Bayerische Jägerbataillone stehen in den Schlachten bei Sedan und Orleans. Dort sterben die Vohenstraußer August Würschinger und Andreas Jungkunst. 40 Krieger, die "ruhmvoll kämpften", kehren nach Vohenstrauß zurück. Aus München kommt am 4. März 1871 der königliche Befehl: "Aus Anlass des nunmehr erfolgten Friedensschlusses" seien in den Kirchen Trauer- und Dankgottesdienste abzuhalten. Außerdem soll am 19. März 1871 zum Andenken dieses Kriegs-Friedensfests eine Linde gepflanzt werden.

"Lindenplatz" neu besetzt

Am 19. März 1871 nachmittags 3 Uhr treffen sich Bürgermeister Riebl, der Magistrat, die Lehrer, die Pfarrer, alle Schulkinder und viele Einwohner vor dem Rathaus und marschieren mit Blechmusik zum "Schlosslindenplatz". Die von Pfarrer Troßner aus Leuchtenberg aus einem Wald bei Amberg besorgte Linde wird feierlich unter dreimaligem "Hoch" auf den deutschen Kaiser Wilhelm, auf den König Ludwig II. von Bayern und auf die tapfere deutsche Armee eingepflanzt. Der Liederkranz stimmt ein, dann knallen Böllerschüsse und die Schuljugend singt. Eine Urkunde in einem Tongefäß soll an diesen feierlichen Anlass erinnern: "Möge die gesetzte Linde gut gedeihen und ein Zeichen eines wahren und dauernden Friedens sein, dann als Friedenslinde für immer benannt werden." Zur Erinnerung an den Friedenstag wird nun jahrelang am 2. September die Sedanfeier abgehalten.

Im Jahre 1875 erhält der Lindenplatz ein Eisengitter mit Granitsäulen zur Einfriedung. Ein Höhepunkt wird der Festakt zur 25-jährigen Sedanfeier am 1. September 1895. Für das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz wird der Grundstein gelegt. Nach dem Festakt geht der Festzug bis zur Friedenslinde beim Haus des Kaufmanns Leonhard Winkler.

Um die Jahrhundertwende soll ein Blitz die Friedenslinde gefällt haben. Eine neue Linde wird gesetzt. Sie trägt wieder ihre herzförmigen Blätter. Doch dann: "Ehe die Blätter der Linden fallen, seid ihr wieder zu Hause!" verspricht Kaiser Wilhelm im August 1914 seinen nach Frankreich abziehenden Soldaten. Wieder gibt es Krieg. Er nimmt kein siegreiches Ende. Das im Jahre 1935 errichtete Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz erinnert an 80 Gefallene.

Heute ein Naturdenkmal

Der Linde wird es im Jahre 1927 wohl eine willkommene Abwechslung gewesen sein, als die Feuerwehr vor dem Kaufhaus Winkler eine Übung mit der Motorspritze abhält. 1945 ziehen lange Trecks der Flüchtlingsfamilien und Kolonnen von Kriegsgefangenen an der Friedenslinde vorbei. Mancher amerikanische Panzer schätzt die spitze Straßenkurve falsch ein. Auch kam es schon mal zum Zusammenstoß mit dem Taxi von Elisabeth Pausch. Im Jahre 1958 wird der Platz um die Friedenslinde nach den Plänen von Architekt und Künstler Hugo Steininger neu gestaltet. Die unfallträchtige Kreuzung und die Straße nach Wernberg wurden verbreitert. Eine Granitsteinmauer soll Blumen und "niederes Strauchwerk, das bald locker im Grün stehen wird", umfassen.

Die Friedenslinde ist heute als Naturdenkmal erfasst und steht immer noch im Eigentum der Stadt Vohenstrauß. Die hoch geastete Linde hat inzwischen wieder mannshohes Buschwerk angesetzt. Der Umfang des Stammes beträgt 2,53 Meter, was einem Durchmesser von 81 Zentimeter entspricht. Über die Friedenslinde und andere Linden können Interessierte derzeit in der Ausstellung "Lindenzauber" in der Friedrichsburg mehr erfahren.

An der „Schöfer“-Kreuzung am Ende der Friedrichstraße steht heute eine Friedenslinde. Früher war es die Schlosslinde. Repro: dob
An der „Schöfer“-Kreuzung am Ende der Friedrichstraße steht heute eine Friedenslinde. Früher war es die Schlosslinde.
Das frühere Winkler-Haus, das 1903 abgebrochen wurde. Davor steht schon der Lindenbaum. Repro: dob
Das frühere Winkler-Haus, das 1903 abgebrochen wurde. Davor steht schon der Lindenbaum.
Auf einer alten Postkarte aus dem Fundus des verstorbenen Leo Karl ist die Friedenslinde am Ende der Friedrichstraße zu sehen. Repro: dob
Auf einer alten Postkarte aus dem Fundus des verstorbenen Leo Karl ist die Friedenslinde am Ende der Friedrichstraße zu sehen.
 
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