Vohenstrauß
07.05.2020 - 15:15 Uhr

Gedenkstein feiert 30-jähriges Jubiläum

Kreuze für Vermisste fehlen. Deswegen erinnert ein Gedenkstein im Friedhof an Vermisste des Zweiten Weltkriegs. Es ist ein Vermächtnis des Ortsverbands der Heimkehrer, den es heute längst nicht mehr gibt.

Von zwei Thujen eingerahmt erinnert der Gedenkstein an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Vor 30 Jahren wurde er vom Ortsverband der Heimkehrer dort aufgestellt. Bild: dob
Von zwei Thujen eingerahmt erinnert der Gedenkstein an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Vor 30 Jahren wurde er vom Ortsverband der Heimkehrer dort aufgestellt.

Vor 30 Jahren, im Mai 1990, ließ der Verband der Heimkehrer am Friedhofseingang einen Gedenkstein aufstellen. Mehr als eine Million Kriegsgefangene sind in den Lagern der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges gestorben. Nur wenige Kreuze zeigen, wo sie begraben wurden.

Der Heimkehrer-Ortsverband Vohenstrauß hat den Kriegsgefangenen, die nicht mehr zurückgekehrt sind, zu seinem 40-jährigen Gründungsfest diesen Gedenkstein auf dem Friedhof gewidmet. Der Stein steht stellvertretend für die fehlenden Kreuze und soll nach dem Willen des Ortsverbands eine Stätte der Besinnung und Mahnung sein.

Die beiden damaligen Stadtpfarrer Franz Winklmann und Hermann Bock segneten den Gedenkstein damals. Winklmann sagte: „Möge der Gedenkstein uns ermutigen, Frieden zu stiften!“ Hermann Bock fasste seine Gedanken in dem Satz zusammen: „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ Der zwischenzeitlich verstorbene Oberamtsrat Johann Frischholz gedachte der Toten, die hinter dem Gedenkstein stehen. 119 Vohenstraußer seien im Zweiten Weltkrieg gestorben, 90 seither vermisst.

Der Ortsverband der Heimkehrer gründete sich am 6. November 1949 unter Adolf Geyer und Emil Haag. Im März 1950 begann in Zusammenarbeit mit dem Suchdienst des Roten Kreuzes die Erfassung der 2,5 Millionen Vermissten. Heimkehrer wurden befragt, Karteikarten angelegt. Ende 1953 gab es noch 1,2 Millionen ungeklärter Fälle im Osten, 100.000 auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Auf viele Heimkehrer wartete auch zuhause nur Elend und Not. So kam es zum Zusammenschluss von Heimkehrern in Vereinen. Diese verstanden sich auch als politische Willensträger und veranstalteten Diskussionswochen und nahmen Partnerschaften mit ausländischen Brüderverbänden auf. So besuchten im Jahr 1979 elf belgische ehemalige Kriegsgefangene die Stadt Vohenstrauß. Sie arbeiteten während des Krieges um Vohenstrauß als Gefangene im Arbeitskommando der Stalag XIII b Weiden.

Der Ortsverein Vohenstrauß löste sich zum 31. Dezember 2003 unter seinem letzten Vorsitzenden Richard Knechtel auf. Der Gedenkstein im Friedhof wurde in die Obhut der Stadt übergeben.

Von zwei Thujen eingerahmt erinnert der Gedenkstein an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Vor 30 Jahren wurde er vom Ortsverband der Heimkehrer dort aufgestellt. Bild: dob
Von zwei Thujen eingerahmt erinnert der Gedenkstein an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Vor 30 Jahren wurde er vom Ortsverband der Heimkehrer dort aufgestellt.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.