Es gibt sie, die sagenumwobenen Felsenkeller unter der Stadt. Sie waren Zufluchtsort, Bierlagerstätte und auch Gruselstätte für manche Kinder in früheren Zeiten. „Schon in meiner Kindheit wurden wilde Geschichten um diese Unterwelt geschürt“, erinnert sich Heiner Aichinger noch ganz genau. So sollte ein unterirdischer Gang vom Bahnhof zur Burg führen und der Keller vom „Kronprinz“ mit denen vom Rathaus und vom Lang-Sattler verbunden sein. Ein weiterer erstreckt sich angeblich von der Friedrichsburg zum ehemaligen Gasthof „Summerer“ und sogar die Burg Leuchtenberg soll mit Vohenstrauß und Pfraumberg in Tschechien unterirdisch verbandelt sein.
Beweise für derartige Anlagen fand Aichinger vor einigen Jahren bei seinen Recherchen allerdings nicht. „Was aber nicht ausschließt, dass es früher vielleicht doch noch mehr Keller oder Gänge gegeben haben mag.“ Und wer kann schon genau sagen, was noch unter Vohenstrauß unentdeckt ist. Im Jahr 1990 erforschte Aichinger die Felsenkeller am Marktplatz, der Bahnhof- und Friedrichstraße. „Ich wollte dadurch verhindern, dass durch private oder kommunale Baumaßnahmen noch mehr geschichtliche Stätten verloren gehen, ohne beschrieben worden zu sein.“ Nach dem Brand von 1839 ist weder in den Baupolizei-, Baugenehmigungs- oder Tiefbauakten ein Hinweis auf die Grabungen von Felsenkellern zu finden. Dies lässt den Schluss zu, dass sie schon vor diesem Großbrand bestanden haben.
In der Friedrichstraße 17 im Anwesen Mühlhofer wurde Aichinger fündig. Im Türstock vom Übergang des Kellers in den Felsenkeller war die Jahreszahl 1780 eingraviert und auch beim Lang-Sattler fand der Heimatkundler die Zahl 1776 am Eingang zum alten Felsenkeller.
„Sicher wurden diese Türstöcke nicht bei Beginn der Grabungen gesetzt, sondern erst nach Abschluss“, vermutet Aichinger. In 9 der 24 Felsenkeller waren noch Absätze beziehungsweise zwei Reihen liegender Steinsäulen, auf denen früher Bierfässer gelagert wurden. Das wussten auch die Besitzer. Dazu passten auch die Eislöcher das sind Bohrungen einer Größe von 15 bis 20 Zentimetern, die schräg nach oben ans Tageslicht führen und durch die das im Winter gebrochene und zerkleinerte Eis für die Bierkühlung in die Keller gelangte.
Die normalen Keller waren dafür viel zu warm und außerdem mit Lebens- und Futtermitteln belegt. „Bei der engen Bebauung konnte man nur eine Etage tiefer ausweichen“, meint der HAK-Vorsitzende. Zwischen den Kellern und dem Kommunbraurecht besteht ein enger Zusammenhang. Ursprünglich ein Vorrecht für Klöster und Fürstenhöfe, ging das Braurecht später auch auf die Bürger über. Zwischen der Zeitspanne 1400 und 1600 erhielt die Bierherstellung entscheidenden Auftrieb, es wurde kälter, der Weinanbau ging zurück. Das berühmte bayerische Reinheitsgebot vom 24. April 1516 war ein entscheidender Markstein in der Bierherstellung.
Das Vohenstraußer Saalbuch von 1667 nennt für das Jahr 1552 schon 14 Brauhäuser im Markt. Acht Jahre später ist von einem erhobenen „Bräu-Umgeld“ die Rede und Streitereien wegen des Bierausschanks sind in den Jahren 1664 und 1666 belegt. Aus den Jahren 1668 sowie 1675 bis 1679 sind die Bräu- und Bierrechnungen erhalten. „Man kann also davon ausgehen, dass ein Kommunbraurecht bereits Mitte des 17. Jahrhunderts bestand“, meint der Heimatforscher.
Ein Gesuch des Schreinermeisters Christoph Peugler aus dem Jahr 1792 an den Kurfürsten Karl Theodor belegt die Theorie, dass die Felsenkeller bereits vor 1800 bestanden haben und für das Bier gegraben wurden. In allen untersuchten Felsenkellern steht Gneisgestein in von West nach Ost ansteigender Formation an. Dadurch waren die Keller relativ leicht zu erstellen und behielten trotzdem eine gute Grundfestigkeit ohne große Stützmaßnahmen.
Bliebe noch die Frage, wer sich diese Mühe machte. Verschiedene Gewährsleute erzählten, laut Aichinger, dass dies die Winterarbeit von Maurern und Knechten aus umliegenden Orten war, die dafür „ein Fuffzgerl“ und eine Brotzeit pro Tag bekamen. "Viele der Keller wurden bei der Kanalisation in den 1960er Jahren zugeschüttet", bedauert Aichinger. Wenn die Sommer heiß sind, wünscht sich bestimmt mancher einen Felsenkeller herbei, denn diese haben zu jeder Jahreszeit die gleiche Temperatur.
Heute geraten die Gewölbe mehr und mehr in Vergessenheit. Selbst Georg Lang ist seit mindestens 15 Jahren nicht mehr in seinem Keller gewesen, berichtet er, als er den Zutritt in die alten Gemäuer gewährt. Eine Demutshaltung, eine buckelnde Figur, schadet beim Eintreten durch die Metalltür nicht, bevor sich die alten Mauern in ihrer wahren Größe zeigen. Es ist ein Vergnügen, in diesen dunklen Kellerräumen zu erkunden. Man spürt die Struktur und die Narben der Räume. Die Erbstücke erzählen auch eine Geschichte. Von seinem Vater Leonhard weiß Lang, dass diese Keller in den schweren Kriegszeiten Zufluchtsort vor schweren Geschützen waren.



















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.