Vohenstrauß
12.07.2023 - 13:36 Uhr
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Heimatmuseum in Vohenstrauß vor 30 Jahren eröffnet

Das Heimatmuseum im ehemaligen Ackerbürgerhaus in Vohenstrauß feiert in diesem Juli 30-jähriges Bestehen. Ein guter Grund, um einmal in die Vergangenheit zu blicken – und in eine Zukunft, die nicht sehr einfach erscheint.

Das Heimatmuseum im ehemaligen Ackerbürgerhaus feiert in diesem Juli 30-jähriges Bestehen. Zeit, sich zu erinnern. Bild: dob
Das Heimatmuseum im ehemaligen Ackerbürgerhaus feiert in diesem Juli 30-jähriges Bestehen. Zeit, sich zu erinnern.

Als der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Heiner Aichinger, vor kurzem wieder einmal die Aufsicht im Heimatmuseum übernahm, machte er sich, nach seiner kurzen Kontrollrunde, so seine Gedanken. Er wartete, wie so oft vergeblich auf Besucher. „Touristen waren noch keine da und Einheimische kennen die Einrichtung.“

Nach der Wiedereröffnung nach der Coronapandemie im Juni 2022 kamen bis zum Jahresende lediglich 22 Besucher. Das sei der absolute Tiefpunkt seit der Eröffnung im Jahre 1993 gewesen.

Tiefer Einschnitt durch Pandemie

Corona sei ein tiefer Einschnitt im Museumsalltag gewesen. Im Museum sei auch nichts digital, sondern alles analog, ohne Events oder Interaktion. Der ehemalige Vorsitzende macht sich Gedanken, ob es wohl heute andere Konzepte brauche. „Auch Schulklassen aus Real- und Mittelschule bleiben zunehmend aus.“ Dabei könnten gerade die Schüler sehen, was ihre Vorgänger 1955 über ihre Heimatorte im Altlandkreis Vohenstrauß geschrieben und gezeichnet haben, versichert er.

Aichingers Blick wandert zu den Fotos der beiden Familien, die früher unter ärmlichen Verhältnissen in diesem kleinen Haus gelebt und gearbeitet haben. Weiter über den Kienspan, der meistens einziges Beleuchtungsmittel in den Wohnküchen vieler Ackerbürger-Häuser im Ort darstellte. „Wie gut könnte man dabei über Atomausstieg, erneuerbare Energie, Strom-Blackout und vieles andere mehr diskutieren“, sinniert er. Weiter schweift sein Blick über die Gefäße aus der Hallstattzeit von Lohma, die erstmals bewiesen haben, dass in der Region, östlich der Naab, schon weit vor Christi Geburt Menschen siedelten.

Dann die vielen Objekte für die einst blühende Glas- und Porzellanindustrie. Auch das Kruzifix fällt dem Betrachter dann noch ins Auge, dessen Corpus Christi ein einheimischer Priester im Seminar aus Salzteig und Zeitungspapier, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, gestaltete.

Gründung 1978

Das Stadtjubiläum "600 Jahre Erstnennung der Stadt Vohenstrauß 1378 bis 1978" war Anlass zur Gründung eines Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) gewesen. Am 14. Februar 1978 fanden sich mehrere heimatgeschichtlich Interessierte im Sitzungssaal des Rathauses ein und erklärten sich zur Mitarbeit bereit. So gründete man an diesem Tag formlos den HAK Vohenstrauß. Die Leitung übernahm Otto Würschinger.

Diese Gründung war dann auch wegweisend für ein Heimatmuseum in den ehemaligen Ackerbürgerhäusern, das in diesen Tagen 30. Geburtstag feiern kann. Bereits am 4. Juli 1989 lud die Stadt den HAK zum Richtfest in der Sophienstraße ein. Der damalige Zimmerer- und Dachdeckermeister Karl Zeitler sprach den Richtspruch, Sanierungsbeginn war am 9. Mai 1989. Amtierender Bürgermeister war damals Franz Pausch. Die Stadtbau Amberg war Sanierungsträger, der Architekt Peter Bantelmann und die HAK-Leitung hatte Peter Staniczek inne.

Öffnung des Museums

Vier Jahre später sollte es dann am 17. Juli 1993 so weit sein. Das neue Heimatmuseum wurde eröffnet. Die Unterbringung des alten Museums im dritten Stock des Rathauses mit 112 Quadratmetern Ausstellungsfläche war seit langem unzureichend und beengt gewesen.

Der HAK wandte sich deshalb im Juni 1986 an die Stadt mit dem Vorschlag, die "Ackerbürgerhäuser" der Familien Woppmann und Reitinger in der Sophienstraße 9 und 11 im Rahmen der Städtebauförderung zu sanieren und als Heimatmuseum zu nutzen. Die Verwirklichung des Projekts "Heimatmuseum in neuer Konzeption und neuen Räumen" war aber bis zum Schluss gefährdet gewesen. In Stadtrat und Bevölkerung hatte es scharfe Kontroversen bezüglich der Notwendigkeit und Rentabilität gegeben.

Nach dem Entwurf eines Rahmenkonzepts für die Verlegung und Neueinrichtung des Heimatmuseums durch den HAK im Jahre 1991 erfolgte die Neuinventarisierung der Exponate. Ziel der Planung war, ein Konzept zu entwickeln, mit dem unter Einbeziehung der alten Bausubstanz ein modernes Heimatmuseum eingerichtet werden konnte, das anschaulich zeigt, wie und womit man früher gelebt, gearbeitet, gewohnt und seine Freizeit verbracht hat.

Früher große Resonanz

Besonders stark engagiert, waren dabei die Mitglieder der eigens eingerichteten Arbeitsgruppe "Museum" mit Peter Staniczek, Therese Weiß, Olga Aichinger, Klaus Bäuml, Johann Frischholz und Peter Bantelmann. Zur Eröffnungsfeier fanden sich damals mehr als 300 Besucher ein, hielt der bereits verstorbene Oberamtsrat a. D. Johann Frischholz in seinen Aufzeichnungen fest. "Was Rang und Namen auf dem Gebiet der Heimatpflege hat, war anwesend."

Die kirchliche Segnung spendeten die damaligen Stadtpfarrer Franz Winklmann und Hermann Bock. Bereits im September berichtete der Vorsitzende Peter Staniczek in einer Sitzung von der großartigen Resonanz der Bevölkerung. Immerhin waren bis September bereits 600 Besucher im Haus gezählt worden. Zahlen, die heute unerreichbar erscheinen.

Hintergrund:

Heimatmuseum in Vohenstrauß

  • Eröffnung: 17. Juli 1993 im ehemaligen Ackerbürgerhaus
  • Adresse: Sophienstraße 9, 92648 Vohenstrauß
  • Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr, sowie nach Vereinbarung
  • Themen: Wohnen und Arbeiten, Glas und Porzellan, religiöse Volkskunst, Landwirtschaft, archäologische Funde, historische Mühle, Bauerngarten...
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