16.12.2018 - 10:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Informatives Nachschlagewerk

Es ist eine ganz besondere Ausgabe, der 40. Streifzug des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Das Geheft bietet die unterschiedlichsten Einblicke in vielfältige Themen. Es lohnt den Streifzug zu erwerben.

Der 40. Streifzug des Heimatkundlichen Arbeitskreises könnte bei vielen Geschichtsinteressierten unterm Christbaum liegen. Kreisheimatpfleger Peter Staniczek (Vierter von links) stellte den 128-seitigen Band mit HAK-Vorsitzendem Heiner Aichinger (Dritter von rechts) im Beisein der beteiligten Autoren vor. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (Zweiter von rechts) durfte die druckfrische Lektüre in Empfang nehmen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk präsentierte der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) seinen 40. Streifzug mit 128 Seiten. Vorsitzender Heiner Aichinger, der selbst seinen 100. Beitrag lieferte, erinnerte im Heimatmuseum an vier Jahrzehnte des Bestehens der Interessensgemeinschaft. Vor 25 Jahren zog das Heimatmuseum vom Rathaus in das frühere Ackerbürgerhaus an der Sophienstraße. Trotz Blickes auf das demografische Alter der HAK-Mitglieder wollte Aichinger es jedoch nicht versäumen, auf diese beiden Jubiläen hinzuweisen.

Bevor stellvertretender Vorsitzender und Kreisheimatpfleger Peter Staniczek den neuen Streifzug den Gästen präsentierte, ging der Vorsitzende noch auf die "wunderschöne Rückseite" der Broschüre ein. Darauf ist ein Ölgemälde des früheren Kunstlehrers Werner Wewior abgebildet, das einen Gebirgszug in Oberbayern bei Weilheim zeigt. Dort war der mittlerweile pensionierte Lehrer tätig. Inmitten des Ölgemäldes verschmilzt eine von Wewior gemalte Postkarte mit der Friedrichsburg.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer will dieses Bild aber nicht als Seitenhieb verstanden wissen,wonach das Schloss schon eine Nutzung erfahren hätte, stünde es nur in Oberbayern. Für diesen Einwand sorgte er unter den Gästen für Humor. "Die Zahl 40 begleitet mich in den letzten Wochen schon länger", stellte der Rathauschef fest. Auch der Fotoclub begehe heuer das 40-jährige Bestehen und mache darauf mit einer Ausstellung im Rathaus aufmerksam.

"40 Jahre HAK ist eine ganz besondere Leistung." Für ihn sei es immer wieder faszinierend, wie die unterschiedlichsten Themen in 40 Heften abgearbeitet worden seien, würdigte das Stadtoberhaupt. "Zusammengetragen wurde ein Sammelsurium von geschichtlichen Besonderheiten und Begebenheiten aus einem schier unerschöpflichen Fundus, die viele Autoren mit enormer Energie aufbereiteten." Die Streifzüge sind "ganz tolle Nachschlagewerke".

Wutzlhofer gibt trotz der Bedenken, die der Vorsitzende zuvor mit Blick auf das hohe Durchschnittsalter der Mitglieder machte, die Hoffnung nicht auf, dass der HAK auch das 50-jährige Bestehen feiern werde. Der Sprecher versicherte, dass die Stadt ungemein von den Streifzügen profitiere. "Vohenstrauß wird hier in besondere Weise präsentiert."

Auch in diesem Jahr leistete der HAK einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung, meinte Staniczek. Neben den Feldern Sammeln und Bewahren, Erschließen und Forschen, Dokumentieren und Digitalisieren sei wieder der wichtige Bereich des Präsentierens und Vermittelns ein großes Anliegen.

Zu den Jubiläen 200 Jahre Verfassungsstaat und 100 Jahre Freistaat Bayern präsentierte die Gemeinschaft eine thematische Ausstellung im Museum. Der Sprecher bedauerte, dass Ministerpräsident Markus Söder in seiner Jubiläumsansprache mit keinem Wort Kurt Eisner als den eigentlichen Gründer erwähnte.

Eine bedeutende Rolle nahm der Waldthurner Hans Beimler ein, der zwar am 2. Juli 1895 in München geboren worden, aber bei seiner Großmutter in Waldthurn aufgewachsen sei. Er zählt zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands. Bekannt wurde er als Reichstagsabgeordneter und politischer Kommissar des "Thälmann-Bataillons", der XI. Internationalen Brigade im spanischen Bürgerkrieg, in dem er den Tod am 1. Dezember 1936 vor Madrid fand.

Der Jubiläumsband.
Die Rückseite des Jubiläums-Streifzugs.
Wirtshausstreit mit heftigen Folgen:

In der Jubiläumsausgabe befasst sich Heiner Aichinger mit einem Wirtshausstreit mit gewaltigen Folgen unter dem Titel „Was reizte den von Reitzenstein?“ Max Münchmeier dagegen gibt ein Zeugnis alter Handwerkskunst am Beispiel der „Herrl“-Schmiede, deren letzte klingenden Hammerschläge er persönlich um das Jahr 1965 vernahm. „Eine kleine Heimatkunde“, geschrieben von den Schulkindern, ist eine wahre Rarität und soll im Januar bei einer eigenen Präsentation näher vorgestellt werden. Rudolf Großmann nahm das Jubiläum „40 Jahre Marterlwanderweg(e) Braunetsrieth“ in den Blick. „Die Herren von Waldthurn zu Kaimling“ arbeitete Georg Schmidbauer aus. „Wie waren Attentäter, Räuber und Brandstifter gekleidet?“ gibt Karl Ochantel mit den Steckbriefen aus den Jahren 1891, 1902 und 1942 preis. Interessant ist ein Sparbucheintrag aus dem Jahr 1944, aus dem ersichtlich wird, dass täglich 20 Pfennig gespart in 20 Jahren mit Zins und Zinseszins rund 2000 Reichsmark oder eine komplette Aussteuer ergaben. Der Beitrag stammt von Karl Senft. „Auf Pfalzgraf Friedrichs Spuren“, wandelte Heiner Aichinger. „G’schichten aus der Linder Gmoi“ verrät wieder Konrad Uschold. Otto Pinter und Karl Ochantel berichten von der Heimkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Juni 1945. Der Vohenstraußer Bäckermeister erzählt von seinem Onkel Donat, der am 26. Oktober 1944 bei minus 12 Grad Celsius in einem Viehwagen zu seiner Genesungskompanie nach Rippin in Polen transportiert wurde und an diesem Tag 19. Geburtstag feierte. Volker Wappmann offenbart „ein Leben für Konditorei und Feuerwehr“ von seinem Urgroßvater Joseph Wappmann.

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