18.03.2019 - 15:47 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kein leichtes Jahr für die Waldbauern

Nicht nur Sturmschäden bringen den Waldbesitzern Probleme. Borkenkäfer und Co. lassen nicht lange auf sich warten. Auch die Sicherheit im Wald darf nicht in den Hintergrund treten.

WBV-Vorsitzender Hans-Peter Lang (rechts) überreichte an Andreas Büchner (links), Stützpunktleiter Pflanzgarten Bindlach, ein Präsent für den profunden Fachvortrag über Saatgut von Waldbäumen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Wer einmal das ganze Ausmaß von Sturmschäden sehen will, der braucht nur nach Südtirol fahren. „Das ist wie in einem Horrorfilm“, zeichnete der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß, Hans-Peter Lang, bei der Jahreshauptversammlung in der Stadthalle ein apokalyptische Bild von dieser verheerenden Katastrophe, die sich Ende Oktober 2018 ereignete. 1,2 Millionen Kubikmeter Holz wurden damals von orkanartigen Winden umgeworfen. „Für uns Waldbesitzer sind derartige Schadensereignisse sehr frustrierend“, führte Lang aus.

Während im Ausland mit Sturmschäden gekämpft wird, ist es in der Region der Borkenkäfer. „Man wollte oft nicht mehr in den Wald hinaus, da man bei jedem Waldspaziergang damit rechnen musste, schon wieder einen oder mehrere Käferbäume zu entdecken oder ein ganzes Käfernest zu finden.“ Derzeit könne man keinem Waldbesitzer raten Frischholz einzuschlagen. Selbst der Staat könne derzeit sein Frischholz schlecht vermarkten. Dennoch dürfe man den Kopf nicht in den Sand stecken. „Alles hat seine Zeit. Ein Altbestand ist schön anzusehen, aber auch Jungbestand hat seine Reize.“ Es sei die Aufgabe eines jeden Waldbesitzers Jungbestände zu pflegen, damit die nächste und übernächste Generation wieder hiebreife Bäume vorfindet.

Er sei nach wie vor der Ansicht, dass die Waldbauern mit der Fichte ein hervorragendes Sägeprodukt besitzen. Mit der Anpflanzung von anderen Baumarten werde allerdings das Risiko gestreut und widerstandsfähige Bäume erzeugt. Nur die nachfolgenden Generationen werden später wissen, ob diese Vorgehensweise die richtige war. „Wir befinden uns zunehmend in einer Wohlfühlgesellschaft, welche meint, durch Verbote die Umwelt retten zu müssen.“ Dies sollte man jedoch den Praktikern vor Ort überlassen: „Allein wir tragen die Verantwortung für unseren Wald.“ Dieser sei ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, der mehr Arbeitsplätze bringt als die Automobilindustrie. 1,2 Millionen Menschen arbeiten in 185 000 deutschen Betrieben des Holz- und Forstsektors. Dieser erzielt einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro. Damit beschäftigt der deutsche Wald mehr Menschen, als die Automobilindustrie, bei der „nur“ 700 000 Menschen arbeiten. Allein der Anbau und Verkauf von deutschen Weihnachtsbäumen bringt 700 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 100 000 Dauer- und Saisonarbeitsplätze.

Aktuell gehören der Vereinigung 1184 Mitglieder an. Gegenüber dem Vorjahr wieder ein kleiner Aufwärtstrend. Was die Vereinsentwicklung anbetrifft, müsse überlegt werden, ob man sich nicht mit Nachbarvereinigungen zusammenschließen sollte. In Frage käme die Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/Süd und die WBV Floß. Eine verstärkte Personalstruktur wäre dadurch möglich, nannte der Redner einen Vorteil. Lang betonte, dass der Faktor Sicherheit im Wald immer sehr wichtig sei.

Obwohl die Ausgangslage derzeit nicht rosig ist, erwirtschaftete die WBV ein Plus, was deutlich wurde, nachdem den Mitgliedern die Aktiva- und Passiva-Seite vorgestellt wurde. Einstimmig nahmen die Mitglieder auch den von Geschäftsführer Josef Maier vorgelegten Haushaltsvoranschlag an.

Mit einem Fachvortrag wartete Andreas Büchner, Stützpunktleiter Pflanzgarten Bindlach mit dem Thema auf: „Von der Saatgutgewinnung bis zur Forstpflanze – die Pflanzenproduktion am Pflanzgartenstützpunkt Bindlach.“ Dort stellen die Bayerischen Staatsforsten auf einer Fläche von 12,5 Hektar und einer 8,5 Hektar großen Produktionsfläche sowie einem Kleinballenplatz mit 0,8 Hektar Saatgut für die Eigenversorgung und den Verkauf zur Verfügung. Das Forstsaatgut werde mit hohem ökonomischen und ökologischen Wert erzeugt, damit stabile und leistungsfähige Waldbestände daraus resultieren. Eine große Rolle spielt dabei die Genetik und der Vererbungsgrad bei Waldbäumen. Beachtet müssten auch die Holzqualität und die Spätfrostgefahr werden. Es könne durchaus sein, dass von einer Tanne 150 Kilogramm Zapfen geerntet werden, die händisch von Pflückern von den hohen Bäumen geholt werden. Die nachfolgende Aufbereitung zeigte Büchner am Beispiel einer Tanne. Vorrangiges Ziel seines Stützpunkts ist es: „Von der Saatguternte bis zur Auslieferung – alles aus einer Hand.“ In Bindlach werden zudem seltene Baumarten herangezogen. Vorsitzender Hans-Peter Lang dankte den Referenten mit einem Geschenk.

„Wir befinden uns zunehmend in einer Wohlfühlgesellschaft, welche meint, durch Verbote die Umwelt retten zu müssen.“

WBV-Vorsitzender Hans-Peter Lang

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