28.08.2018 - 10:25 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kein Pilz statt Steinpilz

Die Pilzsammler stehen in den Startlöchern. Eigentlich ist seit zwei Wochen Saison. Doch bisher hat es zu wenig geregnet. Mykologe Stefan Hartwig verrät, wo trotzdem schon Steinpilze und Pfifferlinge sprießen.

Stefan Hartwig steht in einer Schneise eines Fichtenwalds. Es ist derzeit ein guter Ort für die Pilzsuche, weil dort das Regenwasser nicht von den Bäumen abgehalten wird und der Boden feucht ist.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

"Ein bisschen Regen hatten wir." Stefan Hartwig geht in die Knie und wischt Erde, Laub, Tannennadeln und Rinde auf dem Waldboden beiseite. "Die Oberfläche ist nass", sagt der Pilzexperte. Doch das ist für die Pilze zu wenig. "Darunter ist es trocken. Es fehlt so viel Wasser."

Hartwig durchstreift ein Waldstück bei Vohenstrauß. Eigentlich ist er Experte im Pilze finden, doch für den geprüften Sachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist die Ausbeute der vergangenen Tage mager. Mehrmals in der Woche fährt der passionierte Sammler mit dem Fahrrad in den Wald und dreht für etwa zwei Stunden seine Runden. Am Tag zuvor hat er vier kleine Hexenröhrlinge und einen Täubling gefunden. Vor drei Tagen zwei Steinpilze und den Tag davor ein paar Eierschwammerl.

Ungenießbare Kremplinge

Eigentlich geht die Pilzsaison schon Mitte August los. Wenn es feuchter wird, der Frühnebel kommt, die Tage merklich kürzer werden und die Sonne den Waldboden nicht mehr so stark austrocknet. Doch in diesem Jahr dauert es länger. Die große Hitze verschont auch den Waldboden nicht.

Der 47-Jährige hat sich auf Großpilze spezialisiert. Es gibt in Deutschland etwa 6000 Arten, die 5 Millimeter oder größer sind. Der Informatiker schätzt, dass er etwa 600 aus dem Stegreif erkennen kann. Seine Sammelplätze sucht sich der Witt-Mitarbeiter im Winter und achtet dabei auf die Vegetation. Heidekraut etwa sei ein Zeichen für einen Pilzstandort. Zusammen mit dem bemoosten Boden würde das eigentlich nach Pfifferlingen schreien, erklärt er. "Und die findet man hier auch." Nur nicht heute. Was auf dem Moos zwischen den Fichten wächst, sind ungenießbare Samtfußkremplinge. "Pilze unterstützen Pflanzen und Bäume bei der Nahrungsaufnahme. Sie lösen Nährstoffe aus dem Boden und bringen Wasser zum Baum. Im Gegenzug erhält der Pilz vom Baum gelöste Zuckerstoffe. Wenn's zu trocken ist, funktioniert dieses ganze System nicht mehr." Je mehr Wasser, desto mehr Pilze, sei eigentlich eine gute Faustregel. Deshalb könne man bei Trockenheit an die Waldränder gehen oder in Lichtungen suchen. Dort komme der Regen besser hin. Außerdem sollte man sich der Sonne abgewandte Plätze suchen.

Wer Pilze sammelt, sollte immer einen luftdurchlässigen Korb dabei haben, , erklärt der Mykologe. Plastiktüte oder Eimer eignen sich nicht. Die Eiweiße der Pilze zersetzen sich schnell und so könne man sich eine Lebensmittelvergiftung holen. Zur Bestimmung der Pilze sei auch ein aktuelles Fachbuch ratsam. Handy-Apps könnten ebenfalls genutzt werden. Man brauche aber eine gewisse Vorkenntnis dafür.

Kleiner Triumph

Hartwig verlässt den Fichtenwald und spaziert auf eine größere Lichtung. In der Mitte fließt ein Bächlein, zum Waldrand hin wird der Wasserlauf etwas sumpfig. Drei Jägersitze umrahmen das etwas hügelige Panorama. Der Sammler geht an der Südseite der Lichtung entlang. Das Gras ist feucht, das Moos hat sich mit Wasser vollgesogen und durchweicht die Schuhe. "Hier kommt nur morgens die Sonne hin", sagt Hartwig.

Auf dem Boden liegt büschelweise modriges, braunes Gras, das vom Mähen der Wiese übriggeblieben ist. Mit dem Fuß schiebt der Sammler einen besonders großen Haufen beiseite und findet darunter einen großen braunen Steinpilz. "Schade, zu alt", sagt er. "Ich lasse ihn stehen. So kann er sich durch Sporen ausbreiten." Zwei Schritte weiter entdeckt er einen Mehlräsling. Er pflückt ihn. Das Gewächs riecht nach Gurke. "Von kleinen weißen Pilzen sollte man als Laie die Finger lassen. Da gibt's manche, die sind sehr giftig. Für mich ist es einer der besten Speisepilze." Im Übrigen sei der Mehlräsling ein Anzeiger für den Steinpilz. Und tatsächlich: Hartwig findet keine fünf Meter weiter zwei Steinpilze im hohen Gras und daneben wieder einige Mehlräslinge.

Doch es bleibt auch nach zwei Stunden eine magere Ausbeute. Trotz Besuchs eines der Lieblingsstandorte des Sammlers. Die Saison startet in diesem Jahr später. Sammler müssen sich noch gedulden. "Es braucht eigentlich eine Woche lang einen dauerhaften, schönen Landregen", meint Hartwig.

Pilzwanderung:

Die nächste Pilzwanderung ist am Samstag, 22. September, um 9.30 Uhr. Treffpunkt ist die Brunnerstraße 1 in Moosbach. Von dort geht es mit dem Sachverständigen mit Körbchen und Messer in Privatautos in den Wald. Anmeldung in der Gäste-Information, 09656/920217. Ende gegen 12.30 Uhr. (dko)

Info:

Der Flockenstielige Hexenröhrling ist essbar. Nur vier dieser Pilze und einen etwas größeren Täubling hat der Kenner bei einem Rundgang finden können.

Wie alle Pilze benötigt der Steinpilz viel Feuchtigkeit zum Wachsen. Bis die Pilzsaison richtig losgehen kann, muss es erst noch ein paar Tage regnen.

Der Mehlräsling ist schwer zu bestimmen aber für Hartwig einer der besten Speisepilze. Der Pilz deutet auf Steinpilze in der Nähe hin.

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