17.06.2019 - 11:12 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Keine archäologischen Funde unter der "Villa"

Unweit des historischen Stadttors wird ein Gebäude abgebrochen und schon rückt ein Grabungstechniker im Auftrag des Bayerischen Denkmalamts an, der aber nicht fündig wird.

Grabungstechniker Sebastian Gierschke von der Archäologischen Service-Stelle Franken hat die Baugrube der "Villa" gesichtet und detailliert vermessen. Archäologische Funde entdeckte er keine. Lediglich ein paar Porzellanteller in der Brandform kamen zum Vorschein.
von Elisabeth DobmayerProfil

Ein Grabungstechniker hat am Freitag im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege vom Archäologie-Service Franken (ASF) aus Hiltpoldstein, die als eine von qualifizierten Grabungsfirmen hauptsächlich im nordbayerischen Raum unterwegs sind, eine Sichtung der Bodenbeschaffenheit auf dem Gelände des Evangelischen Hilfsvereins vorgenommen. Nachdem nun die „Villa“ bis auf die Grundmauern abgerissen wurde (wir berichteten), schaltete sich das Landesamt für Denkmalpflege ein, da das Gebäude in unmittelbarer Nähe zum historischen Stadtgraben zur Innenstadt stand. Grabungstechniker Sebastian Gierschke rückte am Freitagvormittag mit Maßstab und Fotoapparat an, um die Grabungsstelle zu sichten und exakt zu vermessen und zu dokumentieren. „Der Übergang vom Stadtkern zum Außenbereich gilt als turbulenter Bereich“, versicherte der Experte.

Die Stadtkerne sind früher schnell gewachsen und die mittelalterlichen Stadtbefestigungen wurden in späterer Zeit zugeschüttet und sind überbaut worden. Gerade in Franken und der Oberpfalz waren viele Städte gut gesichert. Relativ häufig kämen demnach bei Abbrucharbeiten und Ausgrabungen Grundmauern alter Stadtbefestigungen oder andere Relikte zum Vorschein. In diesem kurzen Abschnitt bei der vormals bestehenden „Villa“ konnte Gierschke jedoch keine Hinweise auf Stadtmauerreste feststellen, obwohl sich unweit entfernt, bei der heutigen Post, das Stadttor befand. Der Grabungstechniker ging davon aus, dass sich deswegen in diesem Untersuchungsbereich keine weitere bauliche Befestigung mit Toreinlass befindet.

Aus diesem Grund bestehe auch keine weitere Einschränkung für die geplanten Baumaßnahmen des Evangelischen Hilfsvereins. Nachdem in Bayern das Urheberprinzip gelte, wäre dem Bauherrn auch bei einer Feststellung eines archäologischen Fundes keine Einschränkung entstanden. „Die Stelle hätte trotzdem wieder überbaut werden dürfen“, so Gierschke. Lediglich eine zeitliche Verzögerung und höhere Kosten wären im Raum gestanden. Auf dem Gelände soll noch heuer eine Containerbebauung erfolgen, um die steigenden Kinderzahlen in Hort und einer altersgeöffneten Kindergartengruppe gerecht zu werden. Dies soll aber nur als Übergangslösung dienen.

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