05.03.2021 - 11:58 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kommentar zum Eklat im Vohenstraußer Stadtrat nach provokanter Postkastenpräsentation

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Stadtratssitzungen können langweilig sein – müssen es aber nicht. Ein Beispiel für eine recht stimmungsgeladene Zusammenkunft aus der ehemaligen Kreisstadt Vohenstrauß kommentiert Redakteurin Christine Walbert.

Die Post genehmigte der Stadt Vohenstrauß einen zusätzlichen Briefkasten. Nach der Aufstellung der gelben Box gibt es Ärger im Stadtrat.
von Christine Walbert Kontakt Profil
Kommentar

Im Großen Sitzungssaal des Rathauses ging am Donnerstagabend die Post ab. Denn obwohl Kämmerer Rainer Dötsch mitten in der Pandemie eine Bomben-Jahresrechnung mit munter sprudelnden Gewerbesteuern in Millionenhöhe präsentierte und in der Stadt Vohenstrauß schon bald täglich Hunderte von Menschen geimpft werden können, prägte ein ganz anderes Thema die Stadtratssitzung: ein gelber Blechkasten.

Nach Sankt Martins-Ritt und Nikolaus-Kutschenfahrt war am Donnerstag die süffisant inszenierte Vorstellung des neuen Briefkastens der Post am Marktplatz eine erneut öffentlichkeitswirksame Aktion von SPD-Stadtrat Bernd Koller, die bei Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und der CSU gar nicht gut ankam und als pure Provokation empfunden wurde. Der dritte Streich des Stadtratsfrischlings brachte das Fass letztendlich zum Überlaufen. Den Räten, die von den Vorgängen in der Mittagszeit nichts mitbekommen hatten, müssen während der kurzen, aber heftigen Wutrede des Bürgermeisters unter ihren Masken die Münder offen gestanden haben. Der Druck unterm Kessel war offenbar enorm und suchte sich ein Ventil. Sogar das Kohlendioxid-Messgerät, das Wutzlhofer vor sich aufgebaut hatte, schnappte nach Luft und schlug Alarm.

In derlei explosiven Situationen hilft es, tief durchzuatmen und sich zu entspannen. Angesichts der politischen Machtverhältnisse im Stadtrat über Jahrzehnte hinweg sollten Bürgermeister und CSU-Fraktion in absoluter Souveränität geübt sein. Bei genauer Betrachtung ist der Postkasten ein Paradebeispiel für parteiübergreifende Zusammenarbeit: Der eine regt es an - der andere setzt es um. Das sollte der Königsweg sein, auch wenn es dann mal hoffentlich um wichtige Themen geht. Vielleicht kann ein Gespräch unter vier Augen, so wie es Heinrich Rewitzer anregte, das spannungsgeladene Verhältnis zurück auf ein gesundes Niveau bringen. Und wenn es mit dem Reden nicht klappt: Wer freut sich nicht über einen netten Brief? Postkästen gibt es ja jetzt gottseidank genug in der Stadt.

Stadtratssitzung mit geladener Stimmung

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