05.03.2021 - 11:59 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer lässt nach Postkastenpräsentation Dampf ab

Ein neuer Postkasten sorgt im Stadtrat Vohenstrauß für einen Eklat. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer gehen die Provokationen von SPD-Sprecher Bernd Koller zu weit. Er bezichtigt ihn, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Vohenstrauß hat am unteren Markt, gegenüber des ehemaligen Standorts, einen weiteren Postbriefkasten bekommen. Als Musikant Horst Peugler (Mitte) zur Freude von Initiator Bernd Koller (rechts) dazu aufspielte, radelte auch noch zufällig Postbote Patrick Habermann (links) vorbei. Den Standort wählten die Verantwortlichen der Post zusammen mit Bürgermeister Andreas Wutzlhofer aus, der den offiziellen Antrag der Stadt stellte.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die Stadtratssitzung am Donnerstag im Großen Sitzungssaal des Rathauses hatte einige wichtige Themen auf der Tagesordnung wie zum Beispiel die Jahresrechnung, Regenwassernutzungsanlagen oder die geplanten Straßenbaumaßnahmen. Alles lief wie am Schnürchen, die Debatten hielten sich in Grenzen. Bis zu den Mitteilungen von Bürgermeister Andreas Wutzlhofer. Hier verbarg sich ein Thema, das auf den ersten Blick so gar nicht das Zeug zum Zündstoff hatte: ein neuer Briefkasten.

Der Rathauschef erklärte in zunächst sachlichem Ton, dass am Donnerstag ein neuer Postkasten errichtet worden sei. Die Stadt habe den Antrag der SPD aufgegriffen und Verhandlungen mit der Post geführt, um einen Ersatz für den am ehemaligen Postgebäude abmontierten Briefkasten zu erhalten. "Wir haben die Möglichkeiten ausgelotet und am 11. Februar dann einen Antrag auf Wiederaufstellung gestellt", so Wutzlhofer. Allerdings sei der neue Kasten auf Wutzlhofers Vorschlag hin nicht an der selben Stelle aufgestellt worden, sondern gegenüberliegend im Bereich der Buchhandlung Rupprecht. Am 17. Februar habe es mit Vertretern der Post einen Ortstermin gegeben, bei dem der Bürgermeister sämtliche Bedenken der Post habe ausräumen können.

Dann wandte er sich - der Ton wurde nun deutlich lauter - direkt SPD-Sprecher Bernd Koller zu: "Sag' mal Bernd, kommst du dir nicht ein bisschen blöd vor, dich da jetzt als Macher feiern zu lassen?" Sich am Postkasten anlehnend fotografieren zu lassen, während Horst Peugler mit dem Akkordeon "Muss i denn zum Städtele hinaus" spielt, sei für ihn reine Effekthascherei, die ihn stocksauer mache. "Du schmückst dich mit fremden Lorbeeren, mit der harten Arbeit anderer. Das geht mir echt auf den Wecker. Ja, es war deine Idee. Aber umgesetzt haben es wir", schimpfte Wutzlhofer laut weiter. "So, und jetzt beruhige ich mich wieder", beendete er das Thema. Die betretene Stille unterbrach Martin Gleixner (Freie Wähler), in dem er etwas kleinlaut hinterherschob: "Und außerdem lässt sich darüber streiten, ob der Postkasten an der Stelle schön ist."

Bürgermeister bleibt gesprächsbereit

Bei den Anfragen meldete sich dann SPD-Stadtrat Heinrich Rewitzer und erklärte, dass nicht nur die Stadt, sondern auch die SPD in der Sache tätig geworden sei. Richtung Wutzlhofer meinte er: "Solche Probleme sollte man auch besser in einem Kämmerlein unter vier Augen ansprechen. Persönliche Angriffe gehören sich nicht hier her in die Öffentlichkeit." Der Bürgermeister zählte daraufhin weitere Anfragen von Koller auf wie zum Beispiel den angeblich nicht abgesenkten Bordstein hin zum Edeka-Markt, mit denen er immer wieder für Unmut sorge. "In Sachen Barrierefreiheit soll er mal lieber vor seinem Telefonladen schauen, da sind auch Treppen", wetterte Wutzlhofer. "Solche Alleingänge braucht's nicht. Aber wir werden hoffentlich nicht brechen miteinander und weiter kooperieren. Ich biete nach wie vor das Gespräch an", gab sich der Rathauschef dann etwas ruhiger.

Kommentar zum Postkasten-Eklat im Stadtrat Vohenstrauß

Vohenstrauß

Die Aufstellung des zusätzlichen Postbriefkastens am unteren Markt, unmittelbar auf Höhe der Buchhandlung Rupprecht, war Stunden zuvor über die Bühne gegangen. Nachdem Ende des vergangenen Jahres die Poststelle am bekannten Standort in der Bahnhofstraße 13 in Richtung neuen Edeka-Markt umsiedelte, war der am Haus befindliche Briefkasten abmontiert worden. Etliche Bürger beschwerten sich daraufhin beim Besitzer des Anwesens, Erwin Kraus aus Deggendorf. SPD-Stadtrat Bernd Koller vernahm ebenso die Beschwerden der Bürger und setzte sich für eine erneute Installation des gelben Kastens ein.

Stadt stellt Antrag bei Post

Durch eine Nachfrage bei Michael Seidl, Standortleiter des Zustellstützpunkts der Deutschen Post im Vohenstraußer Gewerbegebiet, erfuhr er, dass besagter Briefkasten ein Stammbriefkasten der Postfiliale war. Wenn diese umziehe, gehe der Briefkasten automatisch mit. Doch Seidl beschwichtigte und meinte, so bald ein offizieller Antrag von Seiten der Stadt an die Post gestellt werde, könne man darüber reden, am unteren Marktplatz wieder einen Briefkasten zu installieren. Deswegen bat Koller Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, von Seiten der Stadt einen offiziellen Antrag zu stellen.

Am Donnerstag war es nun so weit. Musiker Horst Peugler wurde von Koller dazu geholt, der „Muss i denn zum Städtele hinaus und du mein Schatz bleibst hier“ aufspielte. „Jetzt können die Leute wieder an gewohnter Stelle ihre Briefe einwerfen und brauchen keine langen Wege in Kauf nehmen, da ja auch am Rathaus ein weiterer Briefkasten am Marktplatz angebracht ist“, versicherte Koller. Bürgermeister Wutzlhofer habe den Standort mit Verantwortlichen der Post ausgewählt. „Gegenüber dem bisherigen Standort gibt es an dieser Stelle keine Probleme mit Parkern an der Engstelle“, erklärte der Bürgermeister. Koller dankte allen eingebundenen Personen für die schnelle Umsetzung, die allen Bürgern zugute komme.

Nach dem Umzug der Postfiliale fehlt ein Briefkasten

Vohenstrauß

"Du schmückst dich mit fremden Lorbeeren, mit der harten Arbeit anderer. Das geht mir echt auf den Wecker."

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer an SPD-Stadtrat Bernd Koller gerichtet

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer an SPD-Stadtrat Bernd Koller gerichtet

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